Kabelloses Laden: Electreon zeigt Lite Dot auf der IAA

Kabelloses Laden: Electreon zeigt Lite Dot auf der IAA
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Electreon

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Wer sein Elektroauto laden möchte, muss künftig dafür nichts weiter tun, als einzuparken. Mit dieser Ankündigung tritt Electreon auf der IAA Transportation in Hannover an die Öffentlichkeit. Das israelische Unternehmen stellt dort erstmals Electreon Lite Dot vor, eine stationäre, kabellose Ladelösung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Sobald das Auto über der Ladeplatte steht, erkennt das System es automatisch, der Ladevorgang beginnt ohne Kabel oder Stecker. Das kennt man so beispielsweise bereits von Porsche.

Die Technik hinter Lite Dot basiert auf magnetischer Induktion, demselben physikalischen Prinzip, das Electreon bereits bei seinen dynamischen Ladelösungen für Straßen einsetzt. Anders als bei den in die Fahrbahn integrierten Systemen kommt Lite Dot jedoch oberirdisch aus, Erdarbeiten sind nicht notwendig. Vier Komponenten bilden das System: ein Wandmodul, eine Ladeplatte, ein im Fahrzeug integrierter Empfänger und die mobile App „Electreon Flow Driver“, über die Nutzer:innen den Ladevorgang verfolgen und steuern können.

Das Wandmodul misst 65 mal 43 mal 15 Zentimeter und wiegt 30 Kilogramm, montiert werden kann es an einer Wand oder an einem Mast. Die Ladeplatte bringt es auf 131 mal 79 mal 4,7 Zentimeter und 75 Kilogramm. Mit einer Ladeleistung von bis zu 11 Kilowatt lädt Lite Dot die meisten Pkw und leichten Nutzfahrzeuge laut Electreon in etwa sechs Stunden von 10 auf 90 Prozent, was dem aktuellen Standard privater Ladeanschlüsse entspricht. Regen, Schnee und Temperaturen zwischen minus 30 und plus 50 Grad Celsius soll das System ebenso vertragen wie den Betrieb sowohl in Garagen als auch im Freien, etwa in privaten Garagen, auf Parkplätzen, Gewerbeflächen oder in Fuhrparkdepots.

Die Ladepause wird zur normalen Parkzeit

Für Flottenbetreiber liegt der eigentliche Nutzen weniger in der Technik selbst als in dem, was dadurch entfällt. Kabel und Steckverbinder gelten laut Electreon als die verschleißanfälligsten und wartungsintensivsten Bauteile herkömmlicher Ladeinfrastruktur, bedingt durch tägliches Ein- und Ausstecken, Schmutz, Witterung und gelegentliches Überfahren durch die Fahrzeuge selbst.

„Flottenbetreiber benötigen flexible und skalierbare Ladekonzepte, die sich einfach an ihren Standorten und Parkanlagen installieren lassen und nahtlos in den täglichen Betrieb integrieren lassen“, erklärt Dr. Andreas Wendt, Geschäftsführer von Electreon Germany. Genau das leiste Lite Dot und mache es möglich, während der regulären Parkzeiten kabellos zu laden.

Auch für private Nutzer:innen soll der Umstieg spürbar sein. Wer Einkaufstüten trägt, mit Kindern unterwegs ist oder in der Mobilität eingeschränkt ist, muss künftig kein Kabel mehr greifen, anschließen und wieder abkoppeln. Das Auto über der Ladeplatte zu parken, reicht laut Electreon aus, um den Vorgang auszulösen. Überwachen lässt sich das System über das Protokoll OCPP, das eine Fernsteuerung und ein zentrales Energiemanagement ermöglicht. Die Authentifizierung zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur läuft über den Standard ISO 15118, was laut Electreon auch verhindert, dass mehrere nebeneinander betriebene Einheiten sich gegenseitig stören.

Updates für das Wandmodul erfolgen automatisch über eine Cloud-Infrastruktur mit Servern in der EU und unter Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung, das System funktioniert nach Angaben des Unternehmens aber auch ohne Cloud-Verbindung. Regelmäßige Wartung soll ohnehin nicht nötig sein.

Zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit äußert sich Electreon ebenfalls: Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand bestünden keine relevanten Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder, da diese stark lokal begrenzt und nur aktiv seien, wenn ein Fahrzeug direkt über der Ladeplatte steht. Anwohner:innen und Passant:innen seien keinen messbaren Feldern ausgesetzt. CE-zertifiziert ist das System bereits, eine Prüfung durch unabhängige Stellen wie TÜV oder Dekra sei für spätere Markteinführungen möglich.

Markteinführung im zweiten Halbjahr 2027 geplant

Installiert werden müssen die Wandmodule von zertifizierten Elektrikern, betrieben werden können sie an haushaltsüblichen Stromnetzen, in Europa über eine Drei-Phasen-16-Ampere-Versorgung, in Nordamerika über entsprechende Steckdosen. Wann genau und zu welchem Preis Lite Dot erhältlich sein wird, lässt Electreon noch offen. Der endgültige Preis soll kurz vor dem für die zweite Jahreshälfte 2027 geplanten Marktstart bekannt gegeben werden, ebenso die Produktionsstandorte.

Als Ziel nennt das Unternehmen einen wettbewerbsfähigen Preis gegenüber vergleichbaren kabellosen Ladelösungen, ergänzt um Zusatzfunktionen wie das gleichzeitige Laden zweier Fahrzeuge und eine kabelgebundene Lademöglichkeit für Besucher:innen.

Quelle: Electreon – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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