Japan verschärft CO2-Ziele für PKW bis 2030

Japan verschärft CO2-Ziele für PKW bis 2030
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 721991470

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Japan schreibt vor, dass Autos bis zum Jahr 2030 um gut 30 sparsamer sein müssen als im Vergleichsjahr 2016. Mit diesem ehrgeizigen Ziel will das Land den leichten Vorsprung anderer Länder wie in Europa oder China beim Wandel hin zu emissionsfreieren Fahrzeugen aufholen.

Die neue Norm sieht vor, dass die KFZ-Neuwagenflotte eines Herstellers im Jahr 2030 eine durchschnittliche Kraftstoffeffizienz von 25,4 km pro Liter Benzin aufweisen muss, was einem Verbrauch von 3,9 Litern auf 100 Kilometer entspricht. Autohersteller müssen, sofern die Autos nicht kleiner und leichter werden oder ein anderes Wundermittel zur Kraftstoffersparnis erfunden wird, mehr Plug-in-Hybride sowie Elektro- und Brennstoffzellenautos verkaufen, um dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig müssen sie den Anteil von mit fossilen Treibstoffen befeuerten Autos am Gesamtabsatz deutlich verringern. Die neuen Vorschriften wurden von den japanischen Verkehrs- und Industrieministerien ausgearbeitet.

Im Geschäftsjahr 2017 wurden in Japan nur 24.000 Elektrofahrzeuge verkauft. Dies entspricht etwa 0,5 Prozent aller Neuwagenverkäufe, wie Angaben des Industrieministeriums belegen. Die japanische Regierung möchte erreichen, dass Elektroautos und Plug-in-Hybride im Jahr 2030 etwa mindestens 20 bis 30 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen, was basierend auf aktuellen Verkaufszahlen ungefähr einer Million Fahrzeuge entspricht.

Die neuen Vorschriften berücksichtigen auch den CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung für Elektrofahrzeuge. Diese Emissionen werden in einen Kraftstoffverbrauch umgerechnet und in den Durchschnitt mit einbezogen, was den Automobilherstellern einen Anreiz geben soll, die Leistung und Reichweite ihrer elektrischen Fahrzeuge zu verbessern.

Tokio befürchtet, dass Japan ohne ehrgeizige CO2-Ziele weiter hinter Europa und China zurückfallen wird, welche in den letzten Jahren Fortschritte bei der Politik gemacht haben, die die Hersteller und die Verbraucher immer mehr in Richtung Elektroantriebe treibt. Als die neuen Standards in Japan diskutiert wurden, kritisierten die Autohersteller sie als zu streng.

Japanische Hersteller sind bis auf Nissan mit dem Leaf bislang noch nicht in nennenswerter Stückzahl auf dem Elektroauto-Markt vertreten. Toyota setzt bislang vorrangig auf Hybride mit und ohne Stecker, Honda bringt erst im kommenden Jahr sein erstes Elektroauto auf den Markt.
Die bisherigen Strategien spiegeln sich auf in den Zukunftsprojektionen der größten japanischen Hersteller wieder: Nissan geht davon aus, dass bereits im Jahr 2022 gut ein Drittel des weltweiten Umsatzes mit Elektro- und Hybridautos bestritten werden. Honda ist schon deutlich bescheidener und geht bei Elektro- und Brennstoffzellenautos von einem Anteil von 15 Prozent bis zum Jahr 2030 aus. Und Toyota strebt an, bis 2030 mindestens eine Million Elektro- und Brennstoffzellenautos pro Jahr zu verkaufen, was etwa zehn Prozent des weltweiten Umsatzes entspricht.

Quelle: Nikkei Asian Review – Japan mandates cars to be 30 % more fuel efficient by 2030

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

„Carspreading“ frisst europaweit Millionen von Parkplätzen

Michael Neißendorfer  —  

Neuwagen wachsen jährlich um 1,2 cm in der Länge. Allein London und Berlin drohen deshalb, jeweils über 100.000 Parkplätze zu verlieren.

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Sebastian Henßler  —  

Die Automechanika Frankfurt öffnet im September ihre Tore. 4500 Aussteller, neue KI-Formate und ein Rekord bei den Innovation Awards erwarten die Branche.

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Eine VDA-Umfrage unter 116 Unternehmen zeigt, dass sich die Geschäftslage im automobilen Mittelstand deutlich verschlechtert hat.

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

Sebastian Henßler  —  

Chinesische Autobauer sichern sich Produktionsstandorte in Europa, bevor ein neues EU-Gesetz Direktinvestitionen aus China erschwert.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.