Würde es den Ferrari Luce nicht gegeben, hätte der Jaguar Type 01 noch immer die Krone für den größten Shitstorm der jüngeren Autogeschichte inne. Mit dem polarisierenden Elektro-GT wagt Jaguar einen Neustart, der vielen Autofans nicht viel gefiel und eine halbe Autonation schockte. Ab Anfang 2027 kann die polarisierende Elektrolimousine bestellt werden – zu Preisen ab 165.000 Euro.
Die Zukunft von Jaguar hängt von einem riesigen, betont flachen Elektro-GT mit vier Türen ab. 5,24 Meter lang und gerade einmal 1,40 Meter hoch, spaltete bereits die Positionierungskampagne vor zwei Jahren mit einem nie da gewesenen Aufschrei die automobile Öffentlichkeit. Ohne seine Tarnfolien ist der elektrische Viertürer, unterwegs auf einem opulenten 23-Zoll-Radsatz, noch massiger und Angst einflößender. Diese Motorhaube ist einfach gewaltig, die Dachlinie ungemein niedrig und das Heck präsentiert sich nahezu geschlossen – ganz ohne herkömmliche Heckscheibe. Jaguar wollte ein Auto, das Reaktionen hervorruft. Die waren bei vielen alles andere als positiv.
Der Ansatz ist überaus bewusst gewählt. Anstatt den E-Type neu aufzulegen oder die Proportionen eines XJ zu modernisieren, entschied sich Jaguar, etwas völlig Neues zu kreieren. Die Marke sieht den Type 01 als ersten Schritt, um sich neu zu erfinden und auf geringere Stückzahlen, deutlich höhere Preise und einen Kunden zu setzen, der primär aus Leidenschaft und nicht aus Notwendigkeit kauft.
Jaguar Type 01 zielt auf Lücke zwischen Taycan und Spectre
Der Type 01 nimmt zudem eine ungewöhnliche Position im Markt ein; positioniert sich über leistungsstarken Elektro-Limousinen wie dem Porsche Taycan und dem Lotus Emeya, aber unterhalb der Ultra-Luxusklasse von Fahrzeugen wie dem Rolls-Royce Spectre. Sowohl preislich (ab 165.000 Euro) als auch in seiner Zielsetzung gibt es überraschend wenig, was Jaguars Ansatz direkt widerspiegelt. „Vom dramatischen Design bis zum faszinierenden Fahrgefühl verkörpert der Type 01 die Essenz von Jaguar und ist ein Auto für eine neue Ära“, erläutert Jaguar-Geschäftsführer Rawdon Glover, „Jaguars sollen begehrenswerte und kulturell relevante Fahrzeuge sein – das ist ihr natürliches Umfeld, und dorthin kehrt Jaguar zurück. Der Type 01 ist das Fundament der Marke, ein Fahrzeug, das in unserem Bestreben, Jaguar für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden, keine Kompromisse zwischen Design und Technik eingeht.“

Aus der Nähe betrachtet, wirkt die Ingenieurskunst hinter der massiven Formgebung fraglos beeindruckend. Das riesige hintere Seitenteil aus Aluminium als „Impossible Panel“ erfordert ein komplexes sechsstufiges Pressverfahren, das es ermöglicht, mehrere unterschiedliche Oberflächen und Linien in einem einzigen Bauteil zu vereinen. Nicht jedes Detail gefällt gleichermaßen. Das Fehlen einer Heckscheibe erfordert ein Kamerasystem, das in einem massiven, auf dem Dach montierten Gehäuse untergebracht ist und nicht nur im Kontrast zur ansonsten klaren Karosserie deplatziert wirkt. Auch die horizontalen Strichgrafiken dürften kaum jedermann gefallen.

Da ist der Innenraum des Type 01 deutlich ansprechender. Es fühlt sich an wie ein serienreifes Konzeptfahrzeug, mit einem langen Mittelteil, der den Innenraum in vier separate Bereiche unterteilt. Ein 24-Zoll-OLED-Display dominiert das Armaturenbrett, unterstützt von einem kleineren 7-Zoll-Touchscreen für häufig genutzte Bedienelemente. Die Fondpassagiere verfügen über ein eigenes 7-Zoll-Display. Traditionelle Knöpfe gibt es jedoch nur wenige, und es wird interessant sein zu sehen, wie intuitiv die Benutzeroberfläche für den Kunden im Alltag ist. Auch die Raumaufteilung stellt einen Kompromiss dar. Die niedrige Dachlinie lässt den vorderen Bereich relativ geschlossen wirken, während die große Batteriestruktur hohe Schweller erzeugt, die den Zugang zum Fond ungewöhnlich umständlich machen. Der 450 Liter große Laderaum lässt sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1000 Liter erweitern.
321 km in 13 Minuten: Jaguar Type 01 lädt mit 850 Volt
Der Antriebsstrang ist in der turbulenten Zeit der Luxus-Elektrofahrzeuge weniger umstritten. Drei Elektromotoren leisten bis zu 757 kW / 1.030 PS und 1.365 Nm maximales Drehmoment, mit heckbetontem Allradantrieb und Torque Vectoring. Jaguar gibt eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,2 Sekunden und von 100 auf 180 km/h in 4,0 Sekunden an. Die 118-kWh-Batterie basiert auf einer 850-Volt-Architektur und ermöglicht eine prognostizierte Reichweite von bis zu 720 Kilometern. Mit einem 350-kW-Schnelllader lassen sich laut Jaguar in nur 13 Minuten bis zu 321 km Reichweite nachladen.

Jaguar betont, der Type 01 sei so entwickelt worden, dass er sich wie ein Jaguar anfühlt und nicht einfach nur ein weiteres extrem schnelles Elektroauto. Er verfügt über eine 50:50-Gewichtsverteilung nebst heckbetonter Traktion, Allradlenkung, aktiven Dämpfern und einer Luftfederung, denn Komfort und Leistungsreserven standen für den GT im Mittelpunkt. Bei einer ersten Testfahrt in einem Prototypen konnte die Gesamtabstimmung allemal gefallen. Doch erst einmal müssen sich die potenziellen Kunden mit Design und preislicher Neuausrichtung anfreunden. Das dürfte deutlich schwieriger werden.









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