Der britische Automobilhersteller Jaguar wollte mit dem Type 01 bewusst einen Bruch mit der eigenen Vergangenheit, und zumindest bei den ersten Interessenten scheint genau das zu funktionieren. Mehr als 50.000 Menschen weltweit haben sich inzwischen registriert, um über Jaguars elektrischen Neustart informiert zu werden. In diesem Zusammenhang besonders interessant: Rund 80 Prozent von ihnen hatten bislang keinen Jaguar.
Das geht aus neuen Aussagen von Jaguar-Chef Rawdon Glover hervor, über die Auto Motor und Sport sowie das australische Portal Drive berichten. Jaguar bezeichnet diese Interessenten intern als „KMI“, kurz für „Keep Me Informed“. Sie erhalten regelmäßig Informationen zur neuen Modellgeneration. Glover sagt: „Wir hatten mehr als 50.000 Menschen, die uns gesagt haben: Ich bin wirklich daran interessiert, was ihr macht.“
Bestellungen sind das allerdings noch nicht. Eine Registrierung kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Trotzdem ist die Zusammensetzung dieser Gruppe für Jaguar durchaus relevant. Schon vor der Vorstellung des Type 01 hatte die Marke erklärt, dass der Großteil der künftigen Käufer neu gewonnen werden müsse. Im Raum standen bis zu 85 Prozent Neukunden. Bei den derzeit registrierten Interessenten liegt dieser Anteil nun bei knapp 80 Prozent.
Riskanter Ansatz, erhöhte Aufmerksamkeit
Damit bestätigt sich zumindest vorläufig, was Jaguar mit seiner radikalen Neuausrichtung erreichen wollte. Statt weiter gegen BMW, Mercedes oder Audi im klassischen Premiumsegment anzutreten, positioniert sich die Marke deutlich höher. Der Type 01 startet in Deutschland ab 165.000 Euro. Der 5,2 Meter lange elektrische GT leistet bis zu 1030 PS, besitzt einen 118-kWh-Akku und soll bis zu 720 Kilometer nach WLTP schaffen. Bestellungen sollen Anfang 2027 möglich sein, erste Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte folgen.
Der Ansatz bleibt riskant. Das bewusst polarisierende Design, die komplett neue Markenkommunikation und die Abkehr von Verbrennungsmotoren haben Jaguar viel Spott eingebracht. Glover sieht gerade die Polarisierung aber offenbar als Teil des Konzepts. In Kundenbefragungen habe der Type 01 besonders viele sehr niedrige, zugleich aber auch außergewöhnlich viele sehr hohe Bewertungen erhalten.

Dass Internetkritik und tatsächliche Kaufbereitschaft nicht zwingend dasselbe sind, zeigte zuletzt Ferrari. Der ebenfalls heftig diskutierte elektrische Luce soll sein komplettes 2026er Kontingent von knapp 500 Fahrzeugen innerhalb weniger Wochen vergeben haben. Die Voraussetzungen sind wegen Ferraris deutlich stärkerer Exklusivität nur bedingt vergleichbar. Der Fall zeigt aber: Entscheidend ist nicht, ob ein Luxusauto allen gefällt – sondern ob es genügend zahlungsbereite Kunden begeistert.
Bei Jaguar sind 50.000 Interessenten deshalb noch kein Erfolg. Sie sind aber ein erstes Indiz dafür, dass der bewusst provozierte Bruch mit der Vergangenheit die neue Zielgruppe tatsächlich erreicht und Aufmerksamkeit erregt.
Quelle: Auto Motor und Sport – Jaguar Type 01: 50.000 Interessenten trotz Kritik; Drive – Jaguar EV reboot ‘proudly’ not attracting the same buyers








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