Experten erwarten Zunahme von Restrukturierungen bei Zulieferern

Experten erwarten Zunahme von Restrukturierungen bei Zulieferern
Copyright:

Shutterstock / 309013577 (Symbolbild)

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Deutschland soll eine Welle von Restrukturierungen bevorstehen – vor allem bei Zulieferern der Automobilindustrie. Gleichzeitig sollen die Fälle immer komplexer werden und von Restrukturierern erfordern, sich auf wechselnde Marktbedingungen einzustellen. Das sind zentrale Ergebnisse des Restructuring Report 2023/2024 des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte, der deutschlandweit Experten aus den Bereichen Insolvenzberatung und -verwaltung sowie Management- und Rechtsberatung zur aktuellen Lage und Zukunftsaussichten befragt.

Auf Basis der Befragung lassen sich mehrere Trends erkennen: 90 Prozent der Experten erwarten eine Zunahme von Restrukturierungen in den kommenden zwölf Monaten. Die wichtigsten Gründe seien die instabile geopolitische Lage, die Geldpolitik der Zentralbanken und die Inflation. Auch die fortschreitende Digitalisierung und der demografische Wandel sollen für zukünftige Restrukturierungsfälle von Bedeutung sein.

Die Komplexität von Restrukturierungsfällen nimmt zu, bedingt durch eine wachsende Anzahl an Stakeholdern und die Unsicherheit des Restrukturierungsverlaufs„, erklärt Stefan Sanne, Partner bei Deloitte und Head of Turnaround & Restructuring. „Eine klare strategische Ausrichtung und ein anpassungsfähiges Geschäftsmodell sind Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Restrukturierung. Die Zukunft der Branche erfordert einen breiteren Ansatz, der über die Behebung von Liquiditätsengpässen hinausgeht und eine ganzheitliche Transformation der Geschäftsmodelle umfasst.“

Vier Kernbranchen stehen laut dem Report vor bedeutenden Herausforderungen:

  • Die Automobilindustrie: Vor allem Zulieferer stehen vor enormen Herausforderungen. Während die Hersteller Rekordgewinne verzeichnen, befindet sich die Zulieferindustrie in fundamentalen Transformationsprozessen, die nicht alle Unternehmen überleben könnten. Damit wird diese Branche wahrscheinlich ein Hauptbereich für Restrukturierungen sein, so Deloitte.
  • Die Bau- und Immobilienwirtschaft: die Branche sieht sich mit erhöhten Zinsen und Kosten sowie sinkenden Immobilienpreisen konfrontiert. Die zunehmende Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen verschärft die Lage. Experten prognostizieren, dass eine steigende Anzahl von Restrukturierungen notwendig sein wird, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
  • Der stationäre Handel: Der Einzelhandel muss sich weiterhin an veränderte Kundenverhaltensweisen anpassen. Viele Händler verfügen nicht über ausreichende finanzielle Ressourcen, um bestehende Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Das Ergebnis ist ein wachsender Bedarf an Restrukturierung und Transformation.
  • Das Gesundheitswesen: Die wirtschaftliche Situation deutscher Krankenhäuser hat sich verschärft und ist von zahlreichen Insolvenzen geprägt. Ob eine Reform hier gegensteuern kann, ist zweifelhaft. Infolgedessen herrscht für viele Dienstleister in dieser Branche eine große Unsicherheit.

Darüber hinaus sehen die Deloitte-Experten den Maschinen- und Anlagenbau als möglichen zukünftigen Brennpunkt für Restrukturierungen. Auch wenn diese Branche aktuell weniger stark im Fokus steht, sollen der steigende globale Wettbewerbsdruck sowie die Notwendigkeit von Innovationen zu Herausforderungen führen, auf die die Unternehmen reagieren müssen. Der Restructuring Report zeigt auch einen Wandel im Finanzierungsumfeld. Die klassische Bankfinanzierung nimmt an Bedeutung ab, während der Einfluss von Debt Funds wächst.

Im Rahmen des Restructuring Report hat Deloitte 190 Experten aus den Bereichen Insolvenzberatung und -verwaltung sowie Management- und Rechtsberatung befragt, dazu Finanzierer (Eigen- und Fremdkapital) sowie (Interims-)Manager von Unternehmen. Diese teilten ihre Einschätzungen und Erwartungen zur weiteren Konjunktur- und Branchenentwicklung sowie zu aktuellen Trends auf dem Restrukturierungsmarkt mit.

Im Bericht (Link zum PDF-Download) werden diese Erkenntnisse dann dargestellt und reflektiert. Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die Situation des deutschen Restrukturierungsmarktes zu geben, sowie Trends und mögliche Veränderungen aufzuzeigen.

Quelle: Deloitte – Pressemitteilung vom 25.03.2024

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Eine VDA-Umfrage unter 116 Unternehmen zeigt, dass sich die Geschäftslage im automobilen Mittelstand deutlich verschlechtert hat.

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

Sebastian Henßler  —  

Chinesische Autobauer sichern sich Produktionsstandorte in Europa, bevor ein neues EU-Gesetz Direktinvestitionen aus China erschwert.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Sebastian Henßler  —  

Harald Schlarb war 36 Jahre bei Mercedes, baute die Tesla-Gigafactory mit auf – und erklärt, warum deutsche Firmen das Risiko wieder lernen müssen.

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Sebastian Henßler  —  

Alpitronic lässt seine Ladesäulen hacken – ohne Grenzen und mit KI-Unterstützung. Was dahintersteckt, zeigt ein exklusiver Besuch im Cybersecurity-Labor.

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Sebastian Henßler  —  

Wie macht man einen Hypercharger fit für Norwegen, Arizona und die Türkei? Die Antwort liegt im Bozner R&D-Zentrum von Alpitronic.