Hacker zeigen Schwachstellen bei Alpitronic-Ladern

Hacker zeigen Schwachstellen bei Alpitronic-Ladern
Copyright:

EnBW

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Was auf den ersten Blick wie eine technische Kuriosität wirkt, verweist bei näherer Betrachtung auf einen ernsten Kern. Beim Hackerwettbewerb Pwn2Own Automotive 2026 in Tokio gelang es Sicherheitsforschern, den bekannten Ego-Shooter „Doom“ auf einer Schnellladesäule auszuführen. Der Vorfall sorgte für Aufmerksamkeit, weil er exemplarisch zeigt, wie angreifbar vernetzte Systeme im Mobilitätsumfeld sein können – selbst dort, wo man sie im Alltag kaum als Computer wahrnimmt.

Im Mittelpunkt stand eine Ladesäule des italienischen Herstellers Alpitronic. Am dritten und letzten Wettbewerbstag schleuste ein dreiköpfiges Team unter dem Namen Juurin Oy eine spielbare Version von Doom auf einen Hypercharger des Typs HYC50 ein. Möglich wurde dies durch die Ausnutzung eines sogenannten Time-of-Check-to-Time-of-Use-Fehlers, kurz Toctou-Bug. Dabei entsteht eine zeitliche Lücke zwischen einer Sicherheitsprüfung und der tatsächlichen Nutzung einer Ressource, die sich unter bestimmten Bedingungen für das Einschleusen fremden Codes missbrauchen lässt.

Der sichtbare Effekt – ein laufendes Spiel samt Steuerelementen – war dabei weniger entscheidend als der technische Nachweis, dass sich eine Schwachstelle reproduzierbar ausnutzen ließ. Für den erfolgreichen Angriff erhielt das Team vier Wettkampfpunkte sowie ein Preisgeld von 20.000 US-Dollar (ca. 16.900 Euro). Zusätzlich gelang es denselben Forschern, ein Infotainmentsystem von Kenwood zu kompromittieren, was weitere 5000 US-Dollar (ca. 4200 Euro) einbrachte. Für eine Spitzenplatzierung reichte diese Kombination zwar nicht, der symbolische Charakter des Doom-Runs verschaffte dem Team jedoch besondere Aufmerksamkeit.

Pwn2Own als kontrolliertes Testfeld für reale Produkte

Der Kontext des Wettbewerbs ist dabei zentral für die Einordnung. Bei Pwn2Own nehmen sich Sicherheitsforscher gezielt reale Produkte vor, um bislang unbekannte Schwachstellen offenzulegen. Veranstaltet wird das Format von der Zero Day Initiative des IT-Sicherheitsunternehmens Trend Micro. Gelingt ein Angriff, erhalten die betroffenen Hersteller die Details, um Korrekturen zu entwickeln. Alle Teilnehmenden unterzeichnen dafür Vertraulichkeitsvereinbarungen, weshalb technische Einzelheiten zunächst nicht öffentlich werden.

Vor diesem Hintergrund ordnete Alpitronic den Vorfall öffentlich ein. Das Unternehmen betont, gezielt an der Pwn2Own 2026 teilgenommen zu haben, um die eigenen Systeme unter realistischen Angriffsbedingungen testen zu lassen. Nach Angaben des Herstellers sei die konkret ausgenutzte Schwachstelle ausschließlich während eines Software-Updates angreifbar gewesen. Zusätzlich habe der Angriff physischen Zugriff sowohl auf die Ladesäule als auch auf das Webinterface erfordert, was die praktische Ausnutzbarkeit im laufenden Betrieb erheblich einschränke.

Unabhängig davon hat Alpitronic einen internen Prozess zur Behandlung der Schwachstelle gestartet. Dieser umfasst eine Bedrohungsanalyse, eine Risikobewertung sowie die Entwicklung und Umsetzung technischer Gegenmaßnahmen. Sobald eine korrigierte Softwareversion verfügbar ist, sollen die Betreiber der Ladesäulen informiert und mit Updates versorgt werden.

Quelle: Alpitronic – Per Mail / Golem – Hacker zocken Doom auf geknackter E-Auto-Ladesäule / Heise – Pwn2Own-Automotive-Wettbewerb: Ladesäule geknackt, um „Doom“ zu spielen

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Daniel Krenzer  —  

Electra und HomE of Mobility erklären am Ladepark Wertheim nahe Würzburg, warum neben Ladeleistung und Preis auch Aufenthaltsqualität immer wichtiger wird.

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Arun Niemann  —  

Cirrantic-Zahlen zeigen, dass der Ausbau sich stärker zu Schnellladern verlagert. AC-Ladepunkte bleiben zahlenmäßig vorn, werden aber deutlich seltener genutzt.

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Sebastian Henßler  —  

Warum echter Wettbewerb zwischen Anbietern die Ladepreise senken kann und welche drei Wachstumshebel Wirelane für die kommenden Jahre fest einplant.

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Sebastian Henßler  —  

Wer viel Last verschieben kann, spart deutlich mehr Geld, erklärt Octopus Energy. Wie Wärmepumpe, E-Auto und Speicher dynamische Tarife lohnenswert machen.

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Sebastian Henßler  —  

Chargepoint startet die Auslieferung seiner neuen Ladeplattform Anfang 2027, zunächst in Deutschland, Großbritannien, Frankreich sowie in den Niederlanden.

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Reicht ein Netz aus 300 bis 400 Kilowatt starken Ladepunkten, oder braucht der Massenmarkt künftig Megawatt-Laden für Elektroautos in Deutschland?

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Michael Neißendorfer  —  

Kann ein Elektroauto mehr Energie erzeugen, als es während des alltäglichen Fahrens verbraucht? Das „Ja“ bei diesem mit BMW entwickelten Prototyp ist eindeutig.