Der chinesische Autobauer Great Wall Motor (GWM) errichtet seine erste Fabrik in Europa. Ab dem ersten Quartal 2027 will der Hersteller im bulgarischen Bahovitsa nahe der Stadt Lovech das kompakte Elektro-SUV Ora 5 zunächst als Elektroversion fertigen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
GWM hat dafür eine Vereinbarung mit dem lokalen Partner Bulgaria Automotive Industry geschlossen. Dieser betreibt bereits ein Werk in Bahovitsa und hat in der Vergangenheit mit GWM zusammengearbeitet. Zum Investitionsvolumen oder anderen finanziellen Details machte GWM bislang keine Angaben. Die jährliche Produktionskapazität am Standort soll bei 50.000 Fahrzeugen liegen.
GWM-Technologiechefin Wu: „Wir wollen Teil von Europa werden“
GWM-Technologiechefin Nicole Wu erklärte bei einem Firmen-Event in Mailand, dass die Produktion des Ora 5 als SKD-Montage beginnen soll – also als Zusammenbau von teilweise vorgefertigten Baugruppen aus China. Einzelne Zulieferteile sollen aber von Anfang an lokal beschafft werden. „Wir wollen nicht nur Autos nach Europa verkaufen, wir wollen Teil von Europa werden“, sagte Wu.
In einem späteren Ausbauschritt will GWM die Produktion auf weitere Antriebsarten und Modelle ausweiten. Der Ora 5 ist in Europa auch mit Benzin- und Hybridantrieb erhältlich.
Great Wall Motor zählte zu den ersten chinesischen Herstellern, die auf den europäischen Markt drängten, konnte sich bislang aber nicht durchsetzen: Im vergangenen Jahr sanken die Verkäufe in Europa um knapp 30 Prozent, insgesamt konnte der Hersteller gerade einmal 3500 Fahrzeuge absetzen. Wettbewerber wie BYD, Chery und Leapmotor konnten im gleichen Zeitraum deutlich zulegen.
2024 hatte GWM für das darauffolgende Jahr mit seinen Marken Ora und Wey eine Zielmarke von einer Million verkauften Autos im Jahr 2025 gesteckt. Schon Mitte 2024 zog das Unternehmen wohl aufgrund schwacher Verkaufszahlen überraschend die Reißleine, schloss die Europazentrale in München und entließ rund 100 Mitarbeiter. Seither wird das operative Geschäft aus China gesteuert.
Schon 2027 will GWM 60.000 Fahrzeuge in Europa absetzen
Für die Zukunft formuliert GWM dennoch ambitionierte Ziele: 2027 will der Hersteller 60.000 Fahrzeuge in Europa verkaufen, bis 2029 sollen insgesamt 300.000 Fahrzeuge in Europa produziert werden. Bis 2030 will GWM einen europäischen Marktantel von 3 bis 5 Prozent erreichen. Dazu will das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren mindestens zehn neue oder abgeleitete Modelle verschiedener Antriebsarten präsentieren. Wie GWM das massive Wachstum von 3500 auf 60.000 verkaufte Fahrzeuge erreichen will, bleibt bislang allerdings offen.
Die Entscheidung für eine Fertigung in Europa fällt in eine Zei, in der die EU den Druck auf chinesische Autobauer erhöht: Auf in China gebaute und nach Europa exportierte Fahrzeuge von GWM entfällt aktuell ein EU-Antidumpingzoll von 20,7 Prozent, hinzu kommt der reguläre Einfuhrzoll von 10 Prozent. Eine lokale Produktion könnte diese Zölle je nach Wertschöpfungsanteil reduzieren, auch wenn GWM sich für eine SKD-Montage entscheidet. Chinesische Konkurrenten wie BYD, Chery und Leapmotor verfolgen mit eigenen europäischen Werken oder Kooperationen mit europäischen Herstellern eine ähnliche Strategie.
Quellen: Reuters – China’s Great Wall Motor to build Ora 5 compact SUV in Bulgaria / Business Insider – Darum schließt der chinesische Autohersteller Great Wall Motor seine Europazentrale in München






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