Lotus vollzieht eine grundlegende strategische Kehrtwende. Die britische Sportwagenmarke, die seit 2017 zum chinesischen Geely-Konzern gehört, gibt ihren ursprünglichen Plan auf, zur reinen Elektromarke zu werden. Stattdessen setzt das Unternehmen künftig wieder verstärkt auf Verbrennungsmotoren und Hybridantriebe. Lotus-Chef Feng Qingfeng begründet den Kurswechsel mit einer deutlich schwächeren Nachfrage nach Elektrofahrzeugen im Luxussegment als erwartet.
„Wir dachten, batterieelektrische Fahrzeuge seien die Zukunft. Deshalb haben wir schnell und aggressiv gehandelt“, sagt Feng gegenüber dem Portal Automotive News Europe. Modelle wie das Elektro-SUV Eletre seien technologisch ihrer Zeit voraus gewesen. Die Marktentwicklung habe jedoch gezeigt, dass viele Kunden weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bevorzugen. Besonders Käufer:innen von Sportwagen schätzten den emotionalen Charakter leistungsstarker Verbrenner. Die gleichmäßige Kraftentfaltung von Elektroautos werde von dieser Zielgruppe sogar häufig als Nachteil wahrgenommen.
Mit dieser Neuausrichtung steht Lotus nicht allein. Mehrere Automobilhersteller hatten in den vergangenen Jahren ambitionierte Elektroziele formuliert und diese angesichts schwacher Nachfrage wieder zurückgenommen. Porsche etwa, mit dem Taycan früh im Elektrosegment präsent, setzt inzwischen wieder stärker auf Verbrenner. Lamborghini hat sein angekündigtes Elektromodell Lanzador vorerst auf Eis gelegt.
V8-Hybrid als neues Flaggschiff der Marke
Herzstück der neuen Strategie ist ein V8-Hybrid-Supersportwagen, der 2028 auf den Markt kommen soll. Das Modell, intern unter dem Projektnamen Type 135 geführt, wird voraussichtlich als Nachfolger des legendären Esprit positioniert. Der Achtzylinder stammt aus dem Joint Venture Horse Powertrain, das Geely gemeinsam mit Renault betreibt. Lotus will das Aggregat eigenständig weiterentwickeln, mit Fokus auf Gewichtsreduzierung und Bauraumoptimierung. Im Sportwagensegment soll die Marke exklusiver Nutzer des Triebwerks bleiben.
Mit dem neuen Modell visiert Lotus Preisregionen um rund 425.000 Euro an. Feng formuliert den Anspruch direkt: Das Unternehmen wolle Sportwagen anbieten, die „besser als ein Ferrari“ seien und gleichzeitig günstiger. Dass Ferrari seinerseits gerade sein erstes Elektromodell Luce vorgestellt hat und damit in eine andere Richtung steuert, verleiht diesem Vergleich eine zusätzliche Dimension.
Auch der Emira bleibt entgegen früheren Planungen ein Auto mit Verbrennungsmotor. Der ursprünglich geplante Elektro-Nachfolger wurde gestrichen. Stattdessen erhält der Sportwagen künftig einen V6-Hybridantrieb von Horse Powertrain. Eine Vierzylinder-Version schließt Lotus ausdrücklich aus, vor allem mit Blick auf den US-Markt, wo der V6 die mit Abstand gefragteste Motorisierung darstellt.
Deutlich niedrigere Verkaufsziele bis 2030
Mit der neuen Strategie verabschiedet sich Lotus auch von früheren Volumenplänen. Statt 150.000 Fahrzeugen pro Jahr bis 2028 peilt das Unternehmen nun rund 30.000 Verkäufe bis 2030 an, davon etwa ein Drittel Sportwagen. Die Gewinnschwelle sieht Finanzchef Daxue Wang bereits bei rund 20.000 Fahrzeugen erreicht. Im Bereich der sogenannten Lifestyle-Modelle, also SUVs und Limousinen, rechnet Lotus künftig mit einem Anteil von 60 Prozent Plug-in-Hybriden und 40 Prozent Elektroautos.
Wichtige Wachstumstreiber sollen Plug-in-Hybridmodelle wie der neue Eletre X werden. Das Modell bietet laut Hersteller höhere Gewinnmargen als die vollelektrische Variante. Da die in China produzierten SUVs und Limousinen aufgrund politischer Rahmenbedingungen derzeit nicht in den USA verkauft werden können, konzentriert sich Lotus auf China, Europa, den asiatisch-pazifischen Raum und den Nahen Osten. Jeweils rund 40 Prozent des Absatzes sollen auf China sowie Europa einschließlich Großbritannien entfallen.
Trotz zunehmender Handelsbarrieren hält Lotus an seinem Werk im englischen Hethel fest. Die aktuellen US-Zölle auf britische Fahrzeuge seien günstiger als der Aufbau einer neuen Produktionsstätte. Gleichzeitig kritisiert Feng die schwache industrielle Lieferkette in Europa: Während sich in China rasch qualifizierte Batterie-Lieferanten finden ließen, gestalte sich die Partnersuche in Europa deutlich schwieriger.
Quelle: Automobilwoche – Lotus verabschiedet sich vom Elektro-Alleingang









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