Focus 2030: Lotus schwenkt auf Hybride um – weniger Elektro

Focus 2030: Lotus schwenkt auf Hybride um – weniger Elektro
Copyright:

Lotus

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Der britische Sportwagenhersteller Lotus gibt seine bisherige Elektrostrategie teilweise auf. Unter dem neuen Langfristplan „Focus 2030“ soll das Portfolio künftig zu 60 Prozent aus Hybridmodellen und zu 40 Prozent aus reinen Elektroautos bestehen. Ursprünglich hatte das zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Unternehmen noch ein vollständig elektrisches Lineup bis 2028 angestrebt. Die Kurskorrektur reiht sich in eine branchenweite Bewegung ein: Zahlreiche Automobilhersteller überdenken ihre E-Auto-Ambitionen angesichts schwächerer Nachfrage und dem Abbau staatlicher Förderungen.

Gleichzeitig kündigt Lotus für 2028 seinen ersten eigenen Supersportwagen an. Das Modell mit der Bezeichnung „Type 135“ soll in Europa gebaut werden, weitere Details stehen für den weiteren Jahresverlauf in Aussicht. Damit setzt der Hersteller ein klares Zeichen im Hochpreissegment – und versucht offensichtlich, die Marke neu zu positionieren, ohne dabei den Kern des eigenen Erbes aufzugeben.

Auf dem chinesischen Markt, dem weltweit größten für Elektroautos, läuft derweil die Nachfrage für ein neues Modell an. Das Plug-in-Hybrid-Modell „Eletre X“ verzeichnet nach Unternehmensangaben bereits mehr als 1000 Vorbestellungen seit seinem Marktstart in China. Europäische Kund:innen sollen das Fahrzeug noch vor Ende des Jahres erhalten. China bleibt damit nicht nur strategisch relevant, sondern soll unter „Focus 2030“ der wesentliche Volumentreiber sein – Lotus plant mit jährlichen Verkaufszahlen von 30.000 Einheiten.

Fusion soll Strukturen straffen und Kosten senken

Intern steht zudem eine tiefgreifende Neuorganisation bevor. Lotus UK und Lotus Technology sollen zu einem einzigen Unternehmen zusammengeführt werden. Parallel dazu plant der Hersteller eine engere Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Geely – sowohl bei der Technologieentwicklung als auch in der Lieferkette. Daniel Li, Executive Vice Chairman bei Geely und Chairman bei Lotus Technology, erklärte dazu: „Wir setzen uns dafür ein, Lotus die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die es verdient, um auf höchstem Niveau mithalten zu können.“

Die Produktion des Emira, des Mittelmotor-Sportwagens, bleibt weiterhin in Großbritannien verankert. Das dortige Werk hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt: Im vergangenen Jahr strich Lotus bis zu 550 Stellen in der britischen Organisation, hielt die Fabrik aber offen. Wie sich die geplante Unternehmensfusion auf den britischen Standort auswirkt, ließ das Unternehmen bislang offen.

Mit „Focus 2030“ versucht Lotus, mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren: sinkende Margen im Elektrosegment, den Rückzug staatlicher Anreize in Schlüsselmärkten und den Druck, als Sportwagenhersteller dauerhaft profitabel zu wirtschaften. Ob die Kombination aus Hybrid-Neuausrichtung, einem Supersportwagen und Konsolidierungsmaßnahmen ausreicht, um dieses Ziel zu erreichen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Quelle: Reuters – Lotus scales back EV plans, targets 2028 supercar launch

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Geely Elektroautos

Auto China: Geely setzt auf 900 Volt und Festkörperzellen

Auto China: Geely setzt auf 900 Volt und Festkörperzellen

Sebastian Henßler  —  

Mit G-ADS, EVA Cab und 900-Volt-Architektur präsentierte Geely auf der Auto China 2026 eine breite Technologiepalette für Elektrifizierung und autonomes Fahren.

Farizon: Chinas Angriff auf Europas Transporter-Markt

Farizon: Chinas Angriff auf Europas Transporter-Markt

Sebastian Henßler  —  

Mit dem V7E für die letzte Meile und dem variablen SV greift die Geely-Tochter Farizon den deutschen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge in voller Breite an.

Zeekr: 100 Service- und Vertriebspartner in Deutschland bis Ende Juni

Zeekr: 100 Service- und Vertriebspartner in Deutschland bis Ende Juni

Daniel Krenzer  —  

Zeekr startet in den deutschen Markt – und wählt für seinen Vertrieb ein ungewöhnliches Konzept mit freien Werkstätten.

Volvo bringt Lynk & Co künftig exklusiv nach Europa

Volvo bringt Lynk & Co künftig exklusiv nach Europa

Maria Glaser  —  

Volvo wird künftig die Modelle Lynk & Co 01, 02 und 08 der chinesischen Premiummarke nach Europa importieren und verkaufen.

Mercedes-Benz und Geely: Kooperation über Smart hinaus?

Mercedes-Benz und Geely: Kooperation über Smart hinaus?

Sebastian Henßler  —  

Mercedes-Benz und Geely sprechen offenbar über eine Zusammenarbeit bei künftigen E-Auto-Modellen. Ziel: kürzere Entwicklungszeiten in China.

Lotus in der Krise: Wie Geely die Marke retten will

Lotus in der Krise: Wie Geely die Marke retten will

Wolfgang Gomoll  —  

Lotus sucht den Ausweg aus der Krise. Mit Hightech aus China und neuen Antrieben will die Marke wachsen. Doch die Elektropläne geraten zunehmend unter Druck.