Der britische Sportwagenhersteller Lotus gibt seine bisherige Elektrostrategie teilweise auf. Unter dem neuen Langfristplan „Focus 2030“ soll das Portfolio künftig zu 60 Prozent aus Hybridmodellen und zu 40 Prozent aus reinen Elektroautos bestehen. Ursprünglich hatte das zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Unternehmen noch ein vollständig elektrisches Lineup bis 2028 angestrebt. Die Kurskorrektur reiht sich in eine branchenweite Bewegung ein: Zahlreiche Automobilhersteller überdenken ihre E-Auto-Ambitionen angesichts schwächerer Nachfrage und dem Abbau staatlicher Förderungen.
Gleichzeitig kündigt Lotus für 2028 seinen ersten eigenen Supersportwagen an. Das Modell mit der Bezeichnung „Type 135“ soll in Europa gebaut werden, weitere Details stehen für den weiteren Jahresverlauf in Aussicht. Damit setzt der Hersteller ein klares Zeichen im Hochpreissegment – und versucht offensichtlich, die Marke neu zu positionieren, ohne dabei den Kern des eigenen Erbes aufzugeben.
Auf dem chinesischen Markt, dem weltweit größten für Elektroautos, läuft derweil die Nachfrage für ein neues Modell an. Das Plug-in-Hybrid-Modell „Eletre X“ verzeichnet nach Unternehmensangaben bereits mehr als 1000 Vorbestellungen seit seinem Marktstart in China. Europäische Kund:innen sollen das Fahrzeug noch vor Ende des Jahres erhalten. China bleibt damit nicht nur strategisch relevant, sondern soll unter „Focus 2030“ der wesentliche Volumentreiber sein – Lotus plant mit jährlichen Verkaufszahlen von 30.000 Einheiten.
Fusion soll Strukturen straffen und Kosten senken
Intern steht zudem eine tiefgreifende Neuorganisation bevor. Lotus UK und Lotus Technology sollen zu einem einzigen Unternehmen zusammengeführt werden. Parallel dazu plant der Hersteller eine engere Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Geely – sowohl bei der Technologieentwicklung als auch in der Lieferkette. Daniel Li, Executive Vice Chairman bei Geely und Chairman bei Lotus Technology, erklärte dazu: „Wir setzen uns dafür ein, Lotus die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die es verdient, um auf höchstem Niveau mithalten zu können.“
Die Produktion des Emira, des Mittelmotor-Sportwagens, bleibt weiterhin in Großbritannien verankert. Das dortige Werk hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt: Im vergangenen Jahr strich Lotus bis zu 550 Stellen in der britischen Organisation, hielt die Fabrik aber offen. Wie sich die geplante Unternehmensfusion auf den britischen Standort auswirkt, ließ das Unternehmen bislang offen.
Mit „Focus 2030“ versucht Lotus, mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren: sinkende Margen im Elektrosegment, den Rückzug staatlicher Anreize in Schlüsselmärkten und den Druck, als Sportwagenhersteller dauerhaft profitabel zu wirtschaften. Ob die Kombination aus Hybrid-Neuausrichtung, einem Supersportwagen und Konsolidierungsmaßnahmen ausreicht, um dieses Ziel zu erreichen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quelle: Reuters – Lotus scales back EV plans, targets 2028 supercar launch









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