European Electricity Review: Erneuerbare europaweit auf dem Vormarsch

European Electricity Review: Erneuerbare europaweit auf dem Vormarsch
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Maria Glaser
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Der Thinktank Ember hat den European Electricity Review für das vergangene Jahr veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass Solarenergie in der Europäischen Union die Kohlekraft überholt hat. Außerdem ging der Gasanteil innerhalb der EU im fünften Jahr in Folge zurück.

Nachhaltiger Trend in der EU

Wie sich das Stromsystem und damit die nachhaltige Energiewende in der Europäischen Union über Jahre hinweg entwickelt, wird von der Denkfabrik Ember mit dem European Electricity Review jährlich zusammengefasst. Dabei werden Daten zu der Stromerzeugung und der Nachfrage in allen 27 Ländern der EU analysiert.

Im Jahr 2024 hat sich die Hinwendung zu erneuerbaren Energien und die Abwendung von fossilen Brennstoffen demnach weiter fortgesetzt. Auf knapp 11 Prozent Anteil an der Stromerzeugung ist Solarenergie gestiegen, während Windenergie 17 Prozent ausmachte. Kohlekraft ist hingegen erstmals auf einen Anteil von nur zehn Prozent gefallen und auch Gas verzeichnete einen Rückgang, sogar im fünften Jahr in Folge, auf 16 Prozent.

„Fossile Brennstoffe verlieren ihren Einfluss auf die Energieversorgung der EU. Beim Start des europäischen Green Deals im Jahr 2019 hätten nur wenige gedacht, dass die Energiewende in der EU dort stehen könnte, wo sie heute ist: Wind und Sonne drängen die Kohle an den Rand und zwingen das Gas in den strukturellen Niedergang.“ – Dr. Chris Rosslowe, leitender Analyst und Hauptautor des Reviews

Fossile Brennstoffe auf historischem Tiefstand

Unter anderem durch das starke Wachstum der Solarenergie stieg der Anteil der erneuerbaren Energien in der EU auf 47 Prozent und damit fast die Hälfte der gesamten Stromerzeugung. Dabei führt Deutschland bei der Produktion von Solarenergie mit über 70 Terrawattstunden jährlich, gefolgt von Spanien mit fast 60 Terrawattstunden und Italien mit über 35 Terrawattstunden. Den höchsten Solaranteil am Energiemix hat wiederum Ungarn mit knapp einem Viertel. Dabei landet Deutschland mit 14,9 Prozent auf dem sechsten Platz.

Fossile Brennstoffe machten im Jahr 2024 noch 29 Prozent des Stroms aus. Dies ist ein Rückgang von 10 Prozent seit 2019. In diesem Jahr, vor dem Green Deal, lieferten fossile Brennstoffe noch 39 Prozent des Stroms, während erneuerbare Energien 34 Prozent ausmachten. Seit 2019 ist Kohle von Platz 3 auf Platz 6 der Stromquellen in der EU gefallen.

Dieser Trend des Wachstums für erneuerbare Energien betraf alle Ländern der EU. So stieg der Anteil der Solarenergie in allen Mitgliedsstaaten, während es in mehr als der Hälfte der Länder entweder gar keinen Kohlestrom mehr gab oder lediglich einen Anteil von unter 5 Prozent am Strommix.

Einen großen Anteil hat zudem die Atomkraft. Deren Prozentsatz innerhalb der EU schwankte in den letzten Jahren, über das letzte Jahrzehnt hinweg war der Trend jedoch rückläufig, wohl auch nicht zuletzt aufgrund der Abschaltungen der letzten Atomkraftwerke in Deutschland.

Die Energiewende in der EU sei in den letzten fünf Jahren schneller vorangekommen als erwartet, so Rosslowe, aber weitere Fortschritte seien nicht selbstverständlich. Daher müsse die Umsetzung beschleunigt werden, insbesondere im Windsektor, der mit besonderen Herausforderungen und einer zunehmenden Lücke bei der Umsetzung konfrontiert sei. Rosslowe fordert, den jährlichen Zubau von Windkraftanlagen bis 2030 im Vergleich zu 2024 mindestens zu verdoppeln. Zugleich seien die Errungenschaften der letzten fünf Jahre ein Grund für Zuversicht, dass mit anhaltendem Elan und Engagement die Herausforderungen gemeistert und eine sicherere Energiezukunft erreicht werden können.

In Bezug zur nachhaltigen Mobilitätswende mittels Elektromobilität ist dieser Trend durchaus wünschenswert, schließlich sind Elektroautos nur wirklich nachhaltig, wenn sie mit nachhaltig erzeugtem Strom geladen werden. Um weitere bisherige Unzulänglichkeiten in der Infrastruktur des Stromnetzes auszugleichen, zu denen unter anderem die mangelnden Speicherkapazitäten für nachhaltigen Strom gehören, können Elektroautos einen wichtigen Beitrag leisten, wie im Rahmen der Technologie Vehicle-to-Grid (V2G) oder beim Überschussladen.

Stabilität statt Abhängigkeit

Durch den Anstieg erneuerbarer Energien am Strommix kann die EU ihre Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern sowie deren Preisschwankungen besser ausgleichen.

„Bei diesem Meilenstein geht es um mehr als nur um Klimaschutz. Er ist ein Eckpfeiler der europäischen Energiesicherheit und industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Erneuerbare Energien drängen die fossilen Brennstoffe immer weiter an den Rand, allen voran die Solarenergie. Wir brauchen jetzt mehr Flexibilität, um sicherzustellen, dass sich das Energiesystem an die neuen Gegebenheiten anpasst: mehr Speicher und mehr intelligente Elektrifizierung in den Bereichen Heizung, Verkehr und Industrie.“ – Walburga Hemetsberger, CEO von SolarPower Europe

Dabei wurde berechnet, dass die EU in den letzten fünf Jahren 92 Milliarden Kubikmeter fossiles Gas und 55 Millionen Tonnen Kohle hätte importieren müssen, um die zusätzliche Wind- und Solarenergie auszugleichen, wenn diese nicht ausgebaut worden wäre. Damit hätte man zusätzliche Kosten für Energie in Höhe von fast 60 Milliarden Euro gehabt.

Quelle: electrek – Solar overtakes coal in the EU, and gas declines for 5th year running

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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