Chile und die Vereinigten Staaten wollen bei kritischen Rohstoffen künftig enger zusammenarbeiten. Der chilenische Präsident José Antonio Kast und der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau unterzeichneten in Santiago eine gemeinsame Erklärung. Erste Konsultationen sollen bereits innerhalb von 15 Tagen stattfinden, wie das chilenische Außenministerium mitteilte.
Im Zentrum der geplanten Gespräche stehen die Stärkung von Lieferketten für kritische Mineralien und Seltene Erden, die Identifizierung gemeinsamer Projekte zur Schließung von Versorgungslücken sowie mögliche private und staatliche Finanzierungsmechanismen. Auch das Abfallmanagement und Recycling von Mineralien sollen Teil der Diskussionen sein. „Ich glaube, dass wir gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Chile viel tun können, um die Lieferketten dieser Mineralien zu stärken“, sagte Landau vor Journalist:innen in Santiago.
Die Annäherung folgt einer klaren strategischen Logik. Chile verfügt laut Daten des U.S. Geological Survey über die weltweit größten Lithiumreserven und ist nach Australien der zweitgrößte Produzent des Batteriemetalls. Gleichzeitig drängt die US-Regierung darauf, ihre Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen zu verringern. Diese werden in Elektroautos, Halbleitern, Verteidigungssystemen und der Unterhaltungselektronik eingesetzt. Ein Blick auf die bestehende Präsenz zeigt, wie eng beide Länder bereits verflochten sind: Das US-Unternehmen Albemarle produziert seit mehr als 50 Jahren Lithium in der chilenischen Atacama-Region und gilt als weltweit größter Hersteller des Batteriemetalls.
Hinzu kommen neue Investitionen. Das von General Motors unterstützte Startup EnergyX plant den Bau einer Lithium-Anlage in Chile für rund 957 Millionen Euro, die 2028 in Betrieb gehen und perspektivisch 50.000 Tonnen pro Jahr produzieren soll. EnergyX-Chef Teague Egan bezeichnete das Abkommen als guten ersten Schritt. Er hatte den chilenischen Präsidenten wenige Tage zuvor beim „Shield of the Americas“-Gipfel von US-Präsident Donald Trump in Miami getroffen.
Darüber hinaus kommen in Chile Ionenadsorptionstone vor, wichtige Quellen für schwere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium, die unter anderem die Leistungsfähigkeit von Magneten in der Elektromobilität erhöhen. Das kanadische Unternehmen Aclara Resources will diese Vorkommen in Chile und Brasilien wirtschaftlich nutzen und in den USA weiterverarbeiten. Für ein Projekt im brasilianischen Bundesstaat Goiás hat sich Aclara bereits bis zu 4,35 Millionen Euro von der US-Entwicklungsfinanzierungsinstitution gesichert.
Was das Abkommen für Europas Rohstoffstrategie bedeutet
Aus europäischer Perspektive wirft die Partnerschaft grundsätzliche Fragen auf – und bestätigt Einschätzungen, die Experten im Elektroauto-News-Podcast bereits vor Monaten formuliert haben. Rohstoffexperte Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur verwies in einer früheren Folge auf Europas nahezu vollständige Importabhängigkeit bei Lithium. Der Critical Raw Materials Act der EU sehe zwar vor, nicht mehr als 65 Prozent eines kritischen Rohstoffs aus einem einzelnen Lieferland zu beziehen.
Doch die Realität bleibe davon weit entfernt: Europa habe zwar 15 bis 16 Lithiumprojekte, aber keinen einzigen europäischen Eigner. Es fehle an Investoren, an Genehmigungen und am politischen Willen. Schmidt plädierte daher ausdrücklich für bilaterale Rohstoffpartnerschaften mit verlässlichen Ländern. Chile nannte er als besonders geeigneten Partner, nicht zuletzt wegen des vergleichsweise geringen ökologischen Fußabdrucks: Rund fünf Tonnen CO2 pro produzierter Tonne Lithium stehen einem vier- bis fünffachen Wert bei chinesischer Produktion gegenüber. Der Unterschied liegt in der Fördermethode – in Chile wird Sonnenenergie zur Verdunstung genutzt, in China energieintensiv Gestein verarbeitet.
Schmidt betonte zudem die Notwendigkeit von Kooperation statt Konfrontation und warnte davor, sich mit einem Land anzulegen, das in der gesamten Wertschöpfungskette einen solchen Hebel besitze wie China.
Auch Daniel Jimenez Schuster, Lithium-Experte und Mitgründer des Beratungsunternehmens iLiMarkets, unterstrich in einer jüngeren Podcast-Folge die strategische Bedeutung westlicher Partnerschaften. Aus seiner Sicht sei die Rohstoffversorgung über Verbündete wie Australien und Chile grundsätzlich gesichert – das eigentliche europäische Problem liege anderswo.
Wettbewerbsfähige Batteriezellfertigung fehle auf dem Kontinent weitgehend, und ohne diese industrielle Basis entstehe weder stabiler Bedarf an Kathodenmaterialien noch an Lithiumchemikalien. Europa habe keinen strukturellen Vorteil im Bergbau, die Ressourcen seien aufwendig und kostenintensiv zu erschließen. Öffentliche Mittel wären demnach besser in Technologie und Zellproduktion investiert. Jimenez Schuster verwies dabei auf eine Zahl, die das Ausmaß der Abhängigkeit verdeutlicht: 92 Prozent des weltweit abgebauten Lithiums landeten 2025 in China zur Weiterverarbeitung.
Während die USA mit dem Abkommen einen konkreten Schritt in Richtung Rohstoffsicherung gehen, ringt Europa weiter um die Umsetzung seiner eigenen Ziele.
Quelle: Rohstoff.net – Neue Rohstoffallianz: Chile und USA wollen Lieferketten stärken / MarketScreener – Chile und die USA streben Zusammenarbeit bei Seltenen Erden und anderen kritischen Mineralien an








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