Europcar: Firmenflotten als Schlüssel zur Antriebswende

Europcar: Firmenflotten als Schlüssel zur Antriebswende
Copyright:

Europcar

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Die Europcar E-Xperience 2025 in Grevenbroich stand ganz im Zeichen der Elektromobilität im Unternehmenskontext. Im Fokus des Events, das von Europcar Deutschland gemeinsam mit Partnern wie dem ADAC und Elli Mobility organisiert wurde, standen Testfahrten, Fachgespräche und der Austausch mit Flottenverantwortlichen. Ziel war es, Unternehmen praxisnah zu zeigen, wie E-Mobilität im Fuhrpark funktioniert – von der Fahrzeugauswahl über Lademanagement bis hin zur Integration in bestehende Abläufe.

„Unsere Europcar E-Xperience 2025 hat gezeigt: E-Mobilität ist sowohl eine Frage der Technologie als auch des Mindsets“, erklärte Oliver Schulze, verantwortlich für Public & Industry Affairs sowie Elektromobilität bei Europcar Deutschland, gegenüber Elektroauto-News (EAN).

Firmenkunden konnten auf dem Testgelände in Grevenbroich zahlreiche Elektroautos ausprobieren – darunter Modelle wie den Cupra Tavascan, Hyundai Ioniq 5, Kia EV9, Renault 5, Škoda Enyaq und den VW ID.7. Viele Teilnehmer:innen erlebten laut Schulze, dass Elektromobilität nicht nur alltagstauglich, sondern auch emotional begeistern kann: „E-Mobilität macht Spaß – und genau dieser Spaß-Faktor ist entscheidend, um Vorbehalte abzubauen.“ Flottenmanager sollten daher ihre Belegschaft aktiv mitnehmen und durch eigene Begeisterung anstecken, um den Wandel im Unternehmen erfolgreich zu gestalten.

Ein zentrales Thema des Austauschs mit EAN war die neue Corporate-Carsharing-Lösung „FleetShare“, mit der Europcar die Elektrifizierung in Unternehmen vereinfachen will. Über eine App können Mitarbeitende jederzeit auf Poolfahrzeuge zugreifen, sie buchen und verwalten. Schulze betonte, dass die Entwicklung stark nutzerzentriert erfolge: „Die Rückmeldungen unserer Kund:innen sind unser wichtigster Input. Sie fordern flexible, digitale und unkomplizierte Lösungen, die sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren lassen.“ Hinweise aus der Praxis – etwa zum User-Management oder zur Fahrzeugverwaltung – würden direkt an die Produktentwicklung weitergegeben, um „eine einfache und intuitive User Story“ sicherzustellen.

Mercedes EQE oder Lucid Air spielen mengenmäßig keine Rolle, aber für die Positionierung der Marke

Christopher Alting, Director Fleet bei Europcar Deutschland, erklärte, dass der konsequente Ausbau der Elektroflotte einer der wichtigsten strategischen Hebel sei, um nachhaltige Mobilität voranzutreiben. „Wir sehen eine positive Nachfrage nach Elektroautos und treiben die Erweiterung unserer E-Auto-Flotte konsequent voran – in enger Zusammenarbeit mit europäischen Herstellern wie Audi, Mercedes und VW.“

Das Portfolio werde kontinuierlich optimiert, um den unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden. Fahrzeuge wie die eingangs erwähnten: Cupra Tavascan, VW ID.7 oder Kia EV9 seien dabei „spannende Optionen, um die Nachfrage im Mittelklassesegment abzudecken“.

Europcar

Auch im Bereich der elektrischen Transporter plane Europcar einen Ausbau: „Ab 2026 wollen wir unser Angebot an elektrischen Transportern sukzessive erweitern“, so Alting. Premiummodelle wie der Mercedes EQE oder Lucid Air spielten im Corporate-Carsharing zwar mengenmäßig eine geringere Rolle, seien jedoch für die Markenpositionierung wichtig: „Sie unterstreichen unsere erstklassige Ausrichtung und zeigen, dass wir im Elektrosegment die volle Bandbreite anbieten können.“ Beim Thema Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit spielen laut Alting Reichweite und Ladegeschwindigkeit eine Schlüsselrolle: „Diese Faktoren bestimmen, wie leicht Kund:innen den Einstieg in die Elektromobilität finden.“

Europcar: „Eine verbindliche Elektrifizierungsquote für Firmenflotten lehnen wir ab.“

Neben technischer und operativer Umsetzung setzt Europcar auch auf politische Einflussnahme. Gemeinsam mit dem Verband der Internationalen Autovermieter (VIA) wolle das Unternehmen für realistische Rahmenbedingungen eintreten. Schulze betonte: „Eine verbindliche Elektrifizierungsquote für Firmenflotten lehnen wir ab. Sie würde tief in die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit von Unternehmen eingreifen und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.“

Stattdessen plädiere Europcar für gezielte Förderung und den schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur – insbesondere an Flughäfen und Mobilitätsknotenpunkten. „Nur so können wir das Vertrauen der Kund:innen stärken und die steigende Nachfrage nach E-Mobilität im Flottenbereich wirklich bedienen.“

Die Veranstaltung in Grevenbroich machte laut Schulze deutlich, dass Firmenflotten der wichtigste Hebel der Antriebswende sind: „Unternehmensflotten sind für die E-Mobilität ein entscheidender Hebel, der das Privatkundensegment bei Weitem übertrifft.“ Da Firmenwagen rund zwei Drittel aller Neuzulassungen ausmachten, bestimmten sie den Gebrauchtwagenmarkt von morgen und trieben so die gesamte Transformation an.

Für Europcar ist die Richtung längst klar. „Für uns geht es nicht um Technologieoffenheit, sondern um Technologieentschlossenheit“, betont Schulze. „Wir haben uns entschieden, den Weg der E-Mobilität konsequent zu gehen. Die Transformation ist nicht nur eine ökologische Pflicht, sondern auch eine wirtschaftliche Chance.“

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Alles auf Elektro: Wie BMW sein Stammwerk in München neu erfindet

Alles auf Elektro: Wie BMW sein Stammwerk in München neu erfindet

Michael Neißendorfer  —  

Das BMW-Stammwerk in München hat eine umfassende Modernisierung durchlaufen. Schon bald werden dort nur noch Elektroautos produziert.

Jaguar GT: Wie historische Ikonen das E-Auto prägen

Jaguar GT: Wie historische Ikonen das E-Auto prägen

Sebastian Henßler  —  

Jaguar lässt Klassiker wie den XK120 und E-Type in seinen neuen elektrischen GT einfließen. Die Vorstellung des Viertürers ist für September geplant.

Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab

Tibber-Daten: Smart Charging federt Strompreisanstieg ab

Sebastian Henßler  —  

Eine Tibber-Auswertung zeigt, dass E-Auto-Haushalte mit Smart-Meter und dynamischem Tarif im März trotz steigender Strompreise deutlich weniger zahlten.

Volvo EX30: Neues Basismodell ab 34.990 Euro bestellbar

Volvo EX30: Neues Basismodell ab 34.990 Euro bestellbar

Sebastian Henßler  —  

Volvo senkt den Einstiegspreis des EX30 um 3500 Euro und benennt alle Varianten um. Beim Topmodell P8 AWD electric steigt der Preis jedoch.

VDA: Förderung für Laden in Mietwohnungen reicht nicht

VDA: Förderung für Laden in Mietwohnungen reicht nicht

Sebastian Henßler  —  

Nur ein Viertel der E-Auto-Besitzer:innen wohnt zur Miete. Ein neues Förderprogramm des Bundes soll Lademöglichkeiten an Mehrparteienhäusern verbessern.

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé überzeugt in Wintertests

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé überzeugt in Wintertests

Sebastian Henßler  —  

Drei E-Motoren, Torque Vectoring und ein neues Luftfahrwerk: Mercedes-AMG hat das vollelektrische GT 4-Türer Coupé im nordschwedischen Eis erprobt.

408.000 Teslas produziert – 50.000 Autos auf Halde?

408.000 Teslas produziert – 50.000 Autos auf Halde?

Sebastian Henßler  —  

Tesla hat im ersten Quartal 2026 über 408.000 Autos produziert und rund 358.000 ausgeliefert. Die Lücke von 50.000 Einheiten fällt dabei auf.