Der europäische Automobilherstellerverband ACEA warnt vor erheblichen Belastungen für Elektroauto-Exporte von der EU nach Großbritannien. Hintergrund sind strengere Ursprungsregeln für Batterien, die nach aktuellem Stand ab Januar 2027 innerhalb des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich gelten sollen. Nach Einschätzung des Verbands könnten große Teile der europäischen Elektroautos dann nicht mehr zollfrei nach Großbritannien exportiert werden.
In einem Schreiben an die europäischen Entscheidungsträger fordert ACEA deshalb eine vorübergehende Anpassung der Regeln. Nach Berechnungen des Verbands dürfte die EU im Jahr 2027 rund 520.000 elektrische Pkw und leichte Nutzfahrzeuge im Wert von etwa 17,9 Milliarden Euro nach Großbritannien exportieren. Unter den derzeit vorgesehenen Vorgaben würden demnach rund 82 Prozent dieser Fahrzeuge die erforderlichen Ursprungskriterien nicht erfüllen.
Die Folge wäre ein Zollsatz von zehn Prozent. ACEA beziffert die daraus entstehenden zusätzlichen Kosten allein für 2027 auf rund 1,47 Milliarden Euro. Der Verband warnt davor, dass dies die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller auf dem britischen Markt beeinträchtigen und zugleich den Aufbau einer europäischen Batterie- und Elektroautoindustrie erschweren könnte.
Grundsätzliches Ziel wird nicht angefochten
Dabei stellt der ACEA das grundsätzliche Ziel einer stärkeren europäischen Batteriewertschöpfung nicht infrage. Die Automobilhersteller hätten bereits umfangreich in entsprechende Produktionskapazitäten investiert. Diese stünden jedoch nicht schnell genug in ausreichendem Umfang zur Verfügung, um die ab 2027 geplanten Anforderungen zu erfüllen.
Der Verband schlägt deshalb vor, zunächst weiterhin stärker auf die Montage der Batteriepakete in Europa abzustellen. Diese flexiblere Regelung solle bis Ende 2029 gelten. Ab 2030 könnten anschließend strengere Anforderungen hinsichtlich der Herkunft der Batteriezellen eingeführt werden, ab 2032 zusätzlich Vorgaben für das Kathodenmaterial. Für schwere Elektro-Lkw sei ein ähnlicher Ansatz denkbar, wobei dort längere Zeiträume für den Aufbau europäischer Lieferketten berücksichtigt werden müssten.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Regelung ist erheblich. Großbritannien war 2025 laut ACEA der größte Exportmarkt der EU für Fahrzeuge und zugleich der wichtigste Auslandsmarkt für in der EU produzierte batterieelektrische Autos. Fast 30 Prozent der rund fünf Millionen Fahrzeugexporte aus der EU gingen nach Großbritannien, ihr Wert belief sich auf rund 42 Milliarden Euro. Mehr als jedes fünfte aus der EU nach Großbritannien exportierte Auto war bereits rein elektrisch; diese Fahrzeuge hatten zusammen einen Wert von rund 10,1 Milliarden Euro.
Hinzu kommt der wachsende Wettbewerbsdruck. Während Autos aus der EU 2025 noch 61 Prozent des britischen Marktes ausmachten, erreichten in China produzierte Fahrzeuge bereits einen Anteil von 14 Prozent. Zusätzliche Zölle auf europäische Elektroautos könnten diesen Wettbewerb entsprechend verschärfen.
Zeitplan wird zum Problem
Neu ist das Problem allerdings nicht. Ursprünglich sollten die Herkunftsvorgaben für Elektroautos und Batterien bereits Anfang 2024 verschärft werden. Ende 2023 einigten sich EU und Großbritannien jedoch darauf, die damaligen Übergangsregeln bis zum 31. Dezember 2026 zu verlängern. Als Gründe wurden unter anderem Verzögerungen beim Aufbau der europäischen Batterieindustrie infolge der Corona-Pandemie, gestörter Lieferketten und des russischen Angriffs auf die Ukraine genannt. Die EU-Kommission stellte damals zugleich bis zu drei Milliarden Euro zusätzliche Unterstützung für die europäische Batterieproduktion in Aussicht.
Die Regeln verfolgen grundsätzlich das nachvollziehbare Ziel, möglichst viel Wertschöpfung bei Elektroautos und insbesondere Batterien in Europa beziehungsweise Großbritannien anzusiedeln. Das Problem liegt aus Sicht der Hersteller vor allem im Zeitplan: Die benötigten Zell- und Materialkapazitäten entstehen zwar zunehmend in Europa, allerdings langsamer als bei Abschluss des Handelsabkommens angenommen.
Der Verband ACEA argumentiert deshalb, dass Handels- und Industriepolitik zeitlich besser aufeinander abgestimmt werden müssten. Die geplanten strengeren Regeln sollen nach Vorstellung des Verbands nicht grundsätzlich aufgegeben, sondern lediglich an den tatsächlichen Hochlauf der europäischen Batterieproduktion angepasst werden. Ob EU und Großbritannien einer weiteren Änderung zustimmen, muss nun politisch ausgehandelt werden.
Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 17. September 2026









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