Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 weiter gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 136,4 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt und in das öffentliche Netz eingespeist. Das waren 6,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ihr Anteil an der gesamten inländischen Stromerzeugung erhöhte sich dadurch von 58,0 auf 59,1 Prozent.
Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 230,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und eingespeist. Das entspricht einem Zuwachs von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die konventionelle Stromerzeugung nahm ebenfalls leicht um 1,7 Prozent auf 94,2 Milliarden Kilowattstunden zu, ihr Anteil sank aufgrund der insgesamt höheren Erzeugung jedoch von 42,0 auf 40,9 Prozent.
Wichtigster Energieträger blieb die Windkraft. Sie lieferte 67,7 Milliarden Kilowattstunden und damit 12,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Ihr Anteil erreichte 29,4 Prozent. Allerdings weist Destatis darauf hin, dass der deutliche Zuwachs auch auf das außergewöhnlich windarme erste Quartal des Vorjahres zurückzuführen ist. Photovoltaikanlagen speisten mit 41,0 Milliarden Kilowattstunden 3,5 Prozent mehr Strom ein und kamen auf einen Anteil von 17,8 Prozent.
Kohle blieb trotz eines Rückgangs der Stromproduktion um 0,5 Prozent mit 21,4 Prozent die zweitgrößte einzelne Energiequelle. Erdgas legte dagegen um 6,4 Prozent zu und deckte 16,5 Prozent der inländischen Stromerzeugung ab. Gleichzeitig schrumpfte der Importüberschuss deutlich: Deutschland importierte 34,5 Milliarden Kilowattstunden und exportierte 33,9 Milliarden. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Importüberschuss noch 8,3 Milliarden Kilowattstunden betragen.
Saubererer Strom verbessert auch die Klimabilanz von E-Autos
Für die Elektromobilität ist die Entwicklung unmittelbar relevant. Zwar stößt ein Elektroauto lokal kein CO₂ aus, für eine vollständige Lebenszyklusbetrachtung müssen jedoch unter anderem Fahrzeug- und Batterieproduktion sowie die Emissionen der Stromerzeugung während der Nutzung berücksichtigt werden. Je klimafreundlicher der geladene Strom wird, desto weiter sinken somit die Emissionen der Nutzungsphase – und damit grundsätzlich auch die CO₂-Bilanz des E-Autos über seinen Lebenszyklus. Viele E-Auto-Fahrer nutzen daher ohnehin bereits reine Ökostromtarife, doch auch Strom aus Kohle und Gas landet weiterhin in deutschen Akkus.
Das Umweltbundesamt bezifferte die direkten CO₂-Emissionen des in Deutschland verbrauchten Stroms für 2025 auf durchschnittlich 344 Gramm je Kilowattstunde, nach 353 Gramm im Jahr 2024 und 379 Gramm 2023. Ein steigender Anteil erneuerbarer Energien zählt zu den wesentlichen Gründen für diesen langfristigen Rückgang. Für Elektroautos bedeutet das zugleich: Ihre Klimabilanz verbessert sich mit der Energiewende auch bei bereits zugelassenen Fahrzeugen stetig weiter.
Der langfristige Trend ist deutlich. Seit 2023 stammt laut Destatis mehr inländisch erzeugter und eingespeister Strom aus erneuerbaren als aus konventionellen Quellen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 ist die erneuerbare Stromerzeugung inzwischen um gut ein Viertel gestiegen, während die konventionelle Erzeugung von damals 174,6 auf 94,2 Milliarden Kilowattstunden beinahe halbiert wurde.
100 Prozent Erneuerbare laut Studie umsetzbar
Dass ein noch wesentlich stärker auf erneuerbaren Energien basierendes Stromsystem technisch und wirtschaftlich möglich sein könnte, zeigte zuletzt auch eine Simulationsstudie der Hochschule RheinMain. Demnach könnte eine vollständig erneuerbare Stromversorgung Deutschlands mit einem starken Ausbau von Erzeugung und Speichern günstiger und mit weniger Speicherbedarf umsetzbar sein als teilweise angenommen. Die Studie sieht dabei auch Elektroauto-Batterien mithilfe von bidirektionalem Laden und eine flexible Stromnachfrage als mögliche Bestandteile eines solchen Systems.
Zu beachten ist allerdings: Die Destatis-Statistik erfasst die in das öffentliche Netz eingespeiste Stromerzeugung. Selbst verbrauchter Solarstrom privater Haushalte oder direkt in Industriebetrieben genutzter eigenerzeugter Strom sind beispielsweise nicht enthalten. Der ausgewiesene Erzeugungsmix ist daher nicht vollständig mit dem tatsächlichen deutschen Verbrauchsstrommix gleichzusetzen.
Quelle: Destatis – Pressemitteilung vom 8. September 2026









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