Ladeinfrastruktur: EnBW wegen chinesischer Technik in der Kritik

Ladeinfrastruktur: EnBW wegen chinesischer Technik in der Kritik
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Deutschland ist einer der zentralen Bausteine für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität. Umso sensibler ist die Frage, welche Unternehmen die Technik hinter den Ladesäulen liefern und somit von der Wertschöpfung profitieren. Genau darüber ist nun eine Debatte entbrannt, denn laut eines Berichts von Business Insider setzt Marktführer EnBW künftig verstärkt auf Technologie des Anbieters XCharge – eines Unternehmens mit chinesischen Wurzeln. Auch Elektroauto-News hatte darüber bereits berichtet.

Update 13. Mai: XCharge teilt dazu mit, dass sich die Argumentation vor allem darauf beziehe, dass der Geschäftsführer Ho Yifei „chinesischer Staatsbürger“ sei. Allerdings sei er Kanadier.

Konkret geht es um Schnellladestationen mit Leistungen von 400 kW und mehr, die künftig im EnBW HyperNetz zum Einsatz kommen sollen. Bereits seit rund zwei Jahren habe EnBW Hard- und Software von XCharge getestet, inzwischen sei daraus ein langfristiger Rahmenvertrag entstanden. Die ersten neuen Schnellladeparks mit entsprechender Technik sollen demnach zeitnah umgesetzt werden.

Brisant ist das Thema vor allem deshalb, weil Ladeinfrastruktur inzwischen zunehmend als sicherheitsrelevante Infrastruktur betrachtet wird. Hintergrund sind mögliche Cyberrisiken, Fernwartungszugriffe oder sensible Nutzungsdaten, die bei vernetzten Ladesystemen anfallen können. In der Vergangenheit wurden ähnliche Debatten bereits rund um den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei geführt.

XCharge hat Standort in Hamburg

EnBW verweist den Berichte zufolge darauf, dass XCharge inzwischen operative Standorte in Hamburg und den USA besitzt und für den europäischen Markt lokal agiere. Zudem seien Sicherheitsprüfungen erfolgt und Behörden informiert worden. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass die Partnerschaft auch der strategischen Diversifizierung dienen solle.

Die Diskussion zeigt zugleich ein grundlegendes Dilemma der europäischen Ladeinfrastruktur auf. Einerseits dominieren chinesische Unternehmen zunehmend zentrale Zukunftstechnologien – von Batterien über Solartechnik bis hin zu Ladehardware. Andererseits wächst in Europa die Sorge vor neuen technologischen Abhängigkeiten. Gerade im Bereich Elektromobilität und neuen Energien geraten diese Spannungen immer stärker in den Fokus. Chinesische Unternehmen gewinnen in Europa ohnehin zunehmend Marktanteile und investieren verstärkt lokal in Produktion und Infrastruktur.

Streit um Wechselrichter

So gibt es aktuell einen Streit zwischen der EU und China darüber, ob Wechselrichter aus der Volksrepublik bei der Umsetzung von Solarprojekten in Europa förderfähig sein sollen. Zudem bauen immer mehr chinesische Automobilhersteller Produktionsstandorte in Europa auf – zum einen, um Zölle zu umgehen, zum anderen aber auch, um in den europäischen Ländern weniger als chinesische Marke wahrgenommen zu werden.

Für EnBW dürfte bei diesem Thema auch die Geschwindigkeit des Netzausbaus eine wichtige Rolle spielen, bei der die Partner mit chinesischen Wurzeln offenbar mithalten können. EnBW betreibt bereits heute das größte Schnellladenetze Deutschlands.

Ob sich die Kritik an der Kooperation langfristig verstärkt oder die pragmatische Perspektive überwiegt, dürfte auch davon abhängen, wie Europa künftig mit chinesischer Technologie in kritischen Bereichen umgeht. Klar ist bereits jetzt: Die Diskussion um Ladeinfrastruktur ist längst nicht mehr nur eine technische oder wirtschaftliche Frage – sondern zunehmend auch eine geopolitische.

Quelle: Business Insider – EnBW setzt auf XCharge: Chinesische Technologie im deutschen Schnellladenetz

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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