Mit dem E-Bus 13.600 Kilometer quer durch Afrika

Mit dem E-Bus 13.600 Kilometer quer durch Afrika
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Kiira Motors Cooperation

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Nach gut fünf Wochen auf afrikanischen Straßen und einer Strecke von mehr als 13.600 Kilometern kehrte der Elektrobus von Kiira Motors Corporation nach Kampala zurück, der unterwegs deutlich mehr transportiert hat als nur ein Expeditionsteam. Die Grand-Electric-Trans-African genannte Expedition endete dort, wo sie am 20. November begonnen hatte, und machte damit eine Rundfahrt von Uganda bis nach Kapstadt in Südafrika und zurück komplett. Im Mittelpunkt stand das 13 Meter lange Flaggschiff Kayoola EV Model 2025 aus lokaler Fertigung, das unter Alltagsbedingungen zeigen sollte, was elektrische Mobilität auf dem afrikanischen Kontinent leisten kann.

Empfangen wurde das 48-köpfige Team im Stadtteil Naalya, wo Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die Rückkehr begleiteten. Für die Initiatoren ging es dabei nicht allein um eine symbolische Fahrt, sondern um einen praktischen Nachweis. Mit dem E-Bus der Kiira Motors Corporation sollte demonstriert werden, dass Langstreckenverkehr mit einem Elektrobus auch über Ländergrenzen hinweg realisierbar ist. Die Route führte durch unterschiedliche Klimazonen, wechselnde Straßenbedingungen und mehrere nationale Strom- und Mobilfunknetze.

Aus Sicht der ugandischen Regierung markiert die Fahrt einen wichtigen Schritt. Verkehrsminister Edward Katumba erklärte, die Expedition zeige, dass technologische Lösungen nicht importiert werden müssten, sondern vor Ort entstehen können. Elektromobilität sei kein fernes Ziel mehr, sondern eine Option, die bereits heute wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sei. Diese Einschätzung wurde auch von der akademischen Seite geteilt. Prof. Sandy Stevens Tickodri-Togboa von der Makerere-Universität, dessen Forschungsarbeiten früh Impulse für die nationale E-Fahrzeug-Strategie lieferten, sah in der Reise einen Übergang von theoretischen Konzepten hin zu einem belastbaren Praxistest.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die digitale Begleitung. Während der gesamten Fahrt sorgte das Mobilfunknetz von MTN für durchgehende Konnektivität. Ibrahim Senyonga, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft bei MTN Uganda, verwies darauf, dass Sicherheit, Leistungsüberwachung und Koordination ohne stabile Datenverbindungen kaum möglich gewesen wären. Über Partnernetze in Sambia, Eswatini und Südafrika blieb der Bus permanent vernetzt, was eine Echtzeit-Auswertung von Fahrdaten erlaubte und den grenzüberschreitenden Betrieb erleichterte.

Messdaten liefern Einblick in Energieverbrauch und Effizienz

Diese Daten lieferten am Ende ein detailliertes Bild. Insgesamt verbrauchte der Elektrobus 5189 Kilowattstunden Energie. Nach Angaben des Teams konnten dadurch rund 5942 Kilogramm Kohlendioxid vermieden und mehr als 5189 Liter fossiler Kraftstoff ersetzt werden. Der durchschnittliche Energiebedarf lag bei 0,79 Kilowattstunden pro Kilometer, die tägliche Fahrleistung bei etwa 390 Kilometern. Umgerechnet ergibt sich daraus eine Kosteneinsparung von rund 3381 Euro gegenüber einem konventionellen Antrieb.

Auch aus betrieblicher Sicht fiel die Bilanz entsprechend aus. Während der gesamten Expedition wurde lediglich ein sicherheitsrelevanter Vorfall registriert. Für Projektleiter Elias Bwambale von Kiira Motors ist das ein Hinweis darauf, dass Technik und Überwachungssysteme unter realen Bedingungen zuverlässig zusammengearbeitet haben. Eine Fahrt über mehrere tausend Kilometer durch unterschiedliche Regionen mit nur einem Zwischenfall sei ein starkes Signal für die Alltagstauglichkeit.

Industriepolitisches Signal für elektrischen Nahverkehr

Über die technischen Kennzahlen hinaus hatte die Reise auch industrielle Bedeutung. Uganda gilt derzeit als einziges Land Afrikas, das Elektrobusse in größerem Umfang lokal entwickelt und montiert. Entlang der Strecke sammelte das Team mehr als 400 Interessensbekundungen und Vorbestellungen von Städten, Verkehrsbetrieben und Institutionen. Das deutet auf eine wachsende Nachfrage nach elektrischen Lösungen im öffentlichen Verkehr hin, insbesondere dort, wo Betriebskosten und Emissionen zunehmend unter Druck geraten.

Quelle: busplaner.de – 13.600 km: Transafrikanische Elektrobus-Expedition am Ziel

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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