Einstieg bei Northvolt hat für CATL „keine Priorität“

Einstieg bei Northvolt hat für CATL „keine Priorität“
Copyright:

Robert Way / Shutterstock / 2263424777 (Symbolbild)

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Pan Jian, der stellvertretende Vorsitzende und Mitgründer des chinesischen Batterieherstellers CATL, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auch über den kriselnden europäischen Batteriehersteller Northvolt gesprochen – und den in den Medien kolportierten Einstieg der weltmarktführenden Chinesen bei Northvolt, um das Unternehmen zu retten. Pan stellte klar, dass das Thema „nicht unsere Priorität“ sei. Generell sei CATL aber „offen dafür, europäischen Firmen zu helfen, die unsere Hilfe brauchen.“

Pan bestätigte aber, im vergangenen halben Jahr im Austausch mit Northvolt gewesen zu sein. „Es gab Gespräche darüber, ob wir Northvolt helfen können mit Produktion und Technologie“, so der CATL-Vize. Dabei sei es um ein Lizenzmodell gegangen, wie es mit Ford der Fall ist. Dass Northvolt jedoch „in einer so schwierigen finanziellen Situation“ ist, habe man bei CATL nicht gewusst. Das Timing für eine wie auch immer gelagerte Kooperation ist demnach etwas ungünstig: „Hätte sich Northvolt ein oder zwei Jahre früher gemeldet, wäre es einfacher gewesen, weil sie da noch finanziell stabil waren“, sagt Pan, und fügte hinzu: „Es gibt aber immer noch die Möglichkeit, dass wir ihnen in der Produktion helfen können.“

Auf den europäischen Markt generell bezogen sagte der CATL-Mitgründer, dass das Unternehmen definitiv „Batterien in Europa produzieren und Teil des Marktes sein“ will. Eine Fabrik betreibt CATL bereits in Thüringen in der Nähe von Erfurt, eine weitere in Ungarn ist derzeit in Bau. Aktuell ist CATL auf der Suche nach einem dritten europäischen Standort. „Wir werden dazu bald etwas bekannt geben“, kündigte Pan an.

Fürchten sollte sich die europäische und deutsche Industrie nicht vor den chinesischen Konkurrenten, findet Pan: „Seht chinesische Unternehmen als würdige Gegner, nicht als Bedrohung“, sagt er im FAZ-Interview. Deutschland liege bei Elektroautos auch „nicht weit hinter China“, habe allerdings „nur nicht erwartet, dass China so schnelle Fortschritte macht in den vergangenen Jahren. Das war ein Schock für sie“, so der CATL-Mitgründer. Aber deutsche und europäische Unternehmen seien „immer noch sehr gut“ und „werden auch sehr wettbewerbsfähige Elektroautos bauen, sobald sie den Schock überwunden haben.“

Vor allem bei der Software, so Pan am Beispiel der entsprechenden VW-Sparte Cariad, laufe es allerdings „nicht so, wie sie sich das vorgestellt hatten“. Europas Pech sei, dass Softwareingenieure fehlen. Chinas Autohersteller hingegen „hatten Glück, weil China viele Entwickler hat, die davor Smartphone-Apps entwickelt haben“. In Europa werde das alles von US-Unternehmen getrieben.

„Europas Autohersteller müssen aufwachen und sich mehr anstrengen“

„Europas Autohersteller müssen aufwachen und sich mehr anstrengen“, so Pan weiter. Denn letztlich sei es „wie bei jedem Megatrend. Die etablierten Unternehmen brauchen Zeit“, vor allem bei Organisationen mit Hunderttausenden Mitarbeitern sei es schwer, „die Richtung zu wechseln, vor allem in der Mentalität.“ Langfristig gebe es keinen Grund, warum die Deutschen und Europäer das nicht auch schaffen sollten. „Aber große Organisationen brauchen Schreckensnachrichten, um auf den richtigen Pfad zu kommen.“

Von allen politischen Wirren, etwa den EU-Zöllen auf E-Autos und der Wiederwahl von Donald Trump, zeigt Pan sich unbeeindruckt: „Jeden Tag gibt es neue Nachrichten. Keiner weiß, was morgen passiert.“ Er schüttelt all das ab als „kurzfristigen Lärm“. CATL konzentriere sich lieber „auf die Ingenieurskunst und darauf, verlässliche Batterien herzustellen“. Denn am Ende sei es „unsere Fähigkeit, die besten Batterien zu günstigen Preisen herzustellen, die wirklich zählt.“

Quelle: FAZ – „Letztlich sind Deutsche und Chinesen recht ähnlich“

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Stellantis entwickelt Notfall-Abwurf für E-Auto-Batterien

Stellantis entwickelt Notfall-Abwurf für E-Auto-Batterien

Daniel Krenzer  —  

Stellantis entwickelt ein System, das die Hochvoltbatterie eines Elektroautos im Notfall kontrolliert vom Fahrzeug trennt und abwirft.

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

E-Auto-Förderung bald nur noch mit europäischer Batterie?

Sebastian Henßler  —  

Autobauer wollen mehr Zeit für die Made-in-Europe-Regeln. Die Batteriebranche hält sie dagegen für nötig, um Jobs zu sichern und die Abhängigkeit zu senken.

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Tesla startet 2027 eigene Zellfertigung in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

Ab 2027 fertigt Tesla in Grünheide eigene 4680-Zellen mit bis zu 18 GWh pro Jahr. Damit entsteht von der Zelle bis zum Auto alles an einem Standort in Europa.

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Batterieproduktion in Europa: Ist Spezialisierung der Schlüssel?

Tobias Stahl  —  

Statt Volumenfertigung und Niedrigpreisen könnten sich Spezialisierung und Flexibilität zum zentralen Hebel für Europas Batteriefertigung entwickeln.

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Deutschlands Batteriepipeline für 2035 hat sich halbiert

Sebastian Henßler  —  

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist gestrichen, Deutschlands Pipeline hat sich halbiert. Trotzdem hält T&E die IAA-Vorgaben für erreichbar.

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

VWs Powerco verschiebt Batterieproduktion in Kanada auf 2029

Maria Glaser  —  

Die VW-Tochter verschiebt den Produktionsbeginn in St. Thomas um zwei Jahre, um sich damit an die Strategie des Volkswagen-Konzerns anzupassen.

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Mercedes-Benz testet Gen4-Feststoffzellen von ProLogium

Sebastian Henßler  —  

Die Gen4-Zellen von ProLogium sollen hohe Sicherheit, große Energiedichte und schnelles Laden verbinden und werden nun bei Mercedes-Benz getestet.