E-Dienstwagen-Stopp: Schwarz-Gruppe zieht die Reißleine

E-Dienstwagen-Stopp: Schwarz-Gruppe zieht die Reißleine
Copyright:

North Monaco / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der Handelskonzern hinter Lidl und Kaufland bremst bei der Elektromobilität in den eigenen Reihen. Die Schwarz-Gruppe lässt ihre Mitarbeiter:innen in Deutschland derzeit keine Elektroautos mehr als Dienstwagen bestellen. Mit mehr als 600.000 Beschäftigten weltweit zählt der Konzern zu den größten Arbeitgebern Europas und setzt nun ausgerechnet in einem Zukunftsfeld auf Verbrenner.

„Aufgrund der hiesigen Volatilität auf dem Automobilmarkt und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen haben wir uns entschieden, vollelektrische Fahrzeuge bei Neubestellungen vorerst nicht mehr aufzunehmen“, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Wirtschaftliche Gründe statt Kurswechsel bei der Klimastrategie

Hinter der Entscheidung steht vor allem Kalkül. Anders als die meisten Unternehmen setzt Schwarz nicht auf Leasing, sondern kauft Dienstwagen direkt und verkauft sie später als Gebrauchte weiter. Genau das wird bei Elektroautos zum Problem, da sie auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt derzeit deutlich an Wert verlieren. Die Nachfrage nach elektrischen Gebrauchten bleibt schwach, und bereits nach drei Jahren wirken viele Modelle technisch überholt, etwa bei Reichweite, Ladedauer oder Software.

Dabei gelten Elektroautos als Dienstwagen eigentlich als besonders gefragt. Der Grund liegt in einem steuerlichen Vorteil für Arbeitnehmer:innen: Als geldwerten Vorteil müssen sie lediglich 0,25 Prozent des Listenpreises versteuern, bei einem Verbrenner sind es ein Prozent. Bei einem Auto im Wert von 60.000 Euro bedeutet das monatlich 150 Euro zusätzliche Einkommenssteuer beim Stromer gegenüber 600 Euro beim Verbrenner. Dieser Effekt treibt vor allem die Nachfrage nach Neuwagen in die Höhe, bei Gebrauchtwagen greift er nicht.

Die EU erwägt vor diesem Hintergrund sogar, größere Unternehmen in Ländern wie Deutschland zu einem vollständigen Umstieg auf Elektroautos zu verpflichten. Für die kostenbewusste Schwarz-Gruppe überwiegt derzeit jedoch der hohe Wertverlust die regulatorischen Anreize.

Ladeinfrastruktur als Gegenbeweis zur Kehrtwende

Der Konzern betont, dass der Schritt keine Abkehr vom Klimaschutz darstelle. In anderen europäischen Ländern werden weiterhin neue Elektroautos beschafft, in Deutschland verweist das Unternehmen stattdessen auf Alternativen wie Jobräder oder Firmentickets. Das globale Ziel, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften, bleibe bestehen, der Ausbau der Elektromobilität weiterhin ein wichtiger Baustein der Strategie.

Als Beleg dafür führt die Schwarz-Gruppe das eigene Ladenetz an. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 standen rund 24.000 Ladepunkte an knapp 7000 Standorten bereit, ein Zuwachs von 245 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Sollte sich die Marktlage ändern, will der Konzern die Entscheidung zu den Dienstwagen erneut prüfen.

Auch die Deutsche Bahn kauft ihre Fahrzeugflotte direkt, statt sie zu leasen. Anders als die Schwarz-Gruppe hält das Staatsunternehmen seine Beschäftigten bislang jedoch nicht dazu an, von Elektroautos abzusehen. Auch bei der Bahn räumt man ein, dass niedrigere Restwerte von Elektrofahrzeugen die Gesamtwirtschaftlichkeit beeinflussen. Die Entscheidung für oder gegen ein Antriebsmodell basiere laut einer Sprecherin jedoch auf einer Abwägung aus Fahrzeuganforderungen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeitsaspekten.

Quelle: Business-Insider – Lidl-Konzern stoppt E-Dienstwagen: Warum die Schwarz-Gruppe wieder auf Verbrenner setzt

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

VW ID.3 GTI: Der stärkste GTI aller Zeiten kommt 2027

VW ID.3 GTI: Der stärkste GTI aller Zeiten kommt 2027

Sebastian Henßler  —  

Der VW ID.3 GTI wird mit 240 kW zum stärksten Serien-GTI der Geschichte. Erstmals treibt ein Heckantrieb den Sportwagen an. Start 2027.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.

Alte E-Autos: Sehr teure Reparaturen möglich, aber selten

Alte E-Autos: Sehr teure Reparaturen möglich, aber selten

Daniel Krenzer  —  

Mit zunehmendem Alter können auch E-Autos teure Reparaturen benötigen. Das Risiko bleibt dennoch überschaubar.

Renault Trafic E-Tech mit 800 Volt und 470 km Reichweite

Renault Trafic E-Tech mit 800 Volt und 470 km Reichweite

Daniel Krenzer  —  

Der neue Renault Trafic E-Tech setzt auf 800-Volt-Technik, 81-kWh-Akku und mehr als 470 km Reichweite. Warum das vor allem beim Schnellladen Vorteile bringt.

MAN eTGX schafft nun bis zu 720 Kilometer und lädt mit 750 kW

MAN eTGX schafft nun bis zu 720 Kilometer und lädt mit 750 kW

Daniel Krenzer  —  

MAN zeigt den neuen eTGX mit bis zu 720 Kilometern Reichweite, 644-kWh-Batterie und bis zu 750 kW Ladeleistung per MCS.

BYD plant Produktion von Elektro-Lkw in Europa

BYD plant Produktion von Elektro-Lkw in Europa

Maria Glaser  —  

Der chinesische Hersteller will langfristig die Produktion verlagern und nächstes Jahr seinen ersten E-Lkw in Europa auf den Markt bringen.

1000 E-Lkw bis 2027: SuperPanthers Plan für Europa

1000 E-Lkw bis 2027: SuperPanthers Plan für Europa

Sebastian Henßler  —  

SuperPanther liefert den elektrischen Sattelschlepper eTopas 600 bereits in sechs europäischen Ländern aus und plant bis Ende 2027 insgesamt 1000 Fahrzeuge.