Diese E-Autos sind günstiger als Verbrenner

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Hannes Dollinger
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Die Debatte um die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern ist in vollem Gange. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC liefert nun neue Erkenntnisse, die vielen potenziellen Käufern bei ihrer Entscheidung helfen könnten. Im Fokus stehen dabei die Gesamtkosten der Fahrzeuge, die von Kaufpreis, Betriebs- und Wartungsaufwänden bis zum Wertverlust reichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Elektroautos in vielen Fällen günstiger sind als ihre Pendants mit Verbrennungsmotoren. Doch diese Rechnung geht noch nicht in allen Fahrzeugklassen auf.

Die Methodik der ADAC-Studie bezieht alle relevanten Kosten ein, die im Zusammenhang mit dem Autobesitz und -betrieb anfallen. Dazu gehören Versicherung, Kfz-Steuer, Ausgaben für Wartung und Reparaturen, Reifenverschleiß, Kraftstoff- und Stromkosten sowie eine Pauschale für die Wagenwäsche und -pflege. Die Berechnungen basieren auf einer durchschnittlichen Haltedauer von fünf Jahren bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern und berücksichtigen die durchschnittlichen Kraftstoffpreise der letzten drei Monate.

Um die Unterschiede zwischen Elektroautos, Verbrennern und Plug-in-Hybriden noch deutlicher herauszuarbeiten, hat der ADAC auch einen möglichen Preisnachlass von zehn Prozent für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybride in Betracht gezogen. Bei einigen Modellen führt dies zu einem Kostenvorteil gegenüber Elektroautos, jedoch nicht in allen Fällen.

Das Nutzungsprofil spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung von Plug-in-Hybriden, da die tatsächlichen Verbräuche und Einsparungen stark von der individuellen Nutzung abhängen. Dies ist bei klassischen Antriebskonzepten weniger der Fall.

Eine weitere finanzielle Komponente, die bei reinen Elektrofahrzeugen ins Spiel kommt, ist der sogenannte THG-Quote (Treibhausgas-Quotenhandel). Autobesitzer können hier zusätzliche Boni beantragen. Bei einem gewährten Bonus von beispielsweise 350 Euro pro Jahr und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern reduzieren sich die Kosten um etwa 2,3 Cent pro Kilometer. Da die ADAC-Berechnungen jedoch auf einer Haltedauer von fünf Jahren basieren, könne der THG-Bonus in den Kostenvergleichen nicht berücksichtigt werden, da die Konditionen hierfür unterschiedlich sind und nicht über einen längeren Zeitraum festgeschrieben sind.

So ist laut ADAC ein VW ID.3 nach der Berücksichtigung der derzeitigen maximalen Förderung von 6750 Euro in der Anschaffung um 2000 Euro preiswerter als das konventionelle Vergleichsmodell von Volkswagen, der Golf 1.5 eTSI Liufe DSG. Bei einer Gesamtkostenbetrachtung zeigt sich zudem, dass der Kilometerpreis des Elektroautos mit 56,0 Cent niedriger liegt als der des Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor, welcher bei 59,2 Cent angesiedelt ist.

Große Unterscheide in den verschiedenen Klassen

Bei den Kleinstwagen wie dem Renault Twingo oder dem Fiat 500e zeigt sich, dass Elektroautos bei einem Strompreis von unter 50 Cent/kWh günstiger fahren als Benziner, die ihren Sprit für (aktuell viel zu niedrig angesetzte) 1,50 Euro je Liter tanken. Steigt der Benzinpreis beispielsweise auf zwei Euro, können E-Autos sogar bis zu einem Strompreis von 70 Cent/kWh günstiger sein. Ein Vergleich mit Dieselmotoren ergibt in dieser Klasse wenig Sinn, da es solche Antriebe für Kleinstwagen kaum noch gibt.

Kleinwagen wie der Opel Corsa-e oder der Peugeot e-208 haben es da schon schwerer. Aufgrund der im Schnitt höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu Verbrennern lohnt sich der E-Antrieb bei diesen Modellen nur, wenn der Strompreis unter 40 Cent/kWh liegt. Selbst bei einem Dieselpreis von zwei Euro je Liter übersteigen die Gesamtkosten des Elektroautos die der konventionellen Modelle.

In der sogenannten „Golfklasse“, also der unteren Mittelklasse, wird das Bild etwas differenzierter. Hier zeigt die Untersuchung, dass sich E-Autos wie der VW ID.3 oder der Renault Mégane Electric bei einem Benzinpreis von 1,50 Euro je Liter noch nicht unbedingt lohnen.

Die Mittelklasse, repräsentiert durch das Tesla Model 3 und den Toyota bZ4X, bietet Vorteile für Elektroautos. In diesem Segment darf der Strompreis sogar bis zu 80 Cent pro kWh ansteigen, bevor E-Autos teurer werden als Benziner, die für 1,50 Euro tanken.

In der oberen Mittelklasse, zum Beispiel mit dem Mercedes EQE oder dem Tesla Model S, schlagen E-Autos Modelle mit Benzinmotoren, wenn der Strompreis unter 70 Cent/kWh und der Benzinpreis bei 1,50 Euro liegt. Einen Diesel kann das E-Auto kostenseitig jedoch nicht übertreffen.

Die Luxusklasse, vertreten durch den Mercedes EQS und den Nio ET7, zeigt, dass Elektroautos im Vergleich zu Benzinern fast unschlagbar sind. Lediglich sparsame Dieselmotoren stellen für die E-Autos eine ernstzunehmende Konkurrenz dar.

Es lohnt der Blick auf die Details

Die Studie des ADAC zeigt, dass Elektroautos in vielen Fällen günstiger sind als Verbrenner. Insbesondere in höheren Fahrzeugklassen können sie wirtschaftlich punkten. Allerdings hängt die endgültige Wirtschaftlichkeit stark von den jeweiligen Strom- und Kraftstoffpreisen sowie individuellen Faktoren ab.

Zu beachten ist außerdem, dass Fördermaßnahmen, wie die Kaufprämie für Elektroautos, einen bedeutenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben. Obwohl die Prämie im Jahr 2023 reduziert wurde, können Käufer von E-Autos noch bis zu 6750 Euro erhalten, je nach Modell. Dieser Betrag setzt sich aus Fördermitteln von Staat und Hersteller zusammen.

Ein weiterer Punkt, der für Elektroautos spricht, sind die niedrigeren Wartungs- und Energiekosten. Insbesondere bei den Wartungskosten können Elektroautos im Laufe der Jahre ihren finanziellen Vorteil ausspielen, was sich in der Gesamtbilanz bemerkbar macht.

Allerdings sollte man auch die individuelle Nutzung der Fahrzeuge berücksichtigen. So hängt der tatsächliche Vorteil von Plug-in-Hybriden stark vom Nutzungsprofil ab – viel mehr als bei klassischen Antriebskonzepten.

Die Studie des ADAC liefert interessante Erkenntnisse für potenzielle Autokäufer und zeigt, dass Elektroautos eine wirtschaftliche Alternative zu Verbrennungsmotoren darstellen können. Dennoch bleibt die Entscheidung für oder gegen ein E-Auto von vielen Faktoren abhängig, wie beispielsweise den individuellen Fahrbedürfnissen, der Infrastruktur für Elektromobilität und den persönlichen Präferenzen. In jedem Fall lohnt es sich, bei der Entscheidung für ein neues Fahrzeug sowohl die wirtschaftlichen als auch die ökologischen Aspekte sorgfältig abzuwägen und die jeweiligen Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebsarten gegeneinander abzuwägen.

Quelle: ADAC – Kostenvergleich Elektroauto, Benziner oder Diesel: Was ist günstiger?

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Hannes Dollinger

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Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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