Akku im Elektro-Taxi nach 260.000 Kilometern fast wie neu

Akku im Elektro-Taxi nach 260.000 Kilometern fast wie neu
Copyright:

Jaguar

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die Sorge vor der Alterung der Batterie schreckt manch einen immer noch davor ab, auf die Elektromobilität umzusteigen. Gerade bei Elektroautos, die viel Strecke zurücklegen, ist diese Sorge mitunter groß, auch wenn in der Vergangenheit immer wieder Untersuchungen ergeben haben, dass moderne Elektroauto-Akkus auch nach vielen Zehntausend Kilometern in der Regel noch eine sehr hohe Restkapazität besitzen. Letzte Zweifel könnte nun eine neue Dekra-Untersuchung mit Münchner Elektro-Taxis beseitigen, über die das Portal Taxi heute berichtet.

Demnach wurden sechs Jaguar I-Pace, die bereits seit 2018 im Einsatz sind und somit nicht einmal zu den ganz aktuellen Elektroautos zu zählen sind, genauer unter die Lupe genommen. Dem Bericht zufolge zeigten die Tachos der Elektroautos allesamt zwischen etwa 180.000 und 260.000 Kilometer an.

Wer nun mit einer deutlich abgenutzten Batterie rechnet, wird sich angesichts der Ergebnisse wundern, denn die E-Taxis hatten jeweils eine Restkapazität („State of Health“) von 95 bis 97 Prozent. Somit hat keines der sechs Taxis trotz der sehr großen zurückgelegten Strecken nennenswert an Reichweite eingebüßt. Laut Geschäftsführung wurden die Taxis im Schnitt 1,5 Mal am Tag geladen, und das in der Regel bis 100 Prozent oder nahe heran – also nicht unbedingt aus dem Lehrbuch für ein langes Akkuleben.

Negativ-Ausreißer sind die Ausnahme

„Viele Menschen übertragen zum Beispiel ihre Erfahrungen mit Smartphone-Akkus auf das Thema Elektromobilität“, sagt Christoph Nolte, Executive Vice President und Leiter der Service Division Vehicles bei Dekra. Viele kennen es von Smartphones, dass sie schon nach wenigen Jahren eine spürbar geringere Akku-Kapazität haben und befürchten bei Elektrofahrzeugen dasselbe. Der Dekra-Experte weist dies aber zurück und bezieht in seine Betrachtung bisher gut 25.000 Messungen an Elektroautos ein: „Unsere Erfahrungen mit dem Batterie-Schnelltest belegen deutlich höhere Nutzungsdauern. Die Antriebsbatterien sind insgesamt sehr gut. Wir stellen auch bei höheren Laufleistungen in den meisten Fällen noch einen ‚State of Health‘ über 90 Prozent fest.“ Allerdings gebe es einzelne Ausreißer, weshalb man bei Gebrauchtwagen unbedingt auf das Batteriezertifikat schauen sollte.

Folglich sind die Batterien in Elektroautos sehr langlebig und halten in der Regel deutlich länger als das Fahrzeug selbst, eine sachgemäße Nutzung vorausgesetzt. Beim Münchner Taxi Zentrum, dem die sechs E-Taxis gehören, ist insgesamt aktuell etwa ein Drittel der Flotte vollelektrisch, die Dekra-Ergebnisse geben aber neuen Rückenwind, die angestrebte vollständige Elektrifizierung nun weiter voranzutreiben. Das Portal kommt zu dem Schluss: „Die zentrale technische Sorge verliert an Schärfe. Die Batterie bleibt ein Kostenfaktor, aber sie erweist sich im Alltag robuster, als viele erwartet haben. Gerade beim Taxi-Gewerbe lässt sich das bereits im Schichtbetrieb beobachten.“ Und in Zeiten von hohen Spritpreisen und im besten Fall mit eigener Ladeinfrastruktur lässt sich auf Dauer eine Menge Geld einsparen.

Quelle: Taxi heute – E-Taxi im Härtetest: Dekra misst bis zu 97 % Batteriekapazität nach 260.000 km

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Wärmepumpe plus E-Auto spart knapp 2000 Euro pro Jahr

Wärmepumpe plus E-Auto spart knapp 2000 Euro pro Jahr

Michael Neißendorfer  —  

Haushalte in der EU sparen mit Wärmepumpe und E-Auto jährlich mehr als 2200 Euro bei ihren Energiekosten ein – und das im Szenario vor dem Iran-Krieg.

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

Daniel Krenzer  —  

T&E warnt: Weicht die EU das Verbrenner-Aus weiter auf, könnten 34 Batteriefabriken in Northvolt-Größe verloren gehen – ein Milliardendesaster.

E-Auto-Nachfrage weltweit zwei Monate in Folge gestiegen

E-Auto-Nachfrage weltweit zwei Monate in Folge gestiegen

Sebastian Henßler  —  

Im April wurden weltweit 1,6 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride zugelassen – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Europa wächst, Nordamerika verliert.

200 Milliarden Euro: Europas Wette auf das E-Auto

200 Milliarden Euro: Europas Wette auf das E-Auto

Sebastian Henßler  —  

Europas Länder haben fast 200 Milliarden Euro in Elektromobilität investiert – mit dem klaren Ziel, die Abhängigkeit von China bei Batterien zu verringern.

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

Michael Neißendorfer  —  

Und das „nicht aus Ideologie, sondern aus rein wirtschaftlichem Denken“, so Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade.

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Daniel Krenzer  —  

Eine Studie zeigt, welche zwei europäische Länder kurz davor stehen, 100 Prozent und mehr des Strombedarfs mit Erneuerbaren abzudecken. Und Deutschland?

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

Tobias Stahl  —  

Deutsche Autofahrer sind immer aufgeschlossener gegenüber Elektroautos. Das Interesse wächst aber nicht in allen Regionen und Schichten gleichermaßen.