Donut Lab: Festkörper-Wunderakku soll gewöhnliche Lithium-Ionen-Batterie sein

Donut Lab: Festkörper-Wunderakku soll gewöhnliche Lithium-Ionen-Batterie sein
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Donut Lab

Tobias Stahl
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  —  Lesedauer 4 min

Das finnische Start-up-Unternehmen Donut Lab sorgte mit seiner Batterieankündigung auf der Elektronikmesse CES 2026 für Euphorie und Skepsis gleichermaßen. Nun wird die Geschichte um die angebliche Wunderbatterie aber zunehmend löchrig. Der Batterieanalyst und YouTuber Ryan Hughes, auf dem Videoportal als „Ziroth“ bekannt, wirft dem Unternehmen nach einer umfangreichen Recherche vor, Investoren und Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Bei der angeblichen Festkörperbatterie soll es sich um einen gewöhnlichen Lithium-Ionen-Akku handeln.

Als Donut Lab auf der diesjährigen CES eine Feststoff-Natrium-Ionen-Batterie mit einer Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm vorstellte, die 100.000 Ladezyklen überstehen, nur fünf Minuten für eine vollständige Ladung benötigen und noch dazu ohne Lithium oder andere kritische Rohstoffe auskommen soll, klang das für manche Beobachter bereits zu schön, um wahr zu sein.

Infolgedessen legte das finnische Start-up mehrere unabhängig erhobene Messdaten vor, die die Leistung der Batterie bestätigen sollten. Donut Lab gab die Daten allerdings nur häppchenweise frei, die Ergebnisse bestätigten zudem immer nur Teilaspekte der Technologie.

Batterieanalyst Hughes erklärt in einem aktuellen YouTube-Video, dass er im Rahmen einer Untersuchung mit mehr als 20 unabhängigen Batterieexperten gesprochen habe, darunter auch Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts und der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie ein Experte der Seinäjoki University of Applied Sciences in Finnland. Alle Experten kommen Hughes zufolge zum gleichen Schluss: Die Batterie ist ein gewöhnlicher Lithium-Ionen-Akku.

Spannungskurve und Zellausdehnung sind typisch für Lithium-Ionen-Batterien

Die Experten stützen sich auf zwei zentrale Befunde: So sollen die von der finnischen Forschungsorganisation VTT gemessenen Spannungskurven der Batterie mit denen einer nickelbasierten Lithium-Ionen-Zelle übereinstimmen, während Natrium-Ionen-Zellen die registrierte Zellspannung gar nicht erreichen können sollen. Zudem zeigen die Daten zur Zellausdehnung beim Laden das charakteristische Verhalten einer Graphit-Anode. „Das ist von großer Bedeutung, da Natriumionen zu groß sind, um auf natürliche Weise in die Schichten von Graphit zu passen“, so Hughes in seinem Video. Es müsse sich also um eine Lithium-Ionen-Zelle handeln. „Das ist vernichtend für Donut Lab“, so der YouTuber weiter. Die ermittelte Energiedichte soll bei rund 298 Wattstunden pro Kilogramm liegen – deutlich weniger als die von Donut Lab versprochenen 400 Wattstunden pro Kilogramm.

Der Recherche zufolge geht die Technologie auf ein deutsches Unternehmen zurück: CT-Coating mit Sitz im rheinischen Königswinter, das 2017 von einem „exzentrischen“ Erfinder aus Cochem an der Mosel gegründet wurde. CT-Coating soll der Technologielieferant gewesen sein, während das finnische Unternehmen Nordic Nano als Hersteller fungieren sollte. Donut Lab sei für die Vermarktung der Technologie zuständig gewesen.

Ein Experte des Fraunhofer-Instituts, der sich mit Vertretern des deutschen Unternehmens CT Coatings getroffen haben soll, sei von den Fachkenntnissen der Vertreter unbeeindruckt gewesen, so der YouTuber weiter. „Mein erster Eindruck war, dass diese Leute keine Ahnung haben, wie eine Batterie eigentlich funktioniert“, so der Fraunhofer-Experte. „Sie sprachen davon, dass ihre Batterien keine Seltenerdmetalle und daher auch kein Lithium enthielten, doch jeder Chemiker weiß, dass Lithium nichts mit Seltenerdmetallen zu tun hat.“

CT-Coating nennt auf seiner Unternehmenswebsite keinerlei Informationen zu dem Produkt. Die Seite diene „lediglich als Medium zur Kontaktaufnahme und soll unsere Technologie nicht erläutern“, heißt es dort. Detailliertere Informationen gebe es erst nach persönlicher Kontaktaufnahme.

Donut-Labs-Kapitalgeber sind überwiegend kleine Anleger

Besonders bitter: Hinter Donut Lab stecken keine großen Kapitalgeber, sondern mehr als 1300 überwiegend kleine Anleger. Donut Lab erreichte nach seiner Ankündigung auf der CES eine Bewertung von rund 1,25 Milliarden US-Dollar, nachdem die Bewertung zuvor bei 250 Millionen Dollar lag.

Donut Lab entstand aus einer Restrukturierung des finanziell angeschlagenen Motorrad-Herstellers Verge Motorcycles. Über die Crowdinvesting-Plattform Springvest sollen die mehr als 1300 Anleger sich an dem Unternehmen beteiligt haben. Verge hatte behauptet, dass ein Modell seiner Elektromotorräder bereits mit dem angeblichen Festkörperakku in Serienproduktion gegangen und an die ersten Kunden ausgeliefert worden sei – auch diese Behauptung soll dem YouTuber zufolge unzutreffend sein.

Donut-Lab-Geschäftsführer Marko Lehtimäki räumte in einem Interview mit der finnischen Zeitung Helsingin Sanomat bereits ein, dass die beworbenen 400-Wattstunden-Zellen nicht in die Motorräder eingebaut werden – zudem sei die von VTT getestete Zelle ohnehin nicht die Zelle, die ausgeliefert werden solle, so Lehtimäki. Laut einem Bericht des Branchen-Blogs Electrek ermitteln die finnische Finanzaufsicht sowie Strafverfolgungsbehörden gegen Donut Lab. YouTuber Ziroth möchte das Vorgehen des Start-ups indes nicht als Betrug bezeichnen – seine Anwälte hätten ihm davon abgeraten. Sein Video diene deshalb lediglich dazu, die bereits öffentlich vorgebrachten Vorwürfe gegen das Unternehmen mit Beweisen zu untermauern.

Quellen: Ziroth/Ryan Hughes auf YouTube – Exposing The Solid State Donut Battery. It’s Over. / Electrek – Donut Lab’s ‘solid-state’ battery exposed as regular li-ion in damning investigation / Golem – Angeblicher Wunderakku soll von deutscher Firma stammen

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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