E-Auto-Batterien meist deutlich robuster als angenommen

E-Auto-Batterien meist deutlich robuster als angenommen
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Mercedes-Benz

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Elektroautobatterien sind insgesamt deutlich langlebiger als oft angenommen. Gleichzeitig rückt ihr Zustand zunehmend in den Fokus von Politik und Industrie. Hintergrund sind neue Förderprogramme und politische Debatten rund um gebrauchte Elektroautos, die den Batteriezustand zu einem zentralen Faktor für Preis, Finanzierung und Vertrauen machen.

Der Median der analysierten State-of-Health (SoH) Daten liegt bei 96 Punkten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein klarer Verschleiß-Kipppunkt: Ab etwa 90.000 Kilometern nimmt die Degradation deutlich zu. Das zeigt eine aktuelle Analyse von TÜV Nord in Zusammenarbeit mit der Car-Tech-Firma Carly, die SoH-Daten für Elektro- und Plug-in-Hybridautos verschiedener Automarken ausgewertet haben.

Ein SoH-Wert von 100 entspricht einer vollständig intakten Batterie im Neuzustand. Werte über 90 gelten in der Praxis weiterhin als sehr gut und weisen auf eine nur geringe Alterung hin. Zwischen 85 und 90 spricht man von einem soliden Batteriezustand mit moderatem Verschleiß. Unterhalb von 85 nimmt die Leistungsfähigkeit der Batterie zunehmend ab, was sich unter anderem auf Reichweite und Ladeverhalten auswirken kann und für den Wiederverkaufswert relevant wird.

Markenübergreifend liegt der Median aller erhobenen SoH-Daten bei 96 Punkten. Lediglich 9,9 Prozent der Fahrzeuge weisen einen SoH-Wert von weniger als 85 Punkten auf. Die Analyse zeigt zudem, dass der SoH in den ersten 90.000 gefahrenen Kilometern vergleichsweise moderat um rund 0,7 Punkte pro 10.000 Kilometer sinkt. Danach beschleunigt sich die Batteriedegradation im Verhältnis zur Laufleistung deutlich: Ab etwa 90.000 Kilometern beträgt der Rückgang im Schnitt rund 2,3 Punkte pro 10.000 Kilometer. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem bei neueren Fahrzeugen, die den Großteil der Datengrundlage bilden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die jährliche Laufleistung über die betrachteten Marken hinweg auf einem ähnlichen Niveau liegt. Damit hat die Laufleistung im Vergleich zwischen den Marken keinen maßgeblichen Einfluss auf die Ergebnisse.

Deutliche Markenunterschiede bei älteren Modellen, Angleichung bei neuen Fahrzeugen

Die Auswertung zeigt, dass die State-of-Health-Werte (SoH) von Elektroautobatterien markenübergreifend mit zunehmendem Baujahr deutlich ansteigen. Marken wie Hyundai, Kia oder Mercedes-Benz erreichen bei älteren Fahrzeugen Werte im Bereich von rund 90 bis über 95 Punkten und steigern sich bei neueren Modellen nahezu durchgehend auf bis zu 100 Punkte.

Carly / Hyundai, Kia, Mercedes, Smart, Mini und BMW sind auf der eher robusteren Seite der Skala

Demgegenüber starten Hersteller wie VW, Renault oder Citroën bei älteren Baujahren teilweise deutlich niedriger, etwa im Bereich von 70 bis 80 Punkten. Entsprechend ergibt sich je nach Fahrzeugalter ein Unterschied von rund zwei bis zehn SoH-Punkten zwischen den Marken. Mit neueren Baujahren verringert sich dieser Abstand jedoch deutlich. Aktuelle Modelle liegen markenübergreifend meist im Bereich von über 97 bis 100 Punkten und erreichen damit ein insgesamt sehr hohes und zunehmend einheitliches Batterieniveau. Besonders hohe Werte zeigt Hyundai, während Renault bei älteren Baujahren die niedrigsten SoH-Werte aufweist.

Carly / Bei VW, Škoda, Citroën, Peugeot, Tesla und Renault fällt der durchschnittliche Verschleiß gerade bei älteren Baujahren schon etwas höher aus

„Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos ist aktuell stark von Unsicherheiten geprägt, insbesondere mit Blick auf den Zustand der Batterie. Genau hier setzen objektive SoH-Daten an: Sie machen den Batteriezustand erstmals nachvollziehbar und vergleichbar und ersetzen damit ein Stück weit die bisherige Bewertung auf Basis von Annahmen. Für Verbraucher, Händler und Finanzierer ist das ein entscheidender Schritt hin zu mehr Transparenz und Vertrauen im Markt“, sagt Hartmut Abeln, CEO von TÜV Nord Mobilität.

Avid Avini, CEO von Carly fügt hinzu: „Unsere Daten zeigen, dass Batterien robuster sind als oft angenommen, gleichzeitig aber mit steigender Laufleistung klar messbar altern. Gerade vor dem Hintergrund eines wachsenden, aber noch unsicheren Gebrauchtwagenmarkts werden SoH-Daten damit zum entscheidenden Faktor: Sie schaffen eine objektive Grundlage für Preisbildung und Kaufentscheidungen und reduzieren das Risiko für alle Marktteilnehmer deutlich“

Quelle: TÜV Nord / Carly – Pressemitteilung vom 20.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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