IDTechEx hat einen neuen Marktbericht veröffentlicht, in dem das Marktforschungsunternehmen für einen Zehnjahreszeitraum verschiedene Aspekte von Batteriematerialien untersucht, die für Lithium-Ionen-Akkus und damit für Elektroautos von entscheidender Bedeutung sind. In dem Bericht mit dem Namen „Materials for Electric Vehicle Battery Cells and Packs 2026-2036: Technologies, Markets, Forecasts“, prognostiziert das Unternehmen, dass der Gesamtmarkt für diese Materialien bis 2036 ein Volumen von umgerechnet über 130 Milliarden Euro erreichen wird. Außerdem werden im Bericht zukünftige Trends der Batterieentwicklung skizziert.
Bereits seit Jahren wächst der Markt für Materialien von Lithium-Ionen-Batterien stark. Der Materialbedarf für Elektroauto-Akkus werde bis 2036 voraussichtlich 17,9 Millionen Tonnen übersteigen, so IDTechEx. Zu den absoluten Vorreitern in diesem Bereich, sowohl in der Produktion als auch bei Rohstoffvorkommen, gehört nach wie vor China. In Europa haben inzwischen sowohl Politik als auch Wirtschaft die Notwendigkeit erkannt, eigene Lieferketten aufzubauen, die unabhängig sind. Stimmen nach einer europäischen Batterieproduktion werden immer lauter.
Unter den wichtigsten Treibern für die Verbreitung von Elektroautos und damit für den Markt für Batteriematerialien seien, so der Bericht, gesetzliche Vorschriften. Was in China mit Subventionen oder Steuergutschriften über die Jahre zu einem rasanten Wachstum der Branche geführt hat, wird nun teilweise auch in Europa umgesetzt.
Zellchemie ist einsatzspezifisch
Bei der Produktion von Batteriezellen gibt es verschiedene, chemische Zusammensetzungen – Lithium-Ionen-Akku ist dafür nur ein Überbegriff. Nickel-Mangan-Kobaltbatterien (NMC) werden beispielsweise häufig in Europa und Nordamerika eingesetzt und bieten eine hohe Energiedichte für Fahrzeuge im Premiumsegment. Dabei werde, so IDTechEx, ein immer höherer Nickelgehalt bevorzugt, um die Abhängigkeit von Kobalt zu verringern.
Lithium-Eisenphosphat (LFP) hingegen ist aufgrund niedrigerer Kosten in China beliebt, wo die Fahrzeuge massentauglich sein müssen, wie IDTechEx erklärt. Daher werde LFP auch in Europa immer gefragter, wo Hersteller ebenfalls eine breitere Kundschaft ansprechen wollen. Einen Mittelweg stelle, so das Marktforschungsunternehmen, die Zusammensetzung Lithium-Mangan-Eisenphosphat (LMFP) dar, was voraussichtlich in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen werde. Nicht nur die Zusammensetzung der Kathoden spielt eine große Rolle, sondern auch die Wahl des Anodenmaterials, wie Graphit, Silizium oder Silikon, beeinflusst die Batterieeigenschaften.
Die Preise dieser Rohstoffe schwanken mitunter stark. Besonders kritisch sind Lithium, Nickel und Kobalt, da sie selten und schwer zu gewinnen sind. Lithiumhydroxid erreichte zwischen 2022 und 2025 beispielsweise eine Schwankung des sechsfachen Preises. Auch in diesem Jahr, so das Marktforschungsunternehmen, seien die Lithiumpreise gestiegen, was auf die Stilllegung großer chinesischer Minen zurückzuführen sei. Viel Kobalt wiederum wird aus Afrika bezogen. Der wichtigste Lieferant ist die Demokratische Republik Kongo.
Um Zellkosten schätzen zu können, hat IDTechEx im Bericht Rohstoffpreise genutzt. Kosten für die Materialverarbeitung oder die Zellmontage, die einen wesentlichen Anteil an den Gesamtkosten der Zelle haben, seien nicht berücksichtigt worden.
Diese Batterietrends zeichnen sich ab
Die Prognosen des Berichts betreffen nicht nur das Marktvolumen, sondern auch technologische Trends. So geht IDTEchEx beispielsweise davon aus, dass Anoden aus Silizium immer wichtiger werden und damit Graphit teilweise ablösen. Dies liege daran, dass Anoden mit einem höheren Siliziumanteil die Energiedichte erheblich verbessern würden.
Was die Entwicklung von Feststoffbatterien angeht, ist die Prognose vorsichtig zuversichtlich. Im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien, die flüssige Elektrolyte verwenden, besteht das Elektrolyt einer Feststoffbatterie aus festen Materialien auf Polymer-, Keramik- oder Oxidbasis. Damit einher gehen eine höhere Sicherheit sowie Energiedichte, jedoch geht IDTechEx davon aus, dass die Skalierung der Fertigung schwierig und daher begrenzt sein wird.
Hinsichtlich der Kathoden prognostiziert der Bericht, dass fortschrittliche Zusammensetzungen an Wichtigkeit gewinnen. Neben LMFP gehören dazu auch Lithium-Manganoxid (LMO) oder Lithium-Nickel-Manganoxid (LNMO). Sie verringern die Abhängigkeit von Kobalt. Es sei zudem möglich, Lithium-Anoden mit kostengünstigen Schwefel-Kathoden zu kombinieren, was eine Verringerung des Bedarfs an anderen Kathodenmaterialien mit sich bringe. Der zukünftige Marktanteil für Elektromobilität wird allerdings als gering eingestuft.
Quelle: IDTechEx – EV Li-ion Cell Materials Market Set to Reach US$154 Billion by 2036








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