Zusammenschluss von Dongfeng und ChangAn nimmt Gestalt an

Zusammenschluss von Dongfeng und ChangAn nimmt Gestalt an
Copyright:

DiPres / Shutterstock.com | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Zwei große chinesische Autohersteller stehen laut einem Medienbericht der New York Times vor einem möglichen Zusammenschluss. Dongfeng Motor und Chongqing Changan Automobile befinden sich demnach in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Fusion. Beide Unternehmen gehören dem Staat und haben offenbar bereits ihre ausländischen Partner über die Pläne informiert. Bereits im Februar gab es erste Hinweise auf mögliche Veränderungen. Damals wurde bekannt, dass die staatlichen Muttergesellschaften beider Konzerne an Umstrukturierungen arbeiteten. Beobachter werteten dies als Signal für eine mögliche Annäherung. Nun nehmen die Fusionsgespräche offenbar konkrete Formen an.

Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne hätte erhebliche Auswirkungen auf den chinesischen und internationalen Automarkt. Gemeinsam kämen Dongfeng und ChangAn auf einen Absatz von über fünf Millionen Autos im Jahr. Damit würden sie den bisherigen Marktführer BYD in China überholen. Weltweit läge die neue Unternehmensgröße hinter Stellantis, aber noch vor Ford. Der chinesische Staat hat in den vergangenen Jahren verstärkt darauf gedrängt, dass seine Autohersteller unabhängiger von internationalen Partnern werden. Ziel ist es, mehr eigene Technologien zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt zu steigern. Besonders im Bereich Elektromobilität spielt dieser Aspekt eine große Rolle. Die bisherige Abhängigkeit von Joint Ventures mit westlichen Herstellern soll schrittweise reduziert werden.

Dongfeng arbeitet derzeit eng mit Nissan, Honda sowie Peugeot-Citroën zusammen. ChangAn unterhält Kooperationen mit Ford und Mazda und bereitet sich gerade auf den Eintritt im europäischen Markt vor. Ein großer Teil der Verkäufe beider Konzerne entsteht in genau diesen Partnerschaften. Die Fusion könnte daher auch eine Neuausrichtung der Geschäftsmodelle zur Folge haben. Der Fokus könnte sich künftig stärker auf eigene Marken und Produkte richten.

Finanziell wäre das neue Unternehmen gut aufgestellt. Dongfeng bringt laut aktuellen Börsenbewertungen rund 4,5 Milliarden Euro mit, ChangAn etwa 14,5 Milliarden. Zusammengenommen käme der Konzern also auf fast 19 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Damit wäre genug Spielraum vorhanden, um auch international ambitionierte Pläne umzusetzen. ChangAn hat bereits begonnen, sich auf Europa vorzubereiten. In München wurde ein Designzentrum eröffnet, weitere Schritte für den Markteintritt sind geplant. Dongfeng ist mit der Elektromarke Voyah bereits in mehreren europäischen Ländern aktiv. Beide Marken sind außerhalb Chinas bislang wenig bekannt. Eine Fusion könnte das ändern und den Weg für eine stärkere Präsenz auf dem Kontinent ebnen.

Die internationale Konkurrenz dürfte die Entwicklung aufmerksam beobachten. Ein neuer Großkonzern aus China mit Fokus auf Elektromobilität könnte den Druck auf bestehende Hersteller weiter erhöhen. Gerade in Europa, wo viele Autobauer mit dem Umstieg auf neue Antriebe kämpfen, könnte das zusätzliche Herausforderungen bringen. Für den chinesischen Markt wäre die Fusion ein weiterer Schritt hin zu mehr Konzentration. Viele kleinere Hersteller kämpfen mit schrumpfenden Margen und wachsenden Anforderungen. Größere Zusammenschlüsse gelten als Mittel, um effizienter zu werden und langfristig bestehen zu können.

Noch ist offen, ob die Gespräche zu einer endgültigen Einigung führen. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass Peking die Weichen für eine neue Ära im eigenen Automarkt stellt – mit weniger Abhängigkeit vom Ausland und mehr Kontrolle über die strategische Ausrichtung.

Quelle: The New York Times – Shake-Up in China’s Auto Sector: Two Giants Are Discussing a Merger

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Changan

Changan: Chinas stiller Riese greift an

Changan: Chinas stiller Riese greift an

Vanessa Lisa Oelmann  —  

Changan setzt auf Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender. Dahinter steckt eine breite Technologiestrategie – und ein klares strategisches Kalkül.

Changan erwägt Produktion in Spanien

Changan erwägt Produktion in Spanien

Maria Glaser  —  

Mit einem neuen Werk in Spanien als Teil seiner Expansionsstrategie in Europa könnte Changan die Strafzölle der EU auf E-Autos aus China umgehen.

Elektro-SUV Deepal S05 kommt nach Europa

Elektro-SUV Deepal S05 kommt nach Europa

Maria Glaser  —  

Bald wird die erste Charge von 500 Fahrzeugen aus dem Changan-Werk in Thailand nach Europa exportiert, darunter auch der kompakte Deepal S05.

Changan will die Marken Avatr und Nevo nach Europa bringen

Changan will die Marken Avatr und Nevo nach Europa bringen

Laura Horst  —  

Der chinesische Hersteller Changan hat angekündigt, innerhalb der nächsten zwei Jahre seine Elektroautomarken Avatr und Nevo in Europa einzuführen.

Warum China seine Verbrenner auf dem Weltmarkt verramscht

Warum China seine Verbrenner auf dem Weltmarkt verramscht

Sebastian Henßler  —  

Chinas Staatskonzerne nutzen Exporte, um Einbrüche im Inland auszugleichen. Viele Regionen ohne Ladeinfrastruktur greifen zu chinesischen Benzinern.

Changan will bis 2030 in Deutschland präsent sein wie Toyota

Changan will bis 2030 in Deutschland präsent sein wie Toyota

Daniel Krenzer  —  

Changan backt in Deutschland dennoch erst einmal kleine Mondkuchen: Von den angestrebten zehn Standorten zum Start blieb nicht viel übrig.

Changan: Neugründung als staatlicher Konzern

Changan: Neugründung als staatlicher Konzern

Maria Glaser  —  

Das chinesische Unternehmen wurde offiziell als neuer, staatlicher Konzern gegründet mit einem Kapital von 2,4 Milliarden Euro.