Dieses E-Auto kann CO2 einfangen

Dieses E-Auto kann CO2 einfangen
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TU Eindhoven / Bart van Overbeeke

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ein Studententeam der TU Eindhoven hat einen nachhaltigen, rein elektrischen Pkw entwickelt, der Kohlendioxid einfängt. Es ist ein Prototyp namens Zem, der die Luft durch einen speziellen Filter reinigt. Durch die Speicherung des abgefangenen CO2 und die anschließende Entsorgung kann Zem zur Verringerung der globalen Erwärmung beitragen. Die Studenten wollen das Fahrzeug in den kommenden Jahren weiter verbessern, mit dem Ziel, es für seinen gesamten Lebenszyklus CO2-neutral zu machen und schließlich auf die Straße zu bringen, so die Universität in einer aktuellen Mitteilung.

Der Verkehrssektor ist ein maßgeblicher Verursacher von Treibhausgas-Emissionen und ist für etwa ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich. Pkw machen hierbei einen Anteil von mehr als 60 Prozent aus. Um diese Emissionen zu reduzieren, entwarfen, entwickelten und bauten 35 Student:innen ein Auto, das sowohl während des Produktionsprozesses als auch auf der Straße weniger oder keine Emissionen produziert. Darüber hinaus strebt das Team in Zukunft eine optimale Wiederverwendbarkeit von Materialien an.

Das Auto kann durch einen speziellen Filter 2 Kilogramm CO2 pro 30.000 Kilometer Fahrleistung abfangen. Dies bedeutet, dass zehn Autos so viel Kohlendioxid speichern können wie ein durchschnittlicher Baum. Das klingt zunächst nach wenig, wäre aber in großem Maßstab und in jedem Pkw implementiert ein Gewinn für das Klima, argumentiert das Team. Schließlich fahren mehr als eine Milliarde Pkw um die Welt, die mit der Technologie CO2 abfangen könnten, anstatt es auszustoßen.

Der Filter, durch den die Außenluft fließt, sei bislang einzigartig: Die Studenten sind dabei, ein Patent für diese Innovation zu beantragen. „Es ist immer noch ein Proof-of-Concept, aber wir können bereits sehen, dass wir die Kapazität des Filters in den kommenden Jahren erhöhen können. Die Abscheidung von CO2 ist eine Voraussetzung für den Ausgleich der Emissionen während der Produktion und des Recyclings“, erklärt Teamleiterin Louise de Laat. Derzeit sucht das Team nach einer Lösung, bei der ein voller Filter beim Laden des Autos über die Ladestation entleert werden kann. Das Auto kann derzeit 320 Kilometer fahren, bevor der Filter voll ist.

TU Eindhoven / Bart van Overbeeke

Bei der Entwicklung des Fahrzeugs legte das Team großen Wert darauf, dass der komplette Lebenszyklus des Fahrzeugs – von der Konstruktion über die Nutzung bis hin zum Recycling – möglichst CO2-neutral ist. Mehrere Innovationen tragen zu diesem Ziel bei, etwa der 3D-Druck. Die Monocoque- und Karosserieplatten werden im 3D-Druck hergestellt, was zu fast keinem Restmüll führt.

Das rein elektrische und nachhaltige Allradfahrzeug hat ein sportliches Aussehen. Aus gutem Grund, sagen die Student:innen, da die Automobilindustrie eine sportliche Herausforderung erwartet. Schließlich muss der Straßenverkehr viel nachhaltiger werden. Nikki Okkels, Manager für Außenbeziehungen an der TU Eindhoven: „Wir wollen die Branche wachkitzeln, indem wir zeigen, was bereits möglich ist. Und wir wollen zusammenarbeiten. Wenn 35 Student:innen in einem Jahr ein fast komplett CO2-neutrales Auto entwerfen, entwickeln und bauen können, dann gibt es diese Möglichkeiten auch für die Automobilbranche.“

Okkels fordert die Automobilindustrie auf auf, diese Herausforderung anzunehmen, und zeigt sich offen für Kooperationen: „Wir sind auch noch nicht fertig mit der Entwicklung und wollen in den kommenden Jahren noch einige große Schritte vollführen. Wir laden die Automobilhersteller herzlich ein, mal einen Blick darauf zu werfen.“

Quelle: TU Eindhoven – Pressemitteilung vom 21.07.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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