Deutsche vorwiegend unzufrieden mit Mobilitäts-Bedingungen

Deutsche vorwiegend unzufrieden mit Mobilitäts-Bedingungen
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der Ärger über schlechte Mobilitäts-Bedingungen erreicht in Deutschland neue Höchstwerte. Drei von vier Befragten ab 16 Jahren sagen: „Notfalls auch zulasten anderer Aufgaben im sozialen oder kulturellen Bereich“ müsse der Staat in den Ausbau der Infrastruktur für verbesserte Mobilität investieren, wie es in der aktuellen HUK-Mobilitätsstudie heißt. Gegenüber dem Vorjahr ist diese Forderung damit nochmals gestiegen (von 62 Prozent auf 74 Prozent).

Auch insgesamt erlebt das Thema Mobilität stark wachsendes Interesse: Für 42 Prozent aller Deutschen ist das Thema inzwischen „äußerst“ oder „sehr wichtig“. Vor drei Jahren lag der Wert mit 33 Prozent deutlich niedriger. Größte Kritikpunkte sind gestiegene Kosten für Mobilität und mangelnde Verlässlichkeit bei der Zeitplanung, die jeweils mehr als die Hälfte aller Befragten inzwischen beklagen.

Stand allerdings vor einem Jahr das Schienennetz als Ansatzpunkt für notwendige Verbesserungen im Fokus, so sieht inzwischen fast jeder Vierte auch bei den Straßen dringenden Handlungsbedarf. Denn das Auto rückt als bevorzugtes Verkehrsmittel noch weiter in den Mittelpunkt: Für inzwischen 75 Prozent aller Befragten in Deutschland erfüllt es am besten die Anforderungen an Mobilität in der Zukunft. Ursache könnte auch ein erhöhtes Sicherheitsempfinden gegenüber Bus, Bahn oder Fahrrad sein, was aus der Studie ebenfalls hervorgeht.

Die zum fünften Mal seit 2021 erhobene HUK-Mobilitätsstudie als repräsentative Befragung von mehr als 4000 Personen ab 16 Jahren zeigt dabei, wie stark sich in den vergangenen Jahren die Prioritäten bei der Mobilität verändert haben. So liegt heute als wichtigstes Kriterium bei der Auswahl von Verkehrsmitteln die Schnelligkeit ans Ziel zu kommen gleichauf mit der Frage nach den Kosten. Während dem Kostenaspekt aber seit fünf Jahren fast unverändert höchste Priorität zukommt, hat das Kriterium Schnelligkeit stark an Bedeutung hinzugewonnen. Tatsächlich sehen die Befragten nach dem Problem zu hoher Mobilitätskosten (57 Prozent) auch „mangelnde Verlässlichkeit bei der Zeitplanung zwischen Abfahrt- und Ankunftszeit“ aktuell als größtes Mobilitäts-Hemmnis in Deutschland (51 Prozent).

Inzwischen sagt zudem fast jeder Vierte (23 Prozent), dass das Autostraßennetz wichtigster Ansatzpunkt für verbesserte Mobilität in Deutschland ist. Vor einem Jahr waren es noch 18 Prozent. Damals stand das Schienennetz (Steigerung von 35 Prozent in 2024 auf 38 Prozent) stärker im Mittelpunkt der Kritik. 13 Prozent der Befragten wünschen sich bessere Fahrradwege.

Veränderte Beurteilung von Auto, Bus und Bahn – gerade in den Großstädten

Wie sicher fühlen sich die Deutschen mit verschiedenen Verkehrsmitteln? Auch hier kommt es zu interessanten Befunden: Auf der Schulnoten-Skala von sehr gut (1) bis ungenügend (6) liegt das Auto insgesamt mit einem Durchschnittswert von 2,5 sowohl vor der Bahn (2,8) als auch dem Fahren mit Bus und ÖPNV (2,8). Selbst das Zufußgehen liegt nur minimal davor (2,4). Einer der Gründe: In den Augen der Bevölkerung hat die Sicherheit beim Autofahren in den vergangenen fünf Jahren tendenziell zugenommen – während Bus, ÖPNV und Bahn dagegen seither als unsicherer beurteilt werden. Am unsichersten fühlen sich Fahrradfahrer, mit einer Schulnote von 3,3 und damit dem mit Abstand schlechtesten Ergebnis und deutlichem Hinweis darauf, dass die Infrastruktur fürs Fahrrad unzureichend ist.

Dem Auto wird so auch in Zukunft die mit Abstand beste Eignung zur Erfüllung der persönlichen Ansprüche an Mobilität zugesprochen (75 Prozent, Bahn 18 Prozent, Bus 13 Prozent, Straßenbahn /S-Bahn 12 Prozent). Bemerkenswert dabei: Autos mit Verbrennungsmotoren gewinnen in dieser Frage gegenüber 2024 ebenso hinzu wie Elektroautos. Und dieser Zuwachs an Sympathie fällt dabei für Verbrenner- und auch Elektroautos stärker in den Großstädten ab 500.000 Einwohnern aus als in kleineren Städten unter 50.000 Einwohnern.

Zudem sprechen sich jetzt insgesamt 45 Prozent (Vorjahr 39 Prozent) der Gesamtbevölkerung für staatliche Förderung bei E-Autos aus. „Es scheint beim Thema Elektroautos neue Bewegung zu geben. Nach unseren Beobachtungen steigt die Zustimmung zu diesem klimafreundlichen Antrieb, je häufiger persönliche Fahrerfahrungen mit Elektroautos gemacht werden“, sagt Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand HUK-Coburg.

Die HUK-Mobilitätsstudie erlaubt auch Vergleiche zwischen den 16 Bundesländern. So ist etwa die Unterstützung der Befragten für eine staatliche Förderung bei Elektroautos in Berlin und NRW am größten (jeweils 52 Prozent). Deutlich niedriger und bundesweit am geringsten fällt sie hingegen in Sachsen-Anhalt (32 Prozent) und Thüringen (33 Prozent) aus. Auch das Sicherheitsgefühl in den Verkehrsmitteln ist regional unterschiedlich. So wird die Situation in Bus und ÖPNV bundesweit in Hamburg und Bremen als am besten empfunden. In Brandenburg und Thüringen fühlen sich die Befragten ab 16 Jahre dagegen am wenigsten sicher.

Quelle: HUK – Pressemitteilung vom 10.04.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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