DB bestellt mehr als 3000 Busse, die meisten elektrifiziert

DB bestellt mehr als 3000 Busse, die meisten elektrifiziert
Copyright:

MAN

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Deutsche Bahn (DB) schafft die Voraussetzungen für massive Investitionen in neue Fahrzeuge: Über Rahmenverträge mit verschiedenen Herstellern plant das Unternehmen, in den kommenden Jahren mehr als 3000 neue Busse mit Hybrid- oder Elektroantrieb anzuschaffen. Sie werden für die Regionalverkehrstochter DB Regio AG in ganz Deutschland eingesetzt, so die Bahn in einer aktuellen Mitteilung.

Die Rahmenverträge seien das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, mit der die DB ihre Busflotte weiter modernisiert und elektrifiziert: Als Hauptpartner liefert das Münchner Unternehmen MAN Truck & Bus Niederflur- und Überlandbusse mit Hybrid- und Elektroantrieb; eine kleinere Flotte von E-Überlandbussen liefert der chinesische Hersteller BYD aus seiner Produktion in Ungarn. Dieses Segment mache rund fünf Prozent der erwarteten Fahrzeuge aus, rein rechnerisch also etwa 150 der mehr als 3000 anvisierten Busse. Daneben schließt die DB nachrangige Rahmenverträge mit Iveco, Scania, Daimler Buses und Zhongtong, um die Verfügbarkeit neuer Fahrzeuge abzusichern.

Harmen van Zijderveld, DB-Vorstand für Regionalverkehr: „Mit den neuen Bussen kommen unsere Fahrgäste weiterhin zuverlässig, komfortabel und umweltfreundlich ans Ziel. Die langlaufenden Verträge garantieren, dass wir immer moderne Fahrzeuge haben und diese eng mit den Herstellern weiterentwickeln können. Dass der weitaus größte Anteil der Busse von einem Münchner Hersteller kommt, ist eine gute Nachricht für den Industriestandort Deutschland.“

Es ist die bislang größte Vergabe im Busbereich in der Geschichte von DB Regio, wie das Unternehmen betont. Bei Konfiguration und Antrieb erlauben die Verträge größtmögliche Flexibilität. Wie viele der rund 3000 „elektrifizierten“ Busse tatsächlich vollelektrisch fahren, präzisiert die Bahn in ihrer Mitteilung allerdings nicht. Im Rahmen der Verträge kann DB Regio weitere Kontingente in Anspruch nehmen, wenn das Verkehrsunternehmen zusätzliche langfristige Aufträge gewinnt. Die Rahmenverträge summieren sich auf mehr als 1 Milliarde Euro über eine Laufzeit von sechs Jahren. Die Busse sollen in den Jahren 2027 bis 2032 geliefert werden.

Mit den neuen Fahrzeugen baut DB Regio den Anteil batterie-elektrisch angetriebener Busse in der Flotte weiter aus. Daneben kommen Busse mit Hybridmotoren zum Einsatz, in denen ein Elektromotor beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt und in denen beim Bremsen Energie zurückgewonnen wird. Die Fahrzeuge können außer klassischem Diesel auch alternative Kraftstoffe wie „Hydrotreated Vegetable Oils“ (HVO) tanken und erfüllen die Anforderungen der Euro6e-Norm. Für die E-Busse garantieren die Hersteller hohe Reichweiten von mehr als 300 Kilometern ohne Nachladen über die gesamte Nutzungsdauer.

Alle Busse bieten USB-Anschlüsse an den Sitzen, sodass Fahrgäste unterwegs ihre Handys und Smartphones laden können. LEDs sorgen für eine angenehme und energiesparende Innenbeleuchtung, speziell gepolsterte Sitze für Komfort bei Fahrten über Land. Außerdem sind alle neuen Solo- und Gelenkbusse klimatisiert, die Elektrobusse haben durchgängig Klimaanlagen mit einem klimaneutralen Kältemittel und kommen ohne fossile Zusatzheizungen aus. Für zusätzliche Sicherheit im Straßenverkehr sind alle neuen Busse unter anderem mit LED-Scheinwerfern, Abbiegeassistent und Rückfahrkamera ausgerüstet.

Großen Wert hat die DB bei der Vergabe eigener Aussage nach auf hohe Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus gelegt: Neben den Anschaffungskosten wurden Energieverbrauch, Instandhaltungsaufwand und weitere Qualitätskriterien betrachtet, wo Elektrobusse ihren anfänglichen Kostennachteil beim Kauf mit der Zeit wieder aufholen können. Die DB hat bei dem Verfahren im Rahmen des vergaberechtlich Zulässigen auch die Lage der Produktionsstandorte und den Umfang des Servicenetzes der Hersteller berücksichtigt. Zudem stellte die DB hohe Ansprüche an die ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung (CSR) ihrer künftigen Lieferanten.

Mit rund 561 Millionen Fahrgästen im Jahr 2024 ist DB Regio der größte Anbieter im deutschen Busverkehr. Jeden Tag sind im Schnitt 1,5 Millionen Menschen in Deutschland mit Bussen von DB Regio unterwegs. Damit sichert DB Regio Bus öffentlichen Nahverkehr, Anschluss an die klimafreundliche Schiene und Teilhabe an Mobilität in weiten Teilen Deutschlands.

„Ein historischer Beschaffungsauftrag und ein herausragender Vertrauensbeweis“

„Der neue Rahmenvertrag mit der Deutschen Bahn ist ein historischer Beschaffungsauftrag und ein herausragender Vertrauensbeweis für unsere Produkte und unsere Mannschaft“, sagt Alexander Vlaskamp, CEO beim Hauptlieferanten MAN Truck & Bus. „Dass ein erheblicher Anteil der Fahrzeuge vollelektrisch sein wird, unterstreicht eindrucksvoll, welchen Beitrag die Deutsche Bahn und MAN zur nachhaltigen Transformation des öffentlichen Verkehrs leisten.“

Die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen besteht bereits seit 2010. In den vergangenen 15 Jahren wurden bereits nahezu 5000 MAN-Busse an die Deutsche Bahn geliefert. Mit dem neuen Rahmenvertrag, der die Zusammenarbeit deutlich erweitert, kann die Deutsche Bahn aus einer breiten Palette an Fahrzeugen abrufen.

Für den Überlandverkehr sollen Fahrzeuge des Typs MAN Lion’s Intercity LE in drei Längenvarianten geliefert werden. Für den Stadtverkehr steht die MAN Lion’s City Familie im Mittelpunkt. Die Deutsche Bahn kann aus einem breiten Sortiment von Niederflurbussen mit konventionellem Diesel- oder CNG-Antrieb wählen. Das MAN EfficientHybrid-System unterstützt dabei zusätzlich einen sparsamen Betrieb und trägt zu niedrigen Lebenszykluskosten bei.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der vollelektrischen und mehrfach prämierten Baureihe Lion’s City E. Ein „erheblicher Anteil“ der zu liefernden Fahrzeuge seien, wie MAN betont, nachhaltige Stadtbusse mit batterieelektrischem Antrieb – wählbar als 10-, 12- oder 18-Meter-Variante. Die kompakten 10-Meter-Busse eignen sich ideal für enge Innenstadtbereiche, während die 12-Meter-Version eine ausgewogene Kombination aus Raumangebot, Fahrkomfort und Agilität bietet. Die 18-Meter-Variante ist optimal für stark frequentierte Linien mit hohem Fahrgastaufkommen.

Quelle: Deutsche Bahn – Pressemitteilung vom 13.12.2025 / MAN – Pressemitteilung vom 13.12.2025

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektro-Lkw

Mercedes-Benz: E-Lkw eArocs 400 ab sofort bestellbar

Mercedes-Benz: E-Lkw eArocs 400 ab sofort bestellbar

Maria Glaser  —  

Der neue Elektro-Lkw für den Baustelleneinsatz hat bis zu 240 Kilometer Reichweite und kann in 13 EU-Märkten bestellt werden.

Wasserstoff: Toyota will bei Cellcentric einsteigen

Wasserstoff: Toyota will bei Cellcentric einsteigen

Michael Neißendorfer  —  

Das gemeinsame Ziel ist die Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellensystemen für schwere Nutzfahrzeuge und weitere Heavy-duty-Anwendungen.

Düsseldorf setzt auf E-Lkw für die Altpapiersammlung

Düsseldorf setzt auf E-Lkw für die Altpapiersammlung

Sebastian Henßler  —  

In Düsseldorf sind neuerdings zwei elektrische Sammelfahrzeuge unterwegs. Die Elektro-Lkw ersetzen Diesel-Lkw und sparen 60 Tonnen CO₂ pro Jahr ein.

„Es gibt viele gute Gründe, auf einen E-Lkw umzusteigen“

„Es gibt viele gute Gründe, auf einen E-Lkw umzusteigen“

Maria Glaser  —  

Der Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, Johannes Pallasch, gibt in einem Interview Einblicke in die deutsche Strategie für Elektro-Lkw.

Warum E-Transporter im Handwerk noch haken

Warum E-Transporter im Handwerk noch haken

Sebastian Henßler  —  

Tim Bittorf verkauft seit über zehn Jahren Transporter für Mercedes-Benz und erklärt, warum die Technik längst reicht, aber andere Hürden bleiben.

E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen

E-Mobilität im Fuhrpark: Pioniere und Zauderer, Hoffen und Bangen

Daniel Krenzer  —  

Hohe Dieselpreise könnten der Elektromobilität im gewerblichen Kontext einen neuen Schub verleihen, doch Bürokratie und Politik könnten dies ausbremsen.

7 Länder in Europa mit hohem Anteil an E-Lkw

7 Länder in Europa mit hohem Anteil an E-Lkw

Daniel Krenzer  —  

Der Markt für Elektro-Lkw nimmt in Europa spürbar Fahrt auf – aber das nicht überall gleich stark. Das sind die Vorreiter.