Wie Daimler mit Elektrobussen weiter wachsen will

Wie Daimler mit Elektrobussen weiter wachsen will
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Daimler Buses

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 6 min

Daimler Buses plant weiteres Wachstum im Bereich der E-Mobilität – auch über Fahrzeuge und Infrastruktur hinaus. Dazu führt das Unternehmen neue Services zur Verlängerung der Nutzungsdauer von elektrisch angetriebenen Bussen ein: Beispielsweise bietet Daimler Buses seinen Kunden ab sofort die Aufbereitung von E-Bus-Batterien an. Zudem erweitert der Hersteller das Angebot 2026 um einen Batterietausch auf die neueste Generation mit mehr Reichweite. Daimler Buses will damit eine möglichst lange Nutzungsdauer seiner elektrifizierten Fahrzeuge ermöglichen. Die beiden Angebote sind Teil einer E-Service-Offensive, die den gesamten Lebenszyklus und die Wirtschaftlichkeit von E‑Bussen und Batterien im Blick hat, so der Hersteller in einer aktuellen Mitteilung.

Daimler Buses bietet die neuen Services zunächst für den elektrisch angetriebene Stadtbus Mercedes-Benz eCitaro an. Der Elektrobus ist bereits seit 2018 in Serie und mittlerweile mit Batterien der dritten Generation (NMC3) ausgestattet. 2026 soll die deutlich weiterentwickelte, nächste Batterie-Generation (NMC4) folgen. Auch für den Überlandbus eIntouro sind diese Services in Zukunft eine mögliche Perspektive. Daimler Buses hat einen seriennahen Prototyp des eIntouro vor wenigen Wochen vorgestellt. Der Bus erhält die gleiche Batterietechnologie, sogenannte LFP-Batterien (Lithium-Eisen-Phosphat), wie der Fernverkehrs-Lkw eActros 600 und soll ab 2026 auf dem Markt verfügbar sein.

Till Oberwörder, CEO Daimler Buses: „Die Zukunft des Busses ist ganz klar elektrisch. Neben der großen Nachfrage nach unseren elektrifizierten Bussen und unserem Angebot rund um den Aufbau von schlüsselfertiger E-Infrastruktur, sehen wir großes Potenzial im Bereich E‑Services – und das wollen wir nutzen. Unsere Kunden sollen E-Busse genauso lange und wirtschaftlich einsetzen können wie konventionell angetriebene Fahrzeuge.“

Oberwörder weiter: „Unsere Mercedes-Benz eCitaro der ersten Generation sind bis heute erfolgreich im Einsatz. Die neuen E-Services tragen dazu bei, dass das noch viele Jahre so bleibt. Damit senden wir eine klare Botschaft: E-Busse sind gekommen, um zu bleiben!“

Maximierte Einsatzdauer dank neuer E-Services

Daimler Buses strebt mit der Aufbereitung und dem Austausch von Batterien eine langfristige und damit nachhaltige Verwendung im Fahrzeug an. Wie alle Batterien, verlieren auch E-Bus-Batterien bei intensiver Nutzung über die Jahre an Kapazität. Der Hersteller bereitet bei Bedarf ab sofort Batterien der ersten Generation NMC1 wieder auf, wodurch die Kapazität und damit auch die elektrische Reichweite der Busse wieder deutlich erhöht wird. Zukünftig soll das sogenannte Rework-Angebot auch auf NMC2- und NMC3-Batterien ausgeweitet werden. Zudem tauscht Daimler Buses in Abhängigkeit der geplanten Einsatzdauer des Kunden ab 2026 auch Batterien aller Vorgänger-Generationen (NMC1 bis NMC3) aus. Das Unternehmen ersetzt diese dann durch die neuesten NMC4-Modelle, was eine Kapazitätssteigerung und damit auch größere Reichweiten von bestehenden E-Bussen auch im Vergleich zu deren Neuzustand ermöglicht.

Daimler-Elektrobus-Batterietausch
Daimler Buses

Eine Besonderheit dabei: In Abhängigkeit der Fahrzeugkonfiguration und der ursprünglichen Batteriegeneration kann es möglich sein, dass bei gleicher oder höherer Gesamtkapazität der NMC4-Batterien weniger Batterien benötigt werden. Daimler Buses werde die Aufbereitung und den Batterietausch auf die neue NMC4-Generation auch für sein Gebrauchtfahrzeug-Angebot im BusStore nutzen. Kunden können so auch gebrauchte E-Busse mit sehr hoher Batteriekapazität oder der neuesten Batterietechnologie erwerben.

Bevor eine Aufbereitung oder ein Austausch nötig ist, unterstützt das digitale Service-Portfolio von Daimler Buses die Batterielebensdauer im Fahrzeug zu verlängern: Eine Software prüft zum Beispiel den Zustand der Batterien in der Elektrobusflotte und stellt diese Informationen dem Busunternehmer inklusive Handlungsempfehlungen zusammen. Sie erkennt unter anderem Ladezustände, Temperaturen sowie Standzeiten der Busse und empfiehlt Maßnahmen, um die Batterien zu schützen.

Lange Einsatzdauer von E-Bussen durch Garantien und Reparaturmöglichkeit

Im Rahmen des Neufahrzeugverkaufs wird Daimler Buses zudem mit der Einführung der neuen NMC4-Batterie in 2026 Garantien von bis zu zwölf Jahren anbieten. Kunden können so ihre Fahrzeuge über einen langen Zeitraum wirtschaftlich und ohne Risiko einsetzen. Daneben setzt der Hersteller auf einen modularen Aufbau seiner Batterien, was einfache Reparaturen ermöglicht.

Daimler Buses hat mit über 100 Standorten eines der größten E-Servicenetze für Busse in Europa aufgebaut. Die Service-Mitarbeiter sind speziell für den fachgerechten Umgang mit Elektrofahrzeugen und deren Hochvolt‑Technik geschult. Die Standorte verfügen über spezielle Einrichtungen wie Hochstände oder Batteriekräne, um direkt an den Hochvoltkomponenten zu arbeiten beziehungsweise komplette Batterien reparieren oder tauschen zu können. Kunden von Daimler Buses profitieren so auch nach dem Fahrzeugkauf von maßgeschneiderten Service-Lösungen für ihre individuellen Bedürfnisse in ihrer unmittelbaren Nähe. Dazu gehöre auch eine schnelle und zuverlässige Versorgung mit Ersatzteilen, was die Einsatzbereitschaft der E-Busse durchgehend hochhält.

Das Leben der Batterien nach dem Einsatz im Fahrzeug

Nach dem ersten Leben der Batterien im Fahrzeug bietet Daimler Buses Lösungen für sogenannte Repurpose-Anwendungen an. Hier kommen die ehemaligen Antriebsbatterien beispielsweise in Energiespeichern zum Lastspitzenausgleich des Stromnetzes oder als Zwischenspeicher in Solar- und Windparks zum Einsatz. Im Anschluss daran, am Ende des Lebenszyklus, bietet das Unternehmen gemeinsam mit Partnern Recyclingmöglichkeiten an, um gebundene Rohstoffe so weit wie möglich zurückzugewinnen. Mit dem Ziel, effizientere Recyclingmethoden und einen geschlossenen Produktlebenszyklus zu ermöglichen, beteiligt sich Daimler Buses gemeinsam mit Daimler Truck auch an Projekten in Deutschland, die gefördert werden.

Über NMC- und LFP-Batterien

Daimler Buses setzt bei seinen Stadtbussen auf Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Batterien (NMC). Die neue Batteriegeneration NMC4 – Nachfolger der aktuellen NMC3-Technologie – wird eine hohe Energiedichte, die größere Reichweiten von E-Bussen ermöglicht, und eine sehr lange Lebensdauer kombinieren. Die neuen NMC4-Batterien werden ab Anfang 2026 in den Stadtbussen eCitaro, eCitaro G, eCitaro K sowie eCitaro fuel cell Verwendung finden. Bei der NMC4-Batterie handelt es sich um eine bewährte Technologie des Batterie-System-Experten BMZ Polen, ein Unternehmen der BMZ Holding. Diese wird bereits seit 2022 in Großserie für andere Anwendungen produziert und derzeit von BMZ gemeinsam mit Daimler Buses für die Verwendung in Omnibussen weiterentwickelt.

Elektrobus-Mercedes-Benz-eIntouro
Daimler Truck

Daimler Buses setzt für den neuen elektrisch angetriebenen Überlandbus Mercedes-Benz eIntouro aufgrund unterschiedlicher Anforderungen auf Batterien mit LFP-Zelltechnologie. Die LFP-Zellchemie weist hinsichtlich kalendarischer Alterung eine sehr gute Performance auf, weswegen für einzelne Anwendungen eine Lebensdauer von bis zu 15 Jahren möglich ist. Im Gegensatz zu anderen Batteriezelltechnologien können zudem bei der LFP-Technologie über 95 Prozent der installierten Kapazität genutzt werden. Dies ermögliche eine höhere Reichweite bei gleich viel verbauter Batteriekapazität und sei somit ideal für die Anwendungsszenarien von Überlandbussen.

Über die E-Roadmap von Daimler Buses

Daimler Buses hat laut eigener Aussage eine klare E-Roadmap für die Elektrifizierung seiner Fahrzeuge über alle Segmente hinweg. Dabei setzt Daimler Buses analog der Doppelstrategie des Mutterkonzerns Daimler Truck sowohl auf batterieelektrische als auch auf wasserstoffbasierte Technologien.

Der rein batterieelektrisch angetriebene Stadtbus Mercedes-Benz eCitaro ist bereits seit 2018 in Serie. Seit 2023 wird das Fahrzeug auch mit einer wasserstoffbasierten Brennstoffzelle als Range Extender angeboten. Ab 2026 soll der batterieelektrisch angetriebene Mercedes-Benz eIntouro folgen. Zudem plant Daimler Buses bis zum Ende der Dekade elektrisch angetriebene Reisebusse im Portfolio zu haben.

Damit will Daimler Buses bis zum Jahr 2030 in jedem Segment lokal CO2-freie Modelle auf der Basis von Batterien oder Wasserstoff anbieten. Der Fokus liegt zunächst auf den Kernmärkten Europa und Lateinamerika. Bis 2039 sollen im Kernmarkt Europa nur noch lokal CO2-freie Neufahrzeuge vertrieben werden. Im Stadtbus-Segment soll dies bereits ab dem Jahr 2030 in Europa der Fall sein.

Darüber hinaus unterstützt Daimler Buses Kunden beim Umstieg auf elektrisch angetriebene Busse mit Knowhow. Im Juni 2023 hat das Unternehmen zu diesem Zweck mit Daimler Buses Solutions ein neues Tochterunternehmen gegründet, das sich voll auf die Konzeption und den Aufbau von E- und H2-Infrastruktur spezialisiert.

Quelle: Daimler Buses – Pressemitteilung vom 11.04.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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