Citroën ë-C3 Van im Test: Kleinwagen wird zum Lastenträger

Citroën ë-C3 Van im Test: Kleinwagen wird zum Lastenträger
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 7 min

Am Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim, dem deutschen Hauptquartier der Marken aus dem Stellantis-Konzern, standen unter anderem mehrere Citroën ë-C3 bereit. Auf den ersten Blick war innerhalb der Citroën ë-C3-Modelle kein Unterschied zu erkennen. Maximal eine andere Lackierung. Ansonsten vergleichbar. Erst als die Türen aufgehen, zeigt sich der Unterschied: Hinter den Vordersitzen befand sich bei manchen Modellen keine Rückbank, sondern eine fest verbaute Laderaumerweiterung mit Trennwand und Gepäcktrenngitter. Aus dem kompakten Kleinwagen ist ein Nutzfahrzeug geworden, ohne dass man es ihm von außen ansieht.

Genau dieser Kontrast war mein Grund, sich für den Citroën ë-C3 Van zu entscheiden und nicht für eine der klassischen Pkw-Varianten. Während der reguläre ë-C3 in Urban- und Standard-Range-Ausführung bereits bei Pflegediensten und ähnlichen Flottenkunden im Einsatz ist, zeigt die Van-Version, wie sich kompakte Elektroautos auch für Lieferdienste und Handwerksbetriebe eignen könnten. Meine gewählte Teststrecke führte über rund 45 Kilometer durch Stadtverkehr, Landstraße und Schnellstraße, ein Mix, der dem typischen Einsatzgebiet eines solchen Stromers entsprechen dürfte.

Vom Kleinwagen zum kompakten Lastenträger

Der ë-C3 Van von Citroën basiert auf der Ausstattungsvariante Plus des kompakten E-Autos und bringt äußerlich keine Überraschungen mit. Polar-Weiß lackiert, mit 16-Zoll-Stahlfelgen und Radzierkappen in Mattschwarz, wirkt der Testwagen unauffällig, fast unscheinbar im Straßenbild. Die Maße von 4,02 Metern Länge und 1,81 Metern Breite (inklusive ausgeklappter Außenspiegel) bleiben identisch zum Schwestermodell, lediglich die Nutzfahrzeugzulassung und die fehlende Sitzbank in Reihe zwei machen den eigentlichen Unterschied.

Front des Citroën ë-C3

Im Innenraum dominiert die Ambiente-Variante Urban Grey mit Stoffbezug in Schwarz und Grau. Wo sonst Fahrgäste sitzen würden, öffnet sich eine Fläche von gut einem Kubikmeter, gesichert durch ein Gitter zur Fahrerkabine. Der Laderaum lässt sich sowohl über die Heckklappe als auch seitlich durch die Türen erreichen, was im Alltag praktisch sein dürfte, gerade wenn der Platz zum Rangieren knapp ist. Eine horizontale Ablage teilt das Abteil zusätzlich und schafft Platz für leichtere Gegenstände, ohne dass größere Frachtstücke darunter zerdrückt werden.

Ganz klar geht man hier dennoch den Kompromiss eines umgebauten Pkw zum Lastenfahrzeug ein, der bei einem von Grund auf für diesen Zweck konzipierten Transporter so nicht entstehen würde. Dort gestaltet sich die Beladung in der Regel noch unkomplizierter. Wer sich für den ë-C3 Van entscheidet, sollte sich diesen Unterschied vor dem Kauf bewusst machen, dürfte dann aber – wenn es zum Einsatzzweck passt – gut mit ihm zurechtkommen.

Kompakter Stromer der Citroën ë-C3

 

Im Innenraum fällt direkt auf: Ein klassisches Kombiinstrument sucht man im ë-C3 vergeblich. Stattdessen sitzt unterhalb der Windschutzscheibe ein schmaler Infostreifen, der die wichtigsten Fahrzeuginformationen auf einen Blick liefert. Für die Basics reicht das aus, mehr aber auch nicht. Wer sich an klassische Head-up-Displays gewöhnt hat, muss seine Erwartungen entsprechend anpassen.

Der mittig platzierte 10,25-Zoll-Touchscreen übernimmt unter anderem Navigation und die Spiegelung des eigenen Smartphones über USB-C. Die Navigation im Infostreifen-Menü gestaltete sich zunächst etwas sperrig, was sich mit etwas Übung aber vermutlich relativiert. Insgesamt wirkt der Software-Umfang eher reduziert, was angesichts der Preisklasse aber nachvollziehbar bleibt und dem gesetzten Rahmen entspricht.

Fahrverhalten zwischen Stadt und Schnellstraße

Der 83 kW (113 PS) starke Elektromotor treibt die Vorderräder an und sorgt für ausreichend Schub im Alltag, ohne dabei in Richtung sportlich zu tendieren. Man darf kein Luxusfahrzeug oder selbst einen Mittelklassewagen erwarten. Stattdessen präsentiert sich ein solides Einsteigerfahrzeug mit einer Federung, die ihren Zweck erfüllt, Bodenwellen und Schlaglöcher aber durchaus spürbar an die Insassen weitergibt. Das Lenkgefühl fällt eher weich aus, nicht direkt oder straff im klassischen Sinn. Das passt aber durchaus zu dem, was das Fahrzeug sein möchte: kein Fahrerauto, sondern ein praktisches Werkzeug für den Alltag. Bei der Dämmung gibt es ebenfalls noch Luft nach oben, im Rahmen des Wettbewerbsumfelds bewegt sich der ë-C3 Van damit aber im akzeptablen Bereich.

Blick in den Innenraum des Citroën ë-C3 Van

 

Die Rekuperation lässt sich mittig unterhalb der Gangwahl per Knopfdruck einstellen. Da die Fahrt mit vollem Akku begann, ließ sich der Effekt zu Beginn kaum spüren. Gegen Ende der Strecke machte sich die Energierückgewinnung beim Loslassen des Strompedals dann bemerkbar, allerdings ohne aufdringlich zu wirken.

Bei sonnigen 22 Grad Celsius pendelte sich der Verbrauch bei rund 14 Kilowattstunden je 100 Kilometer ein, abgelesen vom Bordcomputer am Ende der Fahrt. Mit etwas vorsichtigerem Umgang mit dem Strompedal wäre wohl noch etwas mehr drin gewesen, insgesamt aber ein zufriedenstellendes Ergebnis für eine Mischung aus Stadt, Land- und Schnellstraße. Citroën selbst gibt den Energieverbrauch nach WLTP mit 17,3 Kilowattstunden je 100 Kilometer an, die Praxis lag also deutlich darunter. Die 44-kWh-Batterie soll laut Herstellerangabe eine Reichweite von bis zu 322 Kilometern ermöglichen, im innerstädtischen Betrieb sogar bis zu 453 Kilometer.

Geladen wird der ë-C3 Van serienmäßig mit 7,4 Kilowatt einphasig, optional steht ein 11-kW-Lader zur Verfügung. An der Schnellladesäule mit 100 Kilowatt soll der Sprung von 20 auf 80 Prozent Akkuladung in rund 26 Minuten gelingen, ein Wert, der im Testbetrieb selbst nicht überprüft werden konnte, aber für den urbanen Lieferverkehr ausreichend ist.

An Bord ist serienmäßig ein Sicherheitspaket verbaut, das einen aktiven Notbremsassistenten, einen aktiven Spurhalteassistenten, eine Verkehrszeichenerkennung sowie einen Aufmerksamkeitsassistenten mit Kamera umfasst.

Citroën ë-C3 Van: Preis und Einordnung im Wettbewerb

Der Testwagen in der Konfiguration mit Standard-Range-Motor, Polar-Weiß-Lackierung und den 16-Zoll-Stahlfelgen mit Pyrite-Radzierkappen kommt laut Preisliste auf einen Gesamtpreis von 23.412 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die Listenpreise unterscheiden sich je nach Motorisierung: Die Urban-Range-Version mit 30-kWh-Akku startet bereits bei 19.640 Euro netto, die Standard-Range-Variante mit der größeren 44-kWh-Batterie bei 22.950 Euro netto. Der Umweltbonus mitsamt Citroëns Bonusaktion ist anwendbar, allerdings nur für Privatkunden.

Damit positioniert sich der ë-C3 Van als vergleichsweise günstiger Einstieg in die elektrische Nutzfahrzeugwelt, deutlich unterhalb der größeren Geschwister wie Berlingo oder Jumpy aus dem Stellantis-Portfolio. Für Lieferdienste, Handwerksbetriebe mit überschaubarem Ladevolumen oder eben Pflegedienste, die schon länger auf die Pkw-Variante setzen, könnte das kompakte Format genau die richtige Größe sein. Wer regelmäßig größere oder schwerere Lasten transportieren muss, stößt mit der Zuladung von maximal 302 Kilogramm allerdings schnell an Grenzen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines durchdachten Nischenprodukts. Der ë-C3 Van verspricht keine automobile Sensation, sondern eine pragmatische Antwort auf eine konkrete Frage: Wie bekommt man elektrische Mobilität auch für kleinere gewerbliche Transportaufgaben bezahlbar? Die Antwort darauf fällt überzeugend aus, solange die Erwartungen an Komfort und Software-Ausstattung realistisch bleiben. Wer ohnehin in der Stadt unterwegs ist und nicht viel mehr als ein paar Kisten oder Werkzeug transportieren muss, bekommt hier ein kompaktes, alltagstaugliches Auto, das sich seine Nutzfahrzeugzulassung redlich verdient.


Disclaimer: Citroën hat zum Kennenlernen des Citroën ë-C3 Van nach Rüsselsheim eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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