Chinas Elektrobusse sparen mehr Diesel als alle Elektroautos zusammen

Chinas Elektrobusse sparen mehr Diesel als alle Elektroautos zusammen
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 786092956

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Laut einem Bericht von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) werden Elektrobusse 2019 erstaunliche 270.000 Barrel Dieselbedarf einsparen – jeden Tag. Die überwiegende Mehrheit der Elektrobusse befindet sich in China, wo sich die meisten Großstädte dem 100-prozentigen elektrisch betriebenen öffentlichen Verkehrsmitteln nähern.

China betreibt derzeit 99 Prozent aller E-Busse weltweit

Busse spielen eine zentrale Rolle im öffentlichen Verkehr auf der ganzen Welt. Aufgrund ihrer Größe und ihres ständigen Einsatzes verdrängen 1.000 Elektrobusse nach Berechnungen des BNEF täglich 500 Barrel Dieselbedarf. Zum Vergleich: 1.000 Elektroautos verdrängen 15 Barrel Ölbedarf pro Tag. Man geht davon aus, dass heute fast 400.000 Elektrobusse in Betrieb sind, 99 Prozent davon in China.

Shenzhen, eine schnell wachsende Großstadt mit 12 Millionen Einwohnern, ist Vorreiter in puncto Elektrobusse, mit einer Flotte von 16.000. Mehr als 30 chinesische Städte haben Pläne, bis 2020 100 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs zu erreichen.

E-Busse: Fluch oder Segen?

Betrachtet man die Berechnung von singularityhub.com zeigt sich, dass E-Busse auf den ersten Blick ein wahrer Segen sind. Ausgehend vom Jahr 2019 werden E-Busse 98,55 Millionen Barrel Diesel eingespart haben (270.000 Barrel pro Tag x 365 Tage im Jahr.)

Umgerechnet in US-Gallonen werden dies in etwa 4,139 Milliarden Gallonen Diesel pro Jahr sein. Laut EPA emittiert jede Gallone Dieselkraftstoff 10.180 Gramm (etwas über 10 Kilogramm) CO2. Damit entspricht dies einer Einsparung von mehr als 42 Millionen Tonnen CO2.

Nun zum Fluch: Der Strom. Dieser stammt in China meist aus Kohlekraftwerken, des weiteren sind die Produktionskosten von Elektrofahrzeugen  sowohl wirtschaftlich als auch energetisch tendenziell höher, zum Teil aufgrund ihrer Batteriesysteme. Auch das spätere Recycling der Batterien darf nicht außer acht gelassen werden.

Kurz gesagt, wie viel umweltfreundlicher ein Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem dieselbetriebenen ist, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Obwohl es schwierig ist, zu verallgemeinern, zeigen Zahlen aus Deutschland, dass ein mittelgroßes Elektroauto bei durchschnittlicher Nutzungsdauer von 13 Jahren, wesentlich CO2 freundlicher ist, als ein entsprechender Verbrenner.

Neben der CO2-Einsparung durch elektrisch betriebene Fahrzeuge profitiert man gerade in Großstädten deutlich von der geringeren Lautstärke im Alltag. Dies sollte bei der umfänglichen Betrachtung ebenso mit einfließen.

E-Busse tragen zum Ausbau erneuerbarer Energien bei

Des Weiteren ist es so, dass der Einsatz von E-Fahrzeugen auch zum Ausbau erneuerbaren Energien beiträgt. China ist ein gutes Beispiel, da es stark in die Windenergie investiert. Zudem ist es so, dass E-Busse zur Stabilisierung des Energienetzes beitragen können.

Sie könnten auch eine kostengünstige Möglichkeit bieten, die Energiespeicherkapazität ernsthaft zu erhöhen, wenn man sie im bekannten Vehicle-2-Grid-Ansatz nutzt.

Deutschland hat Nachholbedarf in puncto E-Busse

Gerade in Sachen Elektrobusse hat Deutschland Nachholbedarf, wie etwa Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zuletzt feststellte: Zu viele Elektrobusse deutscher Hersteller seien „noch in der Studienphase, das ist leider ein bisschen spät“. Die Hersteller müssten schneller werden. „Wir haben keine Zeit – und die müssen wir nutzen. Die notwendigen Förderprogramme gebe es bereits. Bis zu 80 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Diesel können damit gedeckt werden.

Quelle: singularityhub.com – China’s Electric Buses Save More Diesel Than All Electric Cars Combined

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.