In China werden kaum noch kleine E-Autos angeboten

In China werden kaum noch kleine E-Autos angeboten
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Chinas Automarkt zeigt derzeit zwei grundlegende Entwicklungen: Der Gesamtmarkt schrumpft deutlich, gleichzeitig schreitet der Abschied vom Verbrenner mit hohem Tempo voran. Im Juli wurden nach Daten der China Passenger Car Association (CPCA) im chinesischen Einzelhandel 1,46 Millionen Pkw verkauft. Das waren 20,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 8,8 Prozent weniger als im Juni. Damit ging der Absatz bereits den zehnten Monat in Folge zurück.

Wie die Automobilwoche unter Berufung auf die aktuellen Marktdaten berichtet, offenbart sich dabei allerdings zunehmend ein strukturelles Problem: Ausgerechnet günstige Elektroautos werden im chinesischen Angebot knapper. Das ist bemerkenswert, weil gerade China lange als Musterbeispiel dafür galt, dass sich Elektroautos auch in kleinen Fahrzeugklassen zu niedrigen Preisen anbieten lassen.

Von einem Rückschlag für die Elektromobilität insgesamt kann dennoch kaum die Rede sein. Fahrzeuge mit sogenanntem New-Energy-Antrieb – also Elektroautos, Plug-in-Hybride und E-Autos mit Range Extender – erreichten im Juli einen Rekordanteil von 65,1 Prozent am chinesischen Pkw-Markt. Ihre Verkäufe gingen mit 951.000 Einheiten gegenüber dem Vorjahresmonat lediglich um 3,9 Prozent zurück, während konventionelle Verbrenner um 41 Prozent einbrachen. Reine Elektroautos legten sogar um 6 Prozent auf 647.000 Fahrzeuge zu. Plug-in-Hybride verloren dagegen 21,1 Prozent.

Kleine Elektroautos verlieren deutlich

Innerhalb des Elektrosegments verschieben sich die Kräfte jedoch deutlich. Im Großhandel legten batterieelektrische Modelle der größeren B-Klasse im Juli um 35 Prozent auf 299.000 Fahrzeuge zu. Ganz anders sieht es am unteren Ende des Marktes aus: Bei den besonders kleinen A00-Elektroautos brach das Volumen um 50 Prozent auf nur noch 65.000 Einheiten ein. Ihr Anteil am reinen E-Auto-Markt sank damit auf lediglich 7 Prozent – 10,7 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor.

Ein Grund dafür sind verschärfte chinesische Sicherheitsanforderungen für Elektroautos, die seit Juli gelten und unter anderem höhere Anforderungen an Crashsicherheit und den Schutz vor thermischem Durchgehen der Batterie stellen. Gerade bei extrem günstigen Fahrzeugen erhöhen solche Vorgaben die Kosten spürbar. Hinzu kommt ein klarer Trend der Hersteller zu größeren und margenstärkeren Modellen. Von den zwischen Januar und Juli neu eingeführten New-Energy-Modellen waren 56 Prozent länger als fünf Meter. Unter vier Metern Länge gab es dagegen nur eine einzige Neuerscheinung.

Dass es grundsätzlich Nachfrage nach kompakten und bezahlbaren Elektroautos gibt, zeigt die Modellrangliste. Der vergleichsweise kleine Geely Xingyuan war im Juli mit 32.306 Verkäufen das meistverkaufte Auto Chinas überhaupt. Dahinter folgte mit dem Leapmotor A10 ein weiteres bezahlbares Elektroauto mit 26.424 Einheiten. Erst auf Rang drei landete das deutlich größere Tesla Model Y. Neun der zehn meistverkauften Modelle verfügten über einen elektrifizierten Antrieb, die meisten davon waren reine Elektroautos.

Chinesische Hersteller drängen stärker ins Ausland

Gleichzeitig wird der Export für Chinas Automobilindustrie immer wichtiger. Während der Heimatmarkt schwächelt, wurden im Juli rund 918.000 Pkw exportiert – fast 88 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Besonders dynamisch entwickelten sich die New Energy Vehicles: Ihre Exporte stiegen um knapp 148 Prozent auf 540.000 Einheiten. Mehr als die Hälfte aller aus China exportierten Pkw war damit bereits elektrifiziert.

Auch die Kräfteverhältnisse im chinesischen Markt verschieben sich weiter zugunsten heimischer Marken. Sie kamen im Juli auf einen Anteil von 71 Prozent. Die klassischen Gemeinschaftsunternehmen ausländischer Hersteller verloren dagegen 35 Prozent ihrer Verkäufe. Deutsche Marken erreichten nur noch 12,4 Prozent Marktanteil, japanische 10,9 Prozent und amerikanische 4,2 Prozent. Allerdings konnten die Joint Ventures ihre Verkäufe elektrifizierter Modelle um 36 Prozent steigern – ein Hinweis darauf, dass die stärkere Lokalisierung von Entwicklung und Lieferketten erste Wirkung zeigt.

Für den chinesischen Markt ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Die Elektromobilität setzt ihren strukturellen Siegeszug fort, obwohl der Gesamtmarkt schwächelt. Gleichzeitig droht das Angebot ausgerechnet dort dünner zu werden, wo Elektroautos für besonders viele Käufer erschwinglich wären.

Quelle: Automobilwoche – Chinas Automarkt in der Krise: Es fehlen kleine, bezahlbare Elektromodelle

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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