Der Preiskampf unter chinesischen Autoherstellern hat sich in den letzten Jahren deutlich zugespitzt. Im eigenen Markt wurden dadurch schon mehrere Hersteller in den Ruin getrieben. Für die kommenden Jahre haben Unternehmen wie BYD oder Xiaomi ambitionierte Exportpläne, um den schwächelnden Absatz in China auszugleichen. Die Regierung in Peking will nun offenbar verhindern, dass sich der ruinöse Preiskampf im Ausland fortsetzt.
Zu diesem Zweck wurde erstmals ein offizieller Verhaltenskodex für Autohersteller erlassen. Handelsministerium, Industrieministerium und Marktaufsichtsbehörde veröffentlichten am 1. September gemeinsam die neuen „Leitlinien für das Wettbewerbsverhalten im Ausland und den Aufbau von Compliance in der Automobilindustrie“.
Durch das vier Kapitel und zwanzig Artikel umfassende Dokument werden im Ausland tätige Hersteller dazu angehalten, sich wettbewerbskonform zu Verhalten und lokale Vorschriften einzuhalten. Grundsätzlich sollen so eine eher kostenbasierte Preisgestaltung erreicht und Kampfpreise unterbunden werden. Zudem gibt es auch strengere Vorgaben für Werbung.
China will Preiskampf aus dem Inland nicht exportieren
Auslöser für den neuen Verhaltenskodex dürfte der bereits benannte Preiskampf innerhalb Chinas sein. Hier kämpfen über 100 Automarken um Marktanteile und locken Kunden dabei mit immer neuen Rabatten, kostenlosen Versicherungen, zinslosen Finanzierungen oder hohen Wechselprämien. Gleichzeitig lag die Kapazitätsauslastung der Branche dem chinesischen Statistikamt zufolge im ersten Halbjahr 2026 nur noch bei 70,6 Prozent.
Es bestehen also massive Überkapazitäten, welche vom Vorstand eines europäischen Herstellers zuletzt auf 10 bis 20 Millionen Fahrzeuge pro Jahr beziffert wurden. Vom BYD-Chef Wang Chuanfu wurde die aktuelle Situation bereits als „brutale K.o.-Phase“ bezeichnet. Für BYD selbst hatte der Preiskampf 2025 bereits zu einem Nettogewinnrückgang von 19 Prozent geführt.
Schon 2025 war China mit über 8 Millionen exportierten Fahrzeugen der weltweit größte Fahrzeugexporteur. Bis 2030 rechnet der Branchenverband CPCA nochmal mit einer Steigerung des Exportvolumens auf 18 bis 20 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Dieses wirtschaftliche Potenzial möchte Peking offenbar nicht durch zu harte Konkurrenz einbüßen. Zulieferer, Händler und kleinere Hersteller könnten schließlich unter dem Kostendruck zusammenbrechen, wenn sich das ruinöse Muster mit wachsendem Exportvolumen auch international wiederholt.
Dabei ist der neue Exportkodex Teil einer größeren Regulierungswelle: Führende chinesische Autobauer hatten sich zuvor bereits verpflichtet, Rechnungen innerhalb von 60 Tagen zu begleichen, nachdem es zahlreiche Beschwerden von Zulieferern gegeben hatte. Das Industrieministerium hatte diese Regeln im September sogar noch einmal zusätzlich verschärft, um Schlupflöcher zu schließen.
Was das für Europa bedeutet
Obwohl man nun annehmen könnte, dass europäische Hersteller wie VW, BMW oder Mercedes durch die Unterbindung eines Preiskampfes entlastet werden, wird dies laut der Einschätzung mehrerer Branchenbeobachter kaum der Fall sein. Schließlich bleibt der strukturelle Wettbewerbsdruck durch die chinesische Konkurrenz trotzdem bestehen.
Der chinesische Marktanteil in der EU lag im ersten Halbjahr 2026 derweil bei 6,6 Prozent. Dies entspricht zwar bereits einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, ist jedoch noch weit entfernt von chinesischer Marktdominanz. Dementsprechend viel Raum für Wachstum besteht für Autobauer aus dem Land der Mitte und der Anreiz zur internationalen Expansion bleibt hoch.
Durch EU-Ausgleichszölle kann dieser Trend laut Branchenexperten zwar verlangsamt, aber kaum gestoppt werden, zumal im chinesischen Heimatmarkt eine weitere Konsolidierung zu erwarten ist, was den Expansionsdruck auf BYD und Co nur weiter erhöht. Sowohl für europäische als auch für chinesische Autobauer werden technologische Stärke und Skaleneffekte daher essenziell sein, um in der nächsten Marktphase zu bestehen.
Quellen: Automobil-Industrie – China erlässt Verhaltenskodex für seine Autobauer im Ausland / Reuters – China issues guidelines for automakers‘ overseas operations / Reuters – China issues stricter supplier payment rules for automakers








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