Chinas Automarkt bricht ein – inklusive Elektroautos

Chinas Automarkt bricht ein – inklusive Elektroautos
Copyright:

Bumble Dee / Shutterstock.com

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die Zeichen stehen auf Gegenwind im global größten Automarkt: Der chinesische Pkw-Absatz ist im Januar deutlich eingebrochen, und selbst E-Autos sowie Plug-in-Hybride konnten dieser Schwäche nicht entkommen. Laut Daten der China Association of Automobile Manufacturers fiel der Gesamtabsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 19,5 Prozent auf knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge – der stärkste Rückgang seit fast zwei Jahren. Besonders stark betroffen waren die „New Energy Vehicles“ (NEV) – also batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride –, deren Verkäufe um 22,9 Prozent zurückgingen, obwohl diese Sparte zuvor Wachstumsimpulse geliefert hatte. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Chinas Automarkt hatte in den vergangenen Jahren eine immense Entwicklung erlebt, auch dank staatlicher Förderung und kräftiger Nachfrage nach elektrischen Antrieben – inklusive eines wachsenden Exportgeschäfts bei E-Autos und Hybriden. Doch nun trifft eine Kombination aus gekürzten staatlichen Subventionen, hartem Preiswettbewerb und schwächerer Konsumnachfrage auf ein gesättigtes Umfeld.

So greift seit Januar eine Kaufsteuer von fünf Prozent, nachdem zuvor keine Steuer auf NEV gezahlt werden musste. Viele Elektroautos wurden also noch Ende 2025 zugelassen, was das Ergebnis etwas verzerrt haben dürfte. Dazu kommt die zeitliche Verschiebung von Kaufentscheidungen rund um das chinesische Neujahrsfest, die traditionell das Jahresbeginn-Geschäft beeinflusst.

BYD schwächelt besonders stark

Besonders spürbar ist der Abschwung beim heimischen Branchenprimus BYD. Der Hersteller, der für Jahre als treibende Kraft der Elektromobilitäts-Revolution in China galt und zeitweise auch global hohe Verkaufszahlen erzielte, meldete für Januar einen Verkaufsrückgang von rund 30 Prozent. Die Zahlen zeigen, wie selbst starke Marken mit dem strukturellen Abwärtstrend auf dem Inlandsmarkt zu kämpfen haben.

Zwar gibt es einzelne Lichtblicke – etwa steigende Exporte von Elektroautos und Hybriden, die sich laut Branchenverband mehr als verdoppelt haben und den Herstellern helfen, Absatzverluste im Inland zu kompensieren. Auch gibt es lokale Ausnahmen wie bei gewissen Tesla-Modellen aus Shanghai, die einen moderaten Nachfragezuwachs registrieren konnten.

Doch unterm Strich signalisiert die Januar-Datenlage: China befindet sich am Anfang einer Phase, in der der bisherige Wachstumsmotor ins Stocken geraten könnte. Dies würde für die globalen E-Mobilitätsstrategien strategische Neuausrichtungen bedeuten – sowohl für chinesische Hersteller mit Blick auf Auslandsmärkte als auch für internationale Wettbewerber, die traditionell stark auf dem chinesischen Absatzmarkt gesetzt haben. Einige Experten erwarten, dass 2026 insgesamt stagnierende oder nur leicht wachsende Absatzzahlen zu Buche stehen könnten und dass Unternehmen ihre Portfolio- und Preispolitik anpassen müssen, um in diesem schwieriger werdenden Umfeld zu bestehen.

Wohin die Reise tatsächlich gehen könnte, dürften aber erst die Zahlen der kommenden Monate zeigen. Es ist bei Weitem nicht auszuschließen, dass es sich lediglich um einen kurzzeitigen Knick der ansonsten steilen Aufwärtsbewegung des E-Auto-Absatzes handelt.

Quelle: Reuters – Autoabsatz in China im Januar eingebrochen – Hybride und E-Autos unter Druck

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in China Elektroauto

China: NEVs erreichen erstmals über 60 Prozent Marktanteil

Laura Horst  —  

In China wächst der NEV-Anteil immer weiter und machte im April erstmals mehr als 60 Prozent der Verkäufe aus, während der Verbrenneranteil rasant sinkt.

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Chinesische Hersteller als Retter deutscher Autofabriken?

Wolfgang Gomoll  —  

Allein der Gedanke, chinesische Autos in deutschen Werken zu produzieren, schlägt derzeit hohe Wellen. Allerdings überwiegen die Chancen den Risiken.

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sebastian Henßler  —  

Das VW-Werk Zwickau steht vor einer ungewissen Zukunft – Sachsens Wirtschaftsminister sieht chinesische Partner als möglichen Ausweg für 8000 Beschäftigte.

E-Transporter: Chinesische Konkurrenz in Europa nimmt zu

E-Transporter: Chinesische Konkurrenz in Europa nimmt zu

Laura Horst  —  

Chinesische Hersteller von Elektrotransportern haben den europäischen Markt im Visier und machen etablierten Herstellern zunehmend Konkurrenz.

Slow is fast: Omoda und Jaecoo kommen nach Deutschland

Slow is fast: Omoda und Jaecoo kommen nach Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Omoda und Jaecoo starten offiziell in Deutschland – mit zwei Plug-in-Hybriden, einem lokalen Team und einer Strategie, die in UK bereits aufgegangen ist.

Changan: Chinas stiller Riese greift an

Changan: Chinas stiller Riese greift an

Vanessa Lisa Oelmann  —  

Changan setzt auf Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender. Dahinter steckt eine breite Technologiestrategie – und ein klares strategisches Kalkül.

Nach zwei, drei Jahren Schrott? China und die Wegwerf-Autos

Nach zwei, drei Jahren Schrott? China und die Wegwerf-Autos

Daniel Krenzer  —  

In China werden Elektroautos zunehmend zum Wegwerfprodukt, doch das ist bei Weitem noch kein genereller Trend.