Als Reaktion auf die schwächelnde Nachfrage in China haben mehrere E-Auto-Hersteller begonnen, ihre Exporte deutlich hochzuschrauben. Auch BYD beabsichtigt, seine Auslandsverkäufe in den kommenden Jahren massiv auszubauen. Informationen von zwei großen Investmentbanken zufolge rechnet das Management des Unternehmens für 2027 mit mehr als 2,5 Millionen Auslandslieferungen.
Reuters zufolge berufen sich sowohl die Deutsche Bank als auch die Citigroup auf ein Treffen mit dem BYD-Management, bei dem besagte Zielmarke von 2,5 Millionen Fahrzeugen für 2027 genannt wurde. BYD selbst hat sich auf Anfrage zunächst jedoch nicht dazu geäußert. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen laut Deutsche Bank mit 1,9 bis 2 Millionen Auslandslieferungen, was einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr entspräche.
Dabei hätte es 2026 laut Unternehmensangaben sogar noch mehr Exporte gegeben, wenn der Auslandsabsatz nicht durch beschränkte Schiffskapazitäten ausgebremst worden wäre. Das dürfte sich 2027 laut Deutsche Bank durch eine wachsende eigene Flotte spezieller Autotransportschiffe ändern. Die hohen Exportziele für das kommende Jahr werden zudem auch von zunehmender lokaler Fertigungspräsenz und Marktanteilsgewinnen im Ausland getragen.
Lokale Produktion im Ausland und Ausbau der Ladeinfrastruktur
Schon im November oder Dezember wird in BYDs neuem Werk in Ungarn die Montage von E‑Autos beginnen. Zudem werden weitere Standorte für einen Ausbau der Produktion im Ausland geprüft. Eine Steigerung der Auslandsproduktion würde dem chinesischen Unternehmen helfen, die aktuell rund 27-prozentigen EU-Zölle auf E-Autos zu umgehen. Umgerechnet können so pro Auto durchschnittlich circa 40.000 Yuan (umgerechnet rund 5.961 US-Dollar) eingespart werden, wodurch wiederum die zusätzlichen Kosten für den Hochlauf kompensiert werden würden.
Außerdem plant BYD der Deutschen Bank zufolge auch den massiven Ausbau seiner Ladeinfrastruktur. Bis 2028 ist der Bau von insgesamt 90.000 Flash-Charging-Stationen geplant. Bis Ende 2026 sollen 20.000 Stationen entstehen, 2027 weitere 30.000 und 2028 nochmals 40.000.
Der Ausbau dieser internationalen Schnellladetechnologie hat bereits im Juni dieses Jahres mit der ersten kommerziellen Flash-Charging-Station in Deutschland begonnen. Das System kann bis zu 1.500 kW leisten und übertrifft das Angebot der Konkurrenz somit deutlich. Selbst Teslas V4-Supercharger kommt schließlich „nur“ auf rund 350 kW.
BYD gewinnt Marktanteile im schwierigen Heimatmarkt
Doch nicht nur im internationalen Geschäft setzt BYD auf Wachstum. Im chinesischen Markt strebt das Unternehmen einen Marktanteil von 25 Prozent an. Das ist in Anbetracht von Marktanteilsgewinnen von 8 Prozent zu Jahresbeginn auf 18 Prozent bis Juli durchaus realistisch. Hintergrund des Wachstums ist zugleich ein aggressiver Preiskampf am chinesischen Markt, welcher vom BYD-Chef Wang Chuanfu bereits als „brutale K.O.-Phase“ unter den chinesischen Herstellern bezeichnet wurde und bei BYD zu einem deutlichen Gewinnrückgang geführt hat.
Sollte BYD jedoch als Sieger aus besagtem Preiskampf hervorgehen können, dürften die kurzfristigen Gewinneinbußen ein verkraftbares Opfer darstellen. Gleichzeitig würden Exportzahlen von 2,5 Millionen Fahrzeugen für 2027 den Wettbewerbsdruck auf etablierte Hersteller in Europa deutlich erhöhen, so sie denn erreicht werden können.
Quelle: Reuters – BYD targets more than 2.5 million vehicle exports in 2027, brokerages say








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