BYD: Auslandsgeschäft wichtiger als der Heimatmarkt

BYD: Auslandsgeschäft wichtiger als der Heimatmarkt
Copyright:

Azulblue / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

BYD hat im zweiten Quartal erstmals seit über einem Jahr wieder einen Gewinnanstieg verzeichnet, getragen vor allem von einem florierenden Exportgeschäft. Der Überschuss kletterte im Jahresvergleich um 29,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Damit endete eine Serie von vier Quartalen mit rückläufigen Ergebnissen in Folge, die den chinesischen Automobilhersteller zuvor begleitet hatte. Die Erwartungen der Analyst:innen erfüllte BYD dennoch nicht, im Schnitt war ein Plus von 48 Prozent prognostiziert worden, sodass die Rückkehr zum Wachstum schwächer ausfiel als erhofft. Für den Konzern markiert das Quartal dennoch einen Wendepunkt nach einer längeren Phase rückläufiger Gewinne.

Gegenläufig zum Gewinn entwickelte sich der Umsatz. Er sank um 3,2 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan, was umgerechnet etwa 24,9 Milliarden Euro entspricht. Der nach Absatz weltgrößte E-Autohersteller verbesserte sein Ergebnis also trotz schrumpfender Erlöse, ein Hinweis darauf, dass sich die Struktur des Geschäfts derzeit merklich verschiebt. Ausschlaggebend dafür war vor allem die zunehmende Verlagerung des Absatzes hin zu internationalen Märkten, die inzwischen einen wachsenden Anteil am Konzernergebnis ausmachen.

Im ersten Halbjahr stiegen die Exporte von BYD um 71 Prozent auf mehr als 790.000 Autos. Damit stammten bereits 44 Prozent des gesamten Absatzes aus dem Ausland, ein Anteil, der die wachsende Bedeutung internationaler Märkte für den Automobilhersteller unterstreicht. Noch vor wenigen Jahren spielte das Auslandsgeschäft für BYD eine deutlich kleinere Rolle, inzwischen trägt es einen Großteil zum Konzernergebnis bei und gleicht Schwächen im Heimatmarkt zunehmend aus.

Preiskampf drückt weiter auf das Heimatgeschäft

Um die Abhängigkeit vom chinesischen Heimatmarkt zu verringern, treibt BYD seine internationale Expansion gezielt voran. Zunehmend gewinnt der Konzern dabei Marktanteile in Europa und Südostasien, zwei Regionen, in denen die Nachfrage nach Elektroautos aus China insgesamt zulegt. Diese Expansion gilt intern offenbar als zentraler Hebel, um die Schwäche im eigenen Land auszugleichen und die eigene Position im globalen Wettbewerb auszubauen.

Auf dem chinesischen Heimatmarkt bleibt die Lage dagegen angespannt. Ein harter Preiskampf und eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kund:innen belasten derzeit die gesamte Elektroautobranche im Land, nicht nur BYD selbst. Der sinkende Fahrzeugabsatz in China dämpft das Ergebnis entsprechend, während die Auslandsmärkte dem Konzern aktuell als wichtigster Wachstumstreiber dienen. Diese Gegenüberstellung von schwachem Inlands- und starkem Auslandsgeschäft prägt die Bilanz des zweiten Quartals maßgeblich und zeigt, wie ungleich die beiden Geschäftsfelder derzeit zum Ergebnis beitragen.

Yale Zhang, Geschäftsführer des Forschungsunternehmens Automotive Foresight, ordnet die Entwicklung entsprechend ein. Der chinesische Markt bleibe für BYD weiterhin ein Problem, da der Fahrzeugabsatz sinke und der Preiskampf hart bleibe, so seine Einschätzung zur aktuellen Lage. „Die Auslandsmärkte sorgen für Wachstum, höhere Zölle in einigen Ländern sowie steigende Marketing- und Entwicklungskosten könnten aber den Gewinn begrenzen“, erklärt Zhang weiter. Die internationale Expansion bringt demnach nicht nur neue Absatzchancen, sondern auch zusätzliche Kostenfaktoren mit sich, die sich auf lange Sicht bemerkbar machen könnten.

Insgesamt verdeutlichen die aktuellen Zahlen eine Verschiebung in der Geschäftsstruktur von BYD, die sich bereits seit einigen Quartalen abzeichnet. Während der Heimatmarkt durch Wettbewerbsdruck und zurückhaltende Kundschaft belastet bleibt, gewinnt der Auslandsabsatz kontinuierlich an Bedeutung für das Gesamtergebnis des Automobilherstellers. Ob sich dieser Kurs angesichts steigender Zölle und Kosten in neuen Märkten dauerhaft trägt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Quelle: Manager-Magazin – Exporte treiben Gewinn von BYD nach oben

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in BYD Elektroautos

Vertrauenskrise im Handel bei chinesischen E-Automarken

Vertrauenskrise im Handel bei chinesischen E-Automarken

Sebastian Henßler  —  

Trotz Rekordzulassungen kämpfen viele Händler von BYD und Xpeng mit monatelangen Zahlungsverzögerungen und Forderungen im sechsstelligen Bereich.

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

CATL und BYD bei Festkörperbatterien mit gleichem Zeitplan

Daniel Krenzer  —  

Die chinesischen Hersteller wollen ab 2027 erste Festkörperbatterien produzieren. Für E-Autos dürfte die Technik aber zunächst eine Nischenlösung bleiben.

Denza Bao 5: Chinas Antwort auf G-Klasse und Bronco

Denza Bao 5: Chinas Antwort auf G-Klasse und Bronco

Stefan Grundhoff  —  

Mit dem Bao 5 bringt BYDs Premiummarke Denza einen elektrischen Geländewagen nach Europa, der Bronco, Wrangler und G-Klasse ernsthaft Konkurrenz macht.

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Reicht ein Netz aus 300 bis 400 Kilowatt starken Ladepunkten, oder braucht der Massenmarkt künftig Megawatt-Laden für Elektroautos in Deutschland?

BYD bringt Plug-in-Hybrid Song Pro eigens für den brasilianischen Markt

BYD bringt Plug-in-Hybrid Song Pro eigens für den brasilianischen Markt

Laura Horst  —  

BYD hat in Brasilien den Plug-in-Hybrid Song Pro auf den Markt gebracht, der sowohl mit Strom als auch mit Benzin oder Ethanol betrieben werden kann.

BYD kompensiert schwachen Heimatmarkt mit Exporten

BYD kompensiert schwachen Heimatmarkt mit Exporten

Sebastian Henßler  —  

BYD hat im Juli den dritten Monat in Folge zugelegt. Vor allem die Auslandsnachfrage sorgt für deutliches Wachstum.