BMW Leipzig: Wasserstoff für die Lackiererei, nicht fürs Auto

BMW Leipzig: Wasserstoff für die Lackiererei, nicht fürs Auto
Copyright:

BMW | v.l.n.r. Michael Kretschmer, Ministerpräsident Freistaat Sachsen; Petra Peterhänsel, Leiterin BMW Group Werk Leipzig und Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In der Lackiererei des BMW Group Werks Leipzig soll Wasserstoff künftig Erdgas in deutlich größerem Umfang ersetzen als bisher. Möglich machen soll das eine rund zwei Kilometer lange Pipeline, die den Standort an das entstehende Wasserstoff-Kernnetz anbindet. Mit dem symbolischen Baubeginn ist das Projekt nun offiziell gestartet, Fertigstellung und Anschluss sind für das erste Halbjahr 2028 vorgesehen. Nach Angaben der BMW Group wird Leipzig damit das erste Automobilwerk weltweit, das seinen Wasserstoff direkt über eine Pipeline bezieht.

Im Fokus stehen jene Prozesse, die besonders viel Energie und hohe Temperaturen erfordern. Das betrifft vor allem die Trockner in der Lackiererei. Dort arbeitet BMW bereits seit 2022 mit Wasserstoff: Elf bivalente Lack-Brenner sind inzwischen installiert, die wahlweise Erdgas oder Wasserstoff verbrennen. Bislang fehlte allerdings eine Versorgung, die einen Einsatz in großem Maßstab zulässt.

Werkleiterin Petra Peterhänsel sieht in der Leitung genau diesen Schritt. Sie ermögliche es, die Lackiererei „mit Wasserstoff in völlig neuen Größenordnungen“ zu versorgen, und sei damit „ein Meilenstein und Grundpfeiler zur Sicherung unserer künftigen Energie-Resilienz“. Darüber hinaus biete sie Potenziale für die weitere Dekarbonisierung der Produktion.

Hinzu kommt ein zweiter Aspekt, der über den eigentlichen Brennstoffwechsel hinausreicht. Weil die Brenner flexibel zwischen beiden Gasen wechseln können, will BMW Erfahrungen zu den technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen während des Hochlaufs des H2-Kernnetzes sammeln. Ziel ist es, die Anlagen auf dieser Grundlage optimiert betreiben zu können.

Gabelstapler als Wegbereiter für die Pipeline

Ganz neu ist der Energieträger in Leipzig nicht. Bereits seit 2013 setzt das Werk Wasserstoff in der Intralogistik ein, heute fahren dort über 230 Gabelstapler und Routenzugschlepper mit Brennstoffzellenantrieb. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die größte Flotte brennstoffzellenbetriebener Intralogistikfahrzeuge in Europa. Diese langjährige Praxis bildet gemeinsam mit den industriellen Anwendungen und dem künftigen Netzanschluss die Basis für eine langfristig belastbare Energieversorgung des Standorts.

Umgesetzt wird der Anschluss mit mehreren Partnern. Mit der Ontras Gastransport GmbH, die in der Region für den Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes verantwortlich ist, hat die BMW Group einen Kapazitäts-Reservierungsvertrag abgeschlossen. Den Bau der Anschlussleitung samt Gasdruckregel- und Messanlage übernimmt die Mitnetz Gas GmbH. Kofinanziert wird das Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie des Freistaates Sachsen.

Auch die Politik war beim Baustart vertreten: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, begleiteten den Termin. Kretschmer verwies darauf, dass Leipzig mit der Pipeline „zum Ankerpunkt für die Wasserstoffwirtschaft“ werde und zu einem der ersten sächsischen Industriestandorte am Kernnetz. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und schaffe die Grundlage, damit Wasserstoff dort ankomme, „wo er für die Produktion gebraucht wird“.

Vom Energieverbraucher zum flexiblen Prosumer

Eingebettet ist das Projekt in das globale Energiemanagement des Konzerns. Ein pauschales Modell verfolgt BMW dabei nicht, stattdessen richtet sich die Lösung nach lokaler Infrastruktur, Kosten und verfügbaren Energiequellen. Langfristig sollen die Werke Energie nicht nur verbrauchen, sondern auch selbst erzeugen, speichern und flexibel einsetzen. Virtuelle Kraftwerke sollen dazu Erzeuger, Verbraucher und Speicher vernetzen und Energieflüsse datenbasiert steuern, um Lasten flexibler zu verteilen, die Netzstabilität zu unterstützen und die Abhängigkeit von Preisschwankungen zu verringern.

Gleichzeitig formuliert das Unternehmen klare Erwartungen an die Rahmenbedingungen. Für molekülbasierte Energieträger nennt BMW ein schnell verfügbares Kernnetz einschließlich Verteilerinfrastruktur, wettbewerbsfähige Netzentgelte und einen günstig verfügbaren klimafreundlichen Energieträger. Ebenso gefordert werden Investitions- und Planungssicherheit sowie praxisnahe, europäisch harmonisierte Zertifizierungen. Transparenz, Verlässlichkeit und eine frühzeitige Beteiligung der Gesellschaft betrachtet der Konzern zudem als Voraussetzung für Akzeptanz.

Quelle: BMW – Pressemitteilung

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in BMW Elektroautos

Wie BMW sich gegen die Krise stemmt

Wie BMW sich gegen die Krise stemmt

Michael Neißendorfer  —  

BMW gibt einen Ausblick auf seine Zukunftsplanung. Das Ziel ist, die Resilienz des Unternehmens und die Wettbewerbsfähigkeit der Strukturen zu erhöhen

BMW i3: Elektrischer 3er mit bis zu 912 km Reichweite

BMW i3: Elektrischer 3er mit bis zu 912 km Reichweite

Sebastian Henßler  —  

Erstmals gibt es den BMW 3er als reines E-Auto. Zunächst gibt es zwei Allrad-Modelle, die günstigeren Varianten folgen später.

Made in Germany: Neuer BMW i3 samt Batterie aus Bayern

Made in Germany: Neuer BMW i3 samt Batterie aus Bayern

Sebastian Henßler  —  

BMW investiert rund zwei Milliarden Euro in den neuen 3er. Der vollelektrische i3 entsteht in München, seine Batterien kommen aus Irlbach-Straßkirchen.

BMW Gen6-Batterie erhält Technologiepreis in China

BMW Gen6-Batterie erhält Technologiepreis in China

Daniel Krenzer  —  

BMW erhält in China eine renommierte Auszeichnung für seine Gen6-Hochvoltbatterie – ein kleiner Hoffnungsschimmer in einem schwierigen Markt.

So will BMW den neuen i3 besonders nachhaltig machen

So will BMW den neuen i3 besonders nachhaltig machen

Daniel Krenzer  —  

BMW will den neuen i3 besonders nachhaltig produzieren. Recyclingmaterialien, kurze Wege und erneuerbare Energien spielen dabei eine zentrale Rolle.

BMW hält trotz Sparkurs am Wasserstoff-Pkw fest

BMW hält trotz Sparkurs am Wasserstoff-Pkw fest

Daniel Krenzer  —  

BMW bringt 2028 den iX5 Hydrogen in Serie. Doch hohe Kosten, schrumpfende Infrastruktur und massive Förderung nähren Zweifel am Wasserstoff-Pkw.