BMW richtet seine europäischen Produktionsstandorte konsequent auf die elektrische Zukunft aus. Anlässlich der Premiere des vollelektrischen i3 im Stammwerk München kündigte Produktionsvorstand Milan Nedeljković umfangreiche Investitionen in die deutschen und europäischen Werke an. Über mehr als 50 Jahre lang lief dort der 3er BMW als Verbrenner vom Band – künftig übernimmt der elektrische i3 auf Basis der Neue-Klasse-Architektur.
Allein in den Umbau des Münchner Stammwerks für die Fertigung reiner Elektroautos flossen in den vergangenen zwei Jahren rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Investition von etwa einer Milliarde Euro in ein neues Batteriemontagewerk im niederbayerischen Irlbach-Straßkirchen. Von dort soll die Fahrzeugproduktion in München künftig mit Hochvoltbatterien versorgt werden. Zusammengenommen belaufen sich die Aufwendungen für den Standortumbau damit auf rund 1,7 Milliarden Euro.
Da Europa auch über die Neue-Klasse-Modelle hinaus ein Kernmarkt für den Absatz von BMW-Autos bleibe, werde man „weiterhin erheblich investieren“, so Nedeljković. Als wirtschaftliche Grundlage dafür verwies er auf Effizienzsteigerungen in der Produktion: In den vergangenen fünf Jahren habe der Automobilhersteller die Stückkosten um bis zu 25 Prozent gesenkt.
Mit dem Anlauf der neuen Elektromodelle gehen auch Verschiebungen im Produktionsnetzwerk einher. Die Verbrenner-Varianten der 3er-Reihe sollen nach Informationen der Automobilwoche ins Werk Dingolfing verlagert werden. Im Münchner Werk ist die Serienproduktion des i3 für den Sommer geplant, weitere Varianten – darunter ein Touring-Modell – werden bis 2027 erwartet.
BMW lässt die Zukunft des i4 offen
Ungeklärt ist derzeit die Zukunft des ebenfalls in München gefertigten i4. Medienberichten zufolge dürfte die Elektro-Limousine in ihrer jetzigen Form eingestellt werden. Ein Unternehmenssprecher wollte sich dazu nicht äußern. Im vergangenen Jahr produzierte BMW mehr als eine Million Autos in Deutschland, wobei die Werke in Leipzig und Regensburg neue Rekordwerte erreichten. Mit der Umstellung auf Elektromodelle dürfte das Produktionsvolumen allerdings vorübergehend zurückgehen.
Neben den Investitionen in die eigenen Standorte bezog Nedeljković auch industriepolitisch Stellung. Der von der Europäischen Union geplante „Industrial Accelerator Act“ könne den globalen Freihandel gefährden, der maßgeblich zum Erfolg der deutschen Automobilindustrie beigetragen habe. „Der Entwurf vernachlässigt die Lieferketten europäischer Unternehmen, die weltweit tätig sind“, sagte der Produktionsvorstand. Dies könne Innovation und Wachstum bremsen und langfristig den Wohlstand in Europa beeinträchtigen.
Für BMW stellt die Neue Klasse damit weit mehr als ein neues Modell dar. Der Automobilhersteller organisiert seine gesamte europäische Fertigung um die neue Architektur herum – mit erheblichem Kapitaleinsatz und der klaren Ansage, den Standort Deutschland nicht zugunsten günstigerer Produktionsländer aufzugeben.
Quelle: Automobilwoche – BMW will weiter in Produktion in Europa investieren








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