Batteriespeicher wohl deutlich günstiger als Gaskraftwerke

Batteriespeicher wohl deutlich günstiger als Gaskraftwerke
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Deutschland plant Milliardeninvestitionen in neue Gaskraftwerke. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass Batteriespeicher viele dieser Aufgaben günstiger übernehmen könnten. Neue Berechnungen von Wood Mackenzie, über die CleanThinking berichtet, und eine Untersuchung für den deutschen Markt setzen die Kraftwerksstrategie damit zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Die wirtschaftliche Begründung für neue Gaskraftwerke bekommt ein Problem: Batteriespeicher sind für viele Einsatzfälle inzwischen nicht nur weniger fossil, sondern offenbar auch günstiger.

Eine aktuelle Analyse von Wood Mackenzie kommt zu dem Ergebnis, dass Batteriespeicher mit vier Stunden Speicherdauer in allen 43 untersuchten Strommärkten kostengünstiger sind als offene Gasturbinen, wenn kurzfristige Lastspitzen abgefangen werden müssen. Genau dafür werden solche Gaskraftwerke typischerweise eingesetzt: Sie laufen vergleichsweise selten, springen aber ein, wenn Strom knapp und teuer ist. Diesen Job können Batterien inzwischen offenbar billiger erledigen.

Das bedeutet nicht, dass Speicher bereits jedes Gaskraftwerk ersetzen können. Eine Batterie überbrückt normalerweise noch keine mehrtägige Dunkelflaute, wenn sie zwischendurch nicht geladen werden kann. Doch der Anteil der Situationen, in denen tatsächlich tagelang zusätzliche Erzeugung benötigt wird, könnte erheblich kleiner sein als es die deutsche Kraftwerksdebatte teilweise vermuten lässt.

Speicher werden günstiger, Gasturbinen nicht

Für Batterien spricht vor allem die Kostenentwicklung. Zwar sind die Investitionskosten schlüsselfertiger Batteriespeicher in Europa 2026 leicht gestiegen. Bis 2031 erwartet Wood Mackenzie dennoch einen Rückgang um rund zwölf Prozent. Bei Gaskraftwerken zeigt die Entwicklung eher in die andere Richtung. Neben Brennstoff- und CO₂-Kosten verteuern derzeit knappe Gasturbinen und lange Lieferzeiten neue Projekte.

Während Batteriespeicher zunehmend zum industriellen Massenprodukt werden, drohen neue Gaskraftwerke also in einer Phase gebaut zu werden, in der ihre Technologie teuer und die langfristigen Betriebskosten schwer kalkulierbar sind.

Noch brisanter wird der Vergleich mit Blick auf Deutschland. LCP Delta hat im Auftrag des Batteriespeicherentwicklers Field untersucht, wie lange Versorgungslücken tatsächlich dauern. Das Ergebnis: Zwischen 82 und 87 Prozent der untersuchten Engpässe sind nach spätestens zehn Stunden vorbei. Zwischen 44 und 57 Prozent dauern weniger als vier Stunden. Mehr als 95 Prozent enden innerhalb von 16 Stunden. Damit könnten Batteriespeicher schon heute einen erheblichen Teil genau jener Situationen abdecken, für die nun neue steuerbare Kraftwerksleistung geschaffen werden soll.

Mit zunehmender Speicherdauer steigt auch ihr Beitrag zur Versorgungssicherheit deutlich. Bei 14 Stunden erreichen sie laut Modellierung bereits mehr als 80 Prozent der gesicherten Leistung eines Gaskraftwerks. Bei 20 Stunden nähert sich der Wert 100 Prozent.

Gas braucht deutlich mehr Förderung

Besonders unbequem für eine eher fossile Kraftwerksstrategie ist der Kostenvergleich. LCP Delta beziffert den durchschnittlichen jährlichen Förderbedarf eines beispielhaften Zehn-Stunden-Batteriespeichers auf rund 31 Euro je Kilowatt. Für ein vergleichbares Gas-und-Dampf-Kraftwerk werden 102 Euro je Kilowatt angesetzt. Das Gaskraftwerk benötigt damit mehr als dreimal so viel Förderung.

Würden zwei Gigawatt Gasleistung durch entsprechend ausgelegte Batteriespeicher ersetzt, könnten Verbraucher der Berechnung zufolge jährlich bis zu 166 Millionen Euro sparen. Die Untersuchung wurde allerdings von Field beauftragt, einem Entwickler von Batteriespeichern. Das muss bei der Bewertung freilich berücksichtigt werden. Die grundsätzliche Richtung deckt sich jedoch mit den internationalen Berechnungen von Wood Mackenzie.

Warum dann noch so viel Gas?

Genau hier wird es politisch pikant. Deutschland will zusätzliche gesicherte Kraftwerksleistung schaffen und richtet einen großen Teil der vorgesehenen Ausschreibungen auf Anlagen aus, die sehr lange am Stück verfügbar sein können. Formal sollen verschiedene Technologien teilnehmen können. Praktisch passen die Anforderungen jedoch besonders gut zu thermischen Kraftwerken. Das könnte sich als teure Festlegung erweisen.

Wenn Batterien die häufigen kurzen Knappheitsphasen günstiger abdecken und Langzeitspeicher auch bei längeren Engpässen zunehmend konkurrenzfähig werden, schrumpft der tatsächliche Bedarf an neuen Gaskraftwerken. Vollständig verschwinden wird er vorerst nicht. Für sehr seltene, mehrtägige Dunkelflauten werden weiterhin steuerbare Erzeuger oder andere Langzeitspeicher benötigt, bis ausreichend dimensionierte Batteriespeicher errichtet werden. Doch daraus folgt den Analysen nach eben nicht, dass Deutschland große Mengen neuer Gaskraftwerke bauen muss.

Quelle: CleanThinking – Für die Abendspitze sind Batteriespeicher günstiger als Gaskraftwerke; Wood Mackenzie – Pressemitteilung vom 7. Oktober 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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