Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Um weiterhin international wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Branche laut der neuen Roland-Berger-Studie „Germany’s automotive reset: From model of global success to painful consolidation“ radikal verändern: Selbst wenn jetzt die richtigen Schlüsse gezogen werden, dürften bis 2030 mindestens 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern dürfte von rund 692.000 im Jahr 2025 auf etwa 490.000 sinken. Rund 90.000 direkte Arbeitsplätze, 95.000 Stellen in indirekten Funktionen und 15.000 Managementpositionen wären betroffen. Wenn die notwendigen Entscheidungen nicht zeitnah umgesetzt werden, seien sogar noch mehr Stellenstreichungen zu erwarten.
„Um profitabel zu produzieren, braucht ein Werk eine Auslastung von 75 bis 80 Prozent. Davon sind viele deutsche Standorte weit entfernt. Wir haben Kapazitäten für mehr als sechs Millionen Fahrzeuge, bauen aber nur gut vier Millionen. Das heißt, wir haben rechnerisch mindestens fünf Produktionswerke zu viel. Deshalb führt kein Weg an Kapazitätsanpassungen vorbei“, sagt Felix Mogge, Partner bei Roland Berger.
Die Produktion in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Während 2015 noch 5,9 Millionen Fahrzeuge in deutschen Werken hergestellt wurden, waren es 2025 nur noch rund 4,2 Millionen. Gleichzeitig liegt die installierte Produktionskapazität weiterhin bei rund 6,4 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Laut der Studie handelt es sich bei den aktuellen Produktionszahlen um den neuen Status quo – ein Zurück zum alten Produktionsvolumen sei nicht zu erwarten.
Neben den Überkapazitäten in den deutschen Werken kämpft der Produktionsstandort Deutschland mit Kostennachteilen. Bei den Fertigungskosten eines Fahrzeugs, zum Beispiel in den Bereichen Batterie & E-Antrieb, Materialkosten oder Fertigungslohn, verfügen chinesische Hersteller insgesamt über einen Kostenvorteil von rund 30 Prozent. „Zwar haben die deutschen Hersteller technologisch den Anschluss an die Weltspitze geschafft, aber ein Preisunterschied von rund 30 Prozent lässt sich durch Markenstärke allein nicht mehr ausgleichen“, resümiert Mogge.
Roland Berger sieht Unternehmen und Politik gleichermaßen in der Verantwortung, sicherzustellen, dass nicht noch mehr als die erwarteten 200.000 Arbeitsplätze verloren gehen: „Die deutsche Autoindustrie muss ihre Fahrzeuge deutlich schneller entwickeln und produzieren. Auf der anderen Seite muss die Politik die Veränderungen in der Branche aktiv flankieren. Denkbar sind zum Beispiel Innovationscluster, die die technologische Entwicklung fördern, oder eine Qualifizierungsoffensive für Beschäftigte“, betont Sebastian Gundermann, Partner bei Roland Berger.
Während chinesische Hersteller neue Fahrzeuge zum Teil innerhalb von 24 Monaten entwickeln, benötigen deutsche häufig 48 Monate oder länger. Ein realistisches Ziel für die deutsche Industrie ist laut Studie eine Entwicklungszeit von 30 bis 36 Monaten. Auch weitere Investitionen in Zukunftstechnologien seien trotz des aktuellen Kostendrucks essenziell. Die Studie empfiehlt zusätzlich eine Kooperation von Herstellern und Zulieferern bei der Softwareentwicklung, da sich deren Anteil an den Entwicklungskosten bis 2030 mehr als verdoppeln wird.
Die Politik sollte währenddessen geplante Standortumbauten schneller genehmigen und die Zusammenarbeit verschiedener Marktteilnehmer erleichtern. Auch mit Qualifizierungsprogrammen für mehr als 50.000 Beschäftigte in den Bereichen Software, Batterie, Robotik und Künstlicher Intelligenz sollte der Staat die notwendige Transformation aktiv unterstützen.
Quelle: Roland Berger – Pressemitteilung vom 7.10.2026









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