Batterieproduktion in Europa hängt am seidenen Faden

Batterieproduktion in Europa hängt am seidenen Faden
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Europa droht bei der Produktion von Batterien, wie sie für Elektroautos, aber auch für Speicher benötigt werden, endgültig abgehängt zu werden. Nach der Insolvenz des schwedischen Batterieproduzenten Northvolt – wovon die deutsche Tochter zumindest zunächst nicht betroffen ist – bittet nun Mitbewerber Automotive Cells Company (ACC) um sofortige Unterstützung, wie die Automobilwoche berichtet. Auch ACC hat mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung der eigenen Pläne zu kämpfen. Es gehe um ein System zur Unterstützung der noch jungen Industrie beim Durchschreiten des „Tals des Todes„, hieß es seitens des Unternehmens.

ACC-Vorstandschef Yann Vincent hat demnach die Europäische Union für die Phase des Produktionsanlaufs um finanzielle Unterstützung gebeten. Ansonsten könnte die Inbetriebnahme einer weiteren Batteriefabrik scheitern. „Um zu überleben und unsere Gigafactory erfolgreich hochzufahren – ein Prozess, der sich als länger und teurer als erwartet erweist – ist eine sofortige Unterstützung unerlässlich“, zitiert die Automobilwoche einen Unternehmenssprecher.

Aus Sicht von Vincent hat Europa das Rennen bei der Batterieproduktion noch nicht final gegen die asiatische Konkurrenz verloren. So sagte er: „Mittelfristig können wir wettbewerbsfähig werden. Nicht durch Beschwörungen. Wettbewerbsfähigkeit kann man nicht verordnen. Aber durch die Aktivierung einer Reihe von Hebeln, an denen wir bereits arbeiten, auch wenn wir nicht alle in der Hand haben.“

Projekt in Kaiserslautern ruht

Allerdings müssten dafür noch einige Grundvoraussetzungen geschaffen werden. So nannte er unter anderem die Begrenzung der Arbeitskosten bei zugleich hochqualifizierter Belegschaft, die Verfügbarkeit aller nötigen Rohstoffe sowie einen attraktiven Strompreis. „Die Erfahrungen, die wir mit der Inbetriebnahme unseres Gigafcatory machen, zeigen uns, dass die Elektrochemie ein schwer zu kontrollierender und sehr kostspieliger industrieller Prozess ist“, stellte Vincent fest.

Das erste Batteriewerk von ACC befindet sich in Billy-Berclau in Nordfrankreich, die Kapazitäten dort wurden zuletzt aber nicht so hochgefahren, wie dies ursprünglich geplant worden war. Unter anderem in Kaiserslautern plante ACC ein weiteres Batteriewerk, doch derzeit liegen diese Pläne angesichts der schwierigen Gesamtsituation wieder in der Schublade.

Vor allem chinesische Unternehmen wie CATL dominieren den weltweiten Markt für Fahrzeugbatterien. Europa würde gerne eine zu große Abhängigkeit von China vermeiden – auch aus Sorge, dass mit Blick auf Taiwan eine ähnliche Situation drohen könnte wie durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Quelle: Automobilwoche – Nach Northvolt-Pleite: Konkurrent ACC bittet um Hilfe beim Durchschreiten des „Tal des Todes“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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