China steht vor einer gewaltigen Recyclingaufgabe. Nach offiziellen Angaben fielen 2025 rund 400.000 Tonnen ausgediente Antriebsbatterien von Elektroautos an. Bis 2030 könnten es 1,69 Millionen Tonnen werden, bis 2040 sogar mehr als 22 Millionen Tonnen, berichtet unter anderem die Frankfurter Rundschau. Das klingt zunächst nach einem größer werdenden Umweltproblem – tatsächlich könnte die Entwicklung aber auch den Aufbau einer bislang beispiellosen Kreislaufwirtschaft beschleunigen.
Das größte Problem ist derzeit nicht fehlende Technik oder Kapazität. China verfügt über zahlreiche moderne Recyclinganlagen. Mehr als 150 Unternehmen erhielten eine staatliche Zulassung; ihre Anlagen konnten bereits 2023 zusammen rund 623.000 Tonnen Batterien verarbeiten. Trotzdem gelangte Schätzungen zufolge nur etwa ein Viertel der Alt-Akkus in zertifizierte Betriebe. Informelle Händler zahlen häufig höhere Preise, sparen jedoch bei Prüfung, Arbeitsschutz und Abwasserbehandlung.
Risiken bei unsachgemäßer Weiterverwendung
Welche Folgen das haben kann, zeigt ein Fall aus der Provinz Jiangxi. Dort soll ein nicht zugelassener Betrieb 364 Tonnen Lithium-Eisenphosphat-Batterien zerlegt und dabei Pflanzen auf rund 2,4 Hektar Wald geschädigt haben. Unsachgemäße Demontage birgt zudem Brand- und Vergiftungsrisiken. Besonders problematisch ist es, wenn ungeprüfte Zellen anschließend in selbst gebauten Zusatzakkus weiterverwendet werden.
Doch China reagiert inzwischen deutlich entschlossener. Seit dem 1. April 2026 gelten verbindliche Regeln für den gesamten Lebenszyklus von Antriebsbatterien. Jede Batterie erhält eine digitale Identität und soll über eine nationale Plattform von der Herstellung bis zur Verwertung zurückverfolgt werden. Hersteller müssen Rücknahmenetze aufbauen, technische Informationen zur Demontage bereitstellen und dafür sorgen, dass ausgediente Akkus in regulierte Kanäle gelangen.
Hinzu kommt das Prinzip, Fahrzeug und Batterie grundsätzlich gemeinsam zu verschrotten. Damit soll verhindert werden, dass Akkus vor der Verwertung aus dem offiziellen System verschwinden. Für Recycler gelten strengere Anforderungen an Genehmigungen, Umweltprüfungen und Emissionen. Fast 30 nationale Standards sollen die Verfahren zusätzlich vereinheitlichen.
China könnte erneut schnell lernen
Die technischen Voraussetzungen sind bereits vorhanden. Professionelle Anlagen können bei Nickel, Kobalt und Mangan Rückgewinnungsquoten von bis zu 99,6 Prozent erreichen, bei Lithium sind es bis zu 96,5 Prozent. Die enthaltenen Rohstoffe werden damit nicht zu wertlosem Abfall, sondern zu einem wichtigen heimischen Materiallager für neue Batterien.
Chinas Batterierecycling ist folglich weniger ein grundsätzlich unlösbares Müllproblem als eine Frage konsequenter Marktordnung. Gelingt es, die Stoffströme von informellen Werkstätten in zertifizierte Anlagen umzuleiten, könnte aus der bevorstehenden Welle alter Akkus ein großer Rohstoffkreislauf entstehen – und China erneut schneller lernen und neue Einnahmequellen erschließen als viele andere Märkte.
Quelle: Frankfurter Rundschau – Batterierecycling in China; Inside Climate News – China’s EV Problem: What Happens When Millions of Batteries Die?









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