Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um

Janus rüstet alte Diesel-Sattelschlepper auf Elektro um
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Für Speditionen, die vor der Generalüberholung ihrer Diesel-Flotte stehen, bietet sich mit dem australischen Unternehmen Janus Electric eine Alternative zum Neukauf batterieelektrischer Lkw. Das Unternehmen rüstet fünf Jahre alte Diesel-Sattelschlepper, die ohnehin eine Überholung benötigen, auf Elektroantrieb um. Nach Angaben von Janus liegen die Kosten dafür bei etwa einem Viertel dessen, was ein neu gebauter Elektro-Lkw kosten würde. Für Flottenbetreiber:innen ergibt sich damit ein wirtschaftlicher Weg in die Elektromobilität, ohne die bestehende Flotte auf einen Schlag ersetzen zu müssen.

Kern des Konzepts ist ein Modell namens Battery as a Service – kennt man aus dem E-Autobereich so bereits von Nio. Die Batterien bleiben Eigentum des Anbieters und werden fortlaufend überwacht. Sobald ein Pack altersbedingt an Kapazität verliert, wird es aus dem Betrieb genommen und in den Zweitmarkt weitergegeben, während der Lkw ein neues, geprüftes Pack erhält. Die Lebensdauer des Fahrzeugs hängt dadurch nicht mehr von der Batterie ab. Anders als beim Verbrenner, dessen Motor die zentrale Verschleißkomponente darstellt, gelten Elektromotoren bei entsprechender Auslegung als praktisch verschleißfrei.

Batteriewechsel dauert nur wenige Minuten

Der eigentliche Tausch der Batterie läuft nach Unternehmensangaben in rund vier Minuten ab. Aktuell erfolgt dieser noch per Gabelstapler durch die Fahrer:innen selbst, automatische Wechselstationen befinden sich bereits in der Entwicklung. In einem Interview mit dem Format „Engineering with Rosie“ beschrieb Janus-Geschäftsführer Ben Hutt das Verfahren als unmittelbar überzeugend für alle, die es einmal live erlebt hätten.

Ein wesentlicher Vorteil des Systems liegt in der Ladeinfrastruktur. Der Wechselvorgang nutzt eine Ladeleistung von 300 Ampere bei 240 Volt und kommt damit ohne Netzausbau aus. Das unterscheidet den Ansatz von klassischen Schnellladelösungen, die für den Betrieb großer Lkw-Flotten erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur erfordern würden. Langsames Laden im Wechsel entlastet zudem das Stromnetz und kann laut Janus sogar zur Netzstabilisierung beitragen.

Leichtere Lkw dank kleinerer Batteriepakete

Auch beim Gewicht ergibt sich ein Unterschied zu fest verbauten Batteriesystemen. Da beim Batterietausch kleinere Packs für Teilstrecken ausreichen, statt eines einzigen großen Akkus für die gesamte Reichweite, fallen die umgerüsteten Lkw nach Angaben von Janus leichter aus als vergleichbare Diesel-Fahrzeuge. Batterieelektrische Lkw mit fest verbauten Akkus müssen dagegen auf die längste vorgesehene Strecke ausgelegt werden und sind dadurch oft schwerer als ihre Diesel-Pendants, was angesichts achsbezogener Gewichtsvorschriften zusätzliche Ausnahmeregelungen erfordern kann. Bei einer Route von etwa 800 Kilometern etwa reicht laut Janus ein Pack aus, das für rund 400 Kilometer ausgelegt ist.

Eine flächendeckende, standardisierte Ladeinfrastruktur ist für den Einsatz nach Unternehmensangaben nicht zwingend notwendig, solange Flotten innerhalb ihres eigenen Systems operieren. Rund 80 Prozent der Lkw-Nutzung im Schwerlastverkehr entfällt laut Janus auf Fahrzeuge mit kurzer Reichweite, die täglich zur Basis zurückkehren, etwa im Werksverkehr.

Als Beispiel nannte Janus im Gespräch mit CleanTechnica den Baustoffkonzern Cement Australia. Hutt erklärte dazu: „Wir müssen nicht diejenigen sein, die den Hume Highway von Sydney nach Melbourne elektrifizieren. Es gibt viele Anwendungsfälle, in denen unsere Technologie sofort sinnvoll ist, ohne auf eine landesweite Ladeinfrastruktur warten zu müssen.“

Wachstum baut auf bestehender Basis auf

Wechsel-Lkw können laut Unternehmen zusätzlich an regulären Schnellladestationen laden, was die Abhängigkeit von einheitlichen Wechselstandards zwischen verschiedenen Anbietern verringert. Zwar unterscheiden sich die mechanischen Schnittstellen der Wechselsysteme je Hersteller, die elektrische Ladeschnittstelle folgt jedoch einem einheitlichen Standard.

Janus setzt wie der chinesische Batteriehersteller CATL, der ein Wechselsystem für Europa entwickelt, auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen, die sich durch geringere Kosten, lange Lebensdauer und robuste Eigenschaften auszeichnen. CATL plant zusätzlich den Einsatz von Natrium-Ionen-Zellen. Von einer Basis von 30 umgerüsteten Lkw aus verfolgt Janus nach eigenen Angaben das Ziel, künftig 50 Umrüstsätze pro Monat zu produzieren.

Quelle: CleanTechnica – Janus Battery Swap Trucks Show The Way

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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