Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten

Batterieproduktion: Europa fehlen die Prozessexperten
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Wer Batteriesysteme wirtschaftlich produzieren will, braucht neben der Zellchemie vor allem eines: skalierbare Prozesse. Der deutsche Maschinenbauer Bahmüller positioniert sich seit Jahrzehnten als Technologiepartner für genau diesen Teil der Wertschöpfungskette – von der Prozessintegration bis zur vollautomatisierten Packmontage. Christoph Gasiorek, Sales Manager North America bei Bahmüller, gibt im Gespräch mit Battery-News Einblick in die globalen Marktunterschiede, die Anforderungen wachsender Zellformate und die Frage, was Wettbewerbsfähigkeit in der Packmontage künftig bedeutet.

Die regionalen Unterschiede in der Batterieindustrie sind laut Gasiorek ausgeprägt. Während der asiatische Markt stark auf Investitionskosten und Skalierung ausgerichtet sei, rückten in Europa und Nordamerika zunehmend die Stückkosten in den Mittelpunkt. Entscheidend sei dort nicht allein die Anschaffung einer Anlage, sondern vor allem die langfristige Prozessstabilität und die Qualität über die gesamte Lebensdauer. Kunden erwarteten skalierbare Automatisierungskonzepte, bei denen Software, Datenintegration und KI-gestützte Prozessüberwachung eine zentrale Rolle spielten – mit dem Ziel, Schwankungen frühzeitig zu erkennen und Ausschuss zu minimieren.

Für die nächsten fünf Jahre zeichnet Gasiorek ein klares Bild: Die Batterieproduktion werde deutlich stärker industrialisiert sein als heute. Der Wettbewerb in der Packmontage entscheide sich vor allem anhand der Geschwindigkeit und Stabilität beim Hochlauf neuer Produkte. „Wer neue Produkte nicht schnell und reproduzierbar in die Serienfertigung bringt, verliert“, so Gasiorek. Für Anlagenbauer bedeute das: modulare Konzepte, kurze Hochlaufzeiten und maximale Prozessstabilität.

Europa holt auf – aber Prozessexperten fehlen

Die Entwicklung in Europa und den USA bewertet Gasiorek grundsätzlich positiv. Beide Regionen verfügten über starke industrielle Grundlagen, die bei konsequenter Industrialisierung zu einer stabileren Marktbalance führen könnten. Gleichzeitig benennt er eine strukturelle Schwachstelle: Außerhalb der Automobilindustrie herrsche in der Packmontage noch ein hoher manueller Arbeitsanteil, vollautomatisierte Fertigung sei die Ausnahme. Hinzu komme ein Mangel an Prozessexpert:innen für die Packmontage in Europa.

Ein bemerkenswerter Trend sei die Rückverlagerung von Batteriepacks-Montagen aus Asien nach Europa – vorwiegend nach Osteuropa. Unternehmen erkennten zunehmend, dass reine Kostenvorteile nicht ausreichten. Themen wie Prozessbeherrschung, Qualitätsstabilität und Lieferkettenrisiken gewännen an Gewicht. Die aktuelle weltpolitische Lage verschärfe diese Verunsicherung zusätzlich.

Mit wachsenden Zellformaten steigen laut Gasiorek auch die Anforderungen an Handhabung, Präzision und Prozesskräfte erheblich. Toleranzen würden enger, während Fehler teurer kämen. Das wirtschaftliche Risiko pro Bauteil erhöhe sich, da Ausschuss und Nacharbeit direkt auf die Stückkosten durchschlügen. Manuelle Prozesse stoßen bei größeren und schwereren Zellen an ihre Grenzen – der Automatisierungsbedarf steige entsprechend.

Co-Creation als Kern der Innovationsstrategie

Den eigenen Innovationsansatz von Bahmüller beschreibt Gasiorek entlang zweier Achsen: Co-Creation mit Kunden und tiefe Prozessintegration. Viele Kunden kämen mit einem fertigen Produktdesign, das noch nicht vollständig auf automatisierte Serienfertigung ausgelegt sei. In solchen Fällen entwickle Bahmüller gemeinsam mit ihnen fertigungsgerechte Lösungen – etwa durch Anpassung von Toleranzen oder Austausch von Zellverbindern, die sich nur schwer automatisiert verarbeiten ließen.

Auf der Prozessseite kombiniere Bahmüller verschiedene thermische Fügeverfahren – darunter Widerstands-, Laser- oder Micro-Arc-Schweißen – mit kontinuierlicher Prozessüberwachung durch Impedanzmessungen und lückenloser Traceability jeder einzelnen Zelle. Die Kombination aus Mechanik, Prozess-Know-how und Softwareintegration sei es, die Kunden als zentralen Mehrwert wahrnähmen.

Die übergeordnete Einschätzung, mit der Gasiorek das Interview abschließt, fällt präzise aus: Die Batterie-Pack-Produktion durchlaufe gerade den Übergang von der Innovationsphase zur industriellen Reife. Bahmüller verstehe sich dabei als Technologiepartner – mit dem Anspruch, Produktionsprozesse skalierbar, stabil und wirtschaftlich zu gestalten.

Quelle: Battery-News – „Toleranzen werden kleiner – und Fehler deutlich teurer“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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