Autovermietung UFO Drive: Nur Elektroautos, nur per App

Autovermietung UFO Drive: Nur Elektroautos, nur per App
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UFO Drive

Dirk Kunde
Dirk Kunde
  —  Lesedauer 5 min

Wenn es weht tut, entstehen die besten Ideen. Der irische Geschäftsmann Aidan McClean nutzt auf seinen Reisen regelmäßig Mietwagen, die er an Flughäfen anmietet. Natürlich nervt ihn das Schlange stehen am Schalter, dass der Mitarbeiter des Vermieters Daten in den Rechner eingibt, die er zuvor bei der Online-Buchung bereits eingegeben hat, dass man nicht das Auto bekommt, das man reserviert hat und man ihm Zusatzversicherungen aufschwatzt.

Daran hat sich McClean längst gewöhnt, doch im Frühjahr 2017 steht er eine geschlagene Stunde am Wiener Flughafen, bis er endlich den Schlüssel für den Mietwagen in der Hand hält. Später, nach der Rückgabe, erhält er eine Abrechnung, die teuer ausfällt, als zuvor vereinbart. Wütend nutzt er seine Flugzeit, um eine Liste mit zehn Punkten zu schreiben, was ihn an Autovermietern nervt.

Zu den bereits genannten Dingen kommen noch der Papierkram am Schalter als auch bei der Fahrzeuginspektion, unterschiedliche Tankregelungen und eine langwierige Schlüsselrückgabe, wenn man eigentlich zum Gate für den Heimflug eilen möchte. Zuhause in Luxemburg wird aus der Liste ein Businessplan. Seine Freundin liest den und stellt eine Frage: „Wie soll die Autovermietung heißen?“ McCleans antwortet: „Weiß noch nicht, aber es wird eine Kundenerfahrung, die ist nicht von dieser Welt.“ „Also wie ein UFO“, antwortet seine Freundin. Aus der spontanen Aussage wird der Name UFO Drive.

UFO Drive

Heute betreibt die Autovermietung 16 Stationen in acht Ländern. Elf davon liegen in Innenstädten, fünf an Flughäfen. In Deutschland ist UFO Drive bislang in Berlin, Hamburg und Köln vertreten. Die Expansion geht zügig voran. Hatte McClean zunächst dem Model S und Model 3 von Tesla begonnen, gibt es inzwischen Audi e-tron, Jaguar I-Pace, Hyundai Kona und Nissan Leaf im Angebot. Porsche Taycan, Tesla Roadster und der VW ID.3 sind bereits bestellt. McClean setzt zu hundert Prozent auf Elektromobilität. „Mir geht es um abgasfreie Mobilität“, sagt McClean. Neben dem Klimaschutz nennt er praktische Gründe. Spätestens ab 2030 rechnet er mit Einfahrverboten in einigen europäische Metropolen als auch ersten Zulassungsverboten für Verbrenner.

Laden inklusive

Preislich liegt UFO Drive etwas über den klassischen Autovermietern, was bei höheren Anschaffungskosten der Elektroautos kaum überrascht. Im Gegenzug gibt es keine preislichen Überraschungen und einige Vereinfachungen: Bis zu drei Fahrer sind im Mietpreis inklusive. Laden kostet nichts extra, weder unterwegs noch an den Leihstationen, die UFO Drive „Bays“ nennt. Im 24-Stunden-Tarif sind 200 km Fahrleistung enthalten, jeder Mehrkilometer kostet 20 Cent. Eine Vollkaskoversicherung mit 1.000 Euro Selbstbeteiligung ist inklusive. Die Selbstbeteiligung lässt sich für 24 Euro pro Tag auf Null reduzieren. Das war´s, keine weiteren Versicherungsoptionen. Für preissensible Kunden gibt es „Überraschungs-Fahrzeuge“. Dann erhält man ein Elektroauto, das zum Mietzeitpunkt gerade frei ist. Diese Flexibilität belohnt UFO Drive mit einer günstigeren Tagesrate.

Alles per App

Doch der größte Vorteil des Autovermieters lautet: Der gesamte Mietprozess erfolgt in einer Smartphone-App. Von der Registrierung über die Buchung bis zur Ausleihe und dem Fahren, wird alles per App abgewickelt. Kein Anstehen am Schalter, keine Schlüsselübergabe, kein Papierkram. Aidan McLean und sein Team haben es geschafft, für jedes Land die regulatorischen Vorgaben des Identitätsnachweises zu digitalisieren. Mit Fotos von Führerschein, Personalausweis sowie einem Selfie schaltet man sich als Mieter in der App frei. Man sucht sich dann je nach Standort sein Wunschfahrzeug aus. Dabei kann man sicher sein, genau dieses Modell zu erhalten.

Am Miettag leiten ein Video oder eine Foto-Galerie den Mieter zum Fahrzeug im Parkhaus. Den Mietvorgang starten als auch das Aufschließen des Fahrzeugs erfolgt per App. Die Routenplanung erledigt man bestenfalls auch mit der UFO-Drive App, dann werden notwendige Ladestopps eingeplant. Die angezeigten  Ladepunkte aktiviert man – natürlich auch – per App. Ausnahme Tesla: Hier kann man die Routenplanung auf dem eingebauten Touchdisplay nutzen. Ladestopps am Supercharger werden einkalkuliert. Model S und 3 laden, sobald der Stecker im Fahrzeug steckt. Einfacher geht es nicht.

Auch die Rückgabe wickelt der Mieter per App. Falls Schäden am Fahrzeug entstanden sind, dokumentiert man sie mit einem Foto. Danach durchläuft man eine Checkliste, die einen an alles erinnert, wie beispielsweise das Löschen des Spotify-Kontos im Tesla oder das Laden des Fahrzeugs. An jeder „Bay“ gibt es Ladestecker.

Elektroautos als Energiespeicher

An seiner Innenstadt-Bay in Berlin kooperiert die Autovermietung mit dem Parkhausbetreiber Apcoa und dem Energieversorger Innogy. In dem Parkhaus unter der Mall of Berlin stehen reservierte Parkplätze und Ladeanschlüsse bereit. Innogy liefert grünen Strom. Bereits heute dienen die Elektroautos als Speicher für überschüssigen Grünstrom. Denkt man das Modell weiter, könnten die Mietwagen mit ihren langen Standzeiten als Energiepuffer in beide Richtungen dienen. Man kann in ihnen Energie zwischenspeichern und wieder entnehmen, sobald die technischen Hürden für bidirektionalen Laden genommen sind. Für diese Dienstleistung würden Energieversorger sogar bezahlen. Eine weitere Einnahmequelle von UFO Drive ist die eigenentwickelte Software. Unter dem Namen UFO Drive Mobility Solutions verkauft das Luxemburger Unternehmen sein Programm als Whitelabel-Lösung. Einer der ersten Kunden für die Software-as-a-Service ist der Luxemburger Car-Sharer Moovee.

Wer glaubt UFO Drive werde nur von Geschäftsreisenden genutzt, täuscht sich. „Fast ein Drittel unserer Kunden sind Stadtbewohner ohne eigenes Auto“, sagt McClean. Die nutzen Shared Mobility-Angebote für die kurzen Strecken und mieten für längere Fahrten bei uns, weil es einfach und sauber ist. Während der Corona-Pandemie erlebten Autoverleiher und Car Sharer einen Umsatzeinbruch. UFO Drive verzeichnete dagegen einen Kundenzuwachs von elf Prozent in den letzten drei Monaten. Es gibt keinen Kontakt bei einer Schlüsselübergabe, die Fahrzeuge werden nach jeder Anmietung gereinigt und zur Sicherheit liegt ein frisches Desinfektionstuch in der Mittelkonsole bereit.

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Dirk

Dirk

Dirk Kunde beschäftigt sich mit dem Wandel der Mobilitäts- und Energiebranche. Neben neuer Antriebstechnik und Vernetzung im Fahrzeug, bringt die Verknüpfung mit dem Energiesektor große Umbrüche. Bei seinen Praxistests hat der Diplom-Volkswirt stets ein Auge auf die wirtschaftlichen Aspekte. Ein Lächeln ins Gesicht zaubert dem technikverliebten Journalisten jede vernetzte Anwendung im Auto oder als App, die Mobilität komfortabler macht.

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