Autoexperte Dudenhöffer: Verbrenner-Verbot ab 2035 „goldrichtig“

Autoexperte Dudenhöffer: Verbrenner-Verbot ab 2035 „goldrichtig“
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Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Goldrichtig. Großes Kompliment. Chapeau“, sagt der renommierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer über die Entscheidung des EU-Parlaments, von 2035 an den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor verbieten zu wollen. „Die Entscheidung bewirkt, dass die Branche nun endlich mehr Planungssicherheit erhält“, erklärte Dudenhöffer in einem Interview mit der Börsen-Zeitung, in dem er auch über einige weitere aktuelle Tendenzen in der Automobilbranche sprach.

Die Autobauer leben gerade wie in einem Hollywood-Film. Sie verkaufen ihre Autos zu Höchstpreisen. Es gibt derzeit keine Nachlässe“, so Dudenhöffer weiter. „Operative Umsatzrenditen von weniger als 10 Prozent gelten derzeit als schlecht“, sagt er, da ein begrenztes Angebot auf eine hohe Nachfrage stoße.

Angesichts der Erfolge von E-Auto-Branchenprimus Tesla geraten deutsche Autohersteller immer mehr unter Zugzwang, findet der Autoexperte. „BMW ist in der neuen Autowelt nicht das Maß der Dinge“, so Dudenhöffer. Die „Technologieoffenheit, wie sie BMW-Chef Oliver Zipse propagiert, bedeutet nichts anderes, als Angst zu haben vor der Zukunft“, lautet sein Urteil. Mit dieser Haltung erreiche man keine Skalierungs- und Kostenvorteile.

VW-Chef Herbert Diess hingegen, der voll auf die reine E-Mobilität setzt, gehe „den richtigen Weg“. Das E-Auto sei rein vom Antrieb her aber „eine kleine Übung“, die weitaus größere Herausforderung sei das softwarebasierte autonome Fahren, sagt Dudenhöffer. VW geht diese mit dem Betriebssystem Cariad für autonomes Fahren an. „Wenn VW das erfolgreich umsetzt, hätte Diess viel erreicht. Diese Strategie ist die einzige, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen“, sagt Dudenhöffer. Hinzu komme bei Volkswagen „das Thema eigene Batteriefabriken und Schnellladesysteme“. Hier sei der Hersteller „konzeptuell ebenfalls auf dem richtigen Weg“.

Mercedes-Benz, unter seinem Chef Ola Källenius, gehe einen ähnlichen Weg wie VW, mache aber „einen Fehler“, sagt Dudenhöffer, da der Hersteller die Kompaktklasse vernachlässige: „Er wirft alles raus, was nicht so chic und brillant ist und setzt stattdessen noch mehr auf Luxus“. Damit vergraule „Källenius jene Stammkunden, die Mercedes-Benz bislang die Treue hielten, und er verliert die Scales bei Software“, urteilt Dudenhöffer.

Quelle: Börsen-Zeitung – „VW-Chef Herbert Diess geht den richtigen Weg“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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