Autobauer wollen Gehälter kürzen und Arbeitszeit verlängern

Autobauer wollen Gehälter kürzen und Arbeitszeit verlängern
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Volkswagen

Arun Niemann
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Zur nächsten Tarifrunde im Herbst bahnt sich offenbar eine harte Auseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie an. Viele deutsche Autobauer wollen Arbeitszeiten wieder verlängern und Sonderzahlungen streichen, während die Beschäftigten auf den für die Branche typischen Privilegien beharren und weder Gehaltskürzungen noch Arbeitszeitverlängerungen hinnehmen wollen.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen die Beschäftigten bei Deutschlands Autobauern derzeit im Schnitt 92.893 Euro brutto pro Jahr. Damit liegen sie 44 Prozent über dem Durchschnitt von 64.441 Euro. Laut dem IAB-Arbeitsmarktexperten Enzo Weber kann dies vor allem auf den hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad und die hohe Produktivität der Branche zurückgeführt werden.

Leitet man die Durchschnittsgehälter der Beschäftigten grob aus den Geschäftsberichten der Konzerne ab, kommt man bei VW auf ein Durchschnittsgehalt von 65.000 Euro, bei BMW sind es knapp 82.000 Euro, bei Mercedes rund 89.000 Euro und bei Porsche sogar über 100.000 Euro brutto. Über 200 der bei Porsche beschäftigten Mitarbeiter kommen demnach sogar auf Gehälter von mehr als 300.000 Euro pro Jahr. Dabei hängt die vor allem im Raum Stuttgart überdurchschnittliche Vergütung auch mit dem Entwicklungszentrum Weissach zusammen, in dem von Porsche im Rahmen der E-Mobilitäts-Transformation viele „teure“ Entwickler eingestellt wurden.

Das Entgeltsystem wird von VW derzeit so stark überarbeitet wie seit Jahrzehnten nicht mehr und Beschäftigte werden neu eingruppiert. Gleichzeitig sollen Tarifzahlungen um sechs Prozent sinken, wovon vor allem die künftigen Neueinstellungen betroffen wären. Zudem will VW Bonuszahlungen für das Management in Zukunft stärker an individuelle Leistungen koppeln.

Sonderzahlungen und freie Tage stehen zur Debatte

Bei Mercedes haben Tarifbeschäftigte 2025 laut internen Unterlagen sechs unterschiedliche Sonderzahlungen wie beispielsweise eine Gewinnbeteiligung im April und Urlaubsgeld im Mai erhalten. Von diesen Sonderzahlungen könnten in Zukunft jedoch einige wegfallen. So hat der Autobauer bereits die Auszahlung des „Trafobausteins“ gestoppt, welcher 18,4 Prozent eines Monatsgehalts ausmacht.

Bei VW sieht es ganz ähnlich aus: Hier wird die T-ZUV-Zusatzvergütung derzeit nicht ausgezahlt, und auch Teile der Ergebnisbeteiligung sowie das erhöhte Urlaubsentgelt sind bereits reduziert oder ausgesetzt. Auch die zuletzt vereinbarte Tariferhöhung von 5,5 Prozent wird bis 2030 nicht ausgezahlt. Bei BMW und Porsche wurde derweil unter anderem das Weihnachtsgeld gekürzt. Allerdings konnte für Porsche-Mitarbeiter am Fließband zumindest die sogenannte „Steinkühlerpause“ verteidigt werden, welche sich aus fünf Minuten Erholung plus drei Minuten Toilettenpause pro Stunde zusammensetzt.

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche?

Inklusive Überstunden arbeiten die Beschäftigten bei deutschen Autobauern laut Statistischem Bundesamt aktuell 36,9 Stunden pro Woche. Mit seiner Forderung nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche hat Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller nun jedoch eine Debatte über eine Erhöhung der Arbeitszeit bei gleichem Gehalt losgetreten. In der Branche ist seit 1995 eine 35-Stunden-Woche üblich.

Der IAB-Experte Weber hält dies für den falschen Ansatz. Schließlich seien es nicht die zu hohen Lohnkosten, sondern vor allem der Mangel an Innovation, welcher die deutsche Autoindustrie aktuell immer weiter zurückfallen lasse. Zudem verringere sich der Lohnabstand zum EU-Ausland ohnehin schon. Gleichzeitig verweist die IG Metall darauf, dass Lohnkosten nur 10,7 Prozent der Gesamtkosten der Branche ausmachen würden und es dementsprechend genug andere Stellen gebe, an denen zuerst gespart werden könne. Außerdem würde man Arbeitsplätze vernichten, wenn man in der aktuellen Auftragskrise auch noch anfängt die Arbeitszeiten zu erhöhen.

Immer weniger Beschäftigte in einer der wichtigsten Branchen

Die Zahl der Beschäftigten bei Autobauern und Zulieferern in Deutschland hat sich seit dem Höchststand von 2018 mit 833.000 Menschen bereits um 17 Prozent auf 691.000 Beschäftigte verringert. Dieser Abwärtstrend wird sich in den kommenden Jahren jedoch möglicherweise sogar noch intensivieren. Bei VW wird schließlich bereits über eine Verdopplung der laufenden Stellenkürzungen auf insgesamt 50.000 Arbeitsplätze diskutiert und auch bei BMW sollen Insidern zufolge noch einmal 8000 Stellen wegfallen.

Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat die IG Metall für den 21. September bereits zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. Gleichzeitig wird vor einem „Ausbluten der Branche in Deutschland“ gewarnt. Die wirtschaftliche Relevanz wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Autoindustrie rund vier Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung in Deutschland ausmacht.

Quelle: Handelsblatt – Autoarbeiter bekommen 44 Prozent mehr Gehalt als der Schnitt

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Arun Niemann

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Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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