Autokrise setzt Entwicklungsdienstleister unter Druck

Autokrise setzt Entwicklungsdienstleister unter Druck
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Stellantis

Arun Niemann
Arun Niemann
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Die deutsche Automobilindustrie steckt tief in der Krise, und der rückläufige Absatz sowie die immer engeren Margen wirken sich auch auf Dienstleister im Hintergrund aus. Vor allem Entwicklungsdienstleister wie Bertrandt oder die VW-Tochter IAV geraten jetzt unter Druck, da immer weniger Aufträge mit immer größerem Preisdruck vergeben werden und viele Hersteller Aufgaben wieder intern abwickeln wollen, wie die FAZ berichtet.

Dabei spricht der IAV-Chef Jörg Astalosch inzwischen von einer „Globalisierung des Engineerings“, nachdem die Sektoren der Beschaffung und der Produktion diese Entwicklung bereits durchlaufen haben. Dadurch müssten Unternehmen wie IAV jetzt international wettbewerbsfähig werden.

Beim Unternehmen Bertrandt stand demnach in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 ein Vorsteuerverlust von 28,9 Millionen Euro zu Buche und der Personalabbau ist in vollem Gange. Von einem Höchststand von 14.500 Mitarbeitern im März 2024 ist die Zahl der Beschäftigten bis Ende Juni bereits auf 11.537 gesenkt worden. Vor allem an den Standorten Tappenbeck und Nufringen wurden Stellen gestrichen.

Der Finanzvorstand des Unternehmens Markus Ruf spricht von einem „insbesondere in der Automobilindustrie anspruchsvoll und von hoher Volatilität geprägten“ Marktumfeld. Das Umdenken in der Branche sei laut Astalosch vor allem durch den mit Corona verbundenen „Aha-Effekt“ losgetreten worden. Dort habe sich schließlich gezeigt, dass auch Engineering standortübergreifend organisierbar ist. Inzwischen sind Aufträge vor allem softwaregetrieben und stehen dabei unter hohem Kosten- und Automatisierungsdruck.

Konkrete Zahlen zum Stellenabbau bei IAV

Neben Bertrandt ist auch die VW-Tochter IAV dabei, Stellen zu kürzen, um Kosten zu sparen. Die Belegschaft soll bis Ende 2027 an allen deutschen Standorten von 5000 auf 2970 Beschäftigte verschlankt werden. Dabei handele es sich Astalosch zufolge um eine „Strukturkorrektur“, die das Ziel verfolge, auch in zehn Jahren noch mit rund 3000 hochqualifizierten Arbeitsplätzen in Deutschland entwickeln zu können.

IAV hatte früheren Berichten zufolge bereits im Sommer 2025 Finanzierungsschwierigkeiten. Zwar gab es seitens IT-Investoren Interesse am Unternehmen, jedoch wurden für weitere Investitionen finanzielle Garantien und Restrukturierungskonzepte gefordert, die bis dahin noch nicht vorgelegt werden konnten. 2024 lag der Umsatz des Unternehmens zwar noch bei 888 Millionen Euro, doch für 2025 wird mit einem klaren Rückgang gerechnet.

Darum sind immer weniger Entwicklungsaufträge nötig

Für deutsche Entwicklungsunternehmen gibt es laut dem PwC-Autofachmann Harald Wimmer vor allem ein strukturelles Problem: Die chinesische Konkurrenz und Tesla haben in den letzten Jahren bewiesen, „dass Variantenvielfalt nicht unbedingt sein muss“. Deshalb seien inzwischen immer weniger Entwicklungsdienstleistungen nötig. Gleichzeitig wächst auch der E-Auto-Anteil am Markt. Bei elektrischen Fahrzeugen ist der Antriebsstrang viel einfacher aufgebaut, weshalb ein erheblicher Teil des mechanischen Entwicklungsaufwands wegfalle.

Herbert Rehm ist IG-Metall-Branchenbeauftragter und hält die Lage sogar für „hochgradig kritisch“, da man in so großem Maße von der Autoindustrie abhängig sei. Rahmenverträge würden von Auftraggebern demnach immer seltener abgerufen und die Entwicklung zunehmend in „Best Cost“-Länder wie Indien ausgelagert. Teilweise würden derartige Billigstrategien sogar vertraglich vorgegeben, „womit den Auftraggebern die Arbeit nicht einmal der deutsche Mindestlohn wert ist“.

Sowohl Bertrandt, als auch VWs IAV und andere Dienstleister wie die börsennotierte Edag Engineering Group versuchen nun mit Hochdruck, neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich von der Automobilindustrie unabhängiger zu machen. Dabei rücken unter anderem die Branchen der Medizintechnik und Verteidigung in den Fokus.

Die prekäre Situation von IAV und Co zeigt klar auf, dass die Autokrise in Deutschland längst auch die vorgelagerte Wertschöpfungskette erreicht hat und weit mehr Unternehmen als nur die Hersteller betroffen sind. Bei Zulieferern sank die Beschäftigung zum Ende des ersten Halbjahres 2026 beispielsweise um 7,6 Prozent, während der Rückgang bei den Herstellern „nur“ 6,1 Prozent betrug. Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs sei laut CAM-Studienleiter Stefan Bratzel klar auf die verschlechterte Wettbewerbsposition des Standorts Deutschland zurückzuführen.

Quellen: FAZ – Wie die Autokrise die Entwickler trifft / CAM – Pressemitteilung

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Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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