Ausblick auf die IAA Transportation 2022 in Hannover

Ausblick auf die IAA Transportation 2022 in Hannover
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MAN

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Während die meisten anderen Automessen darben, sieht das auf der Nutzfahrzeug IAA, die diesmal die internationale Bezeichnung IAA Transportation 2022 trägt, ganz anders aus. Auch wenn die Wirtschaft schwächelt, ist die Nachfrage nach der Leistungsschau in Hannover größer denn je. Nächste Woche geht es los.

Die Branche der Nutzfahrzeuge ist so etwas wie der aktuelle Gradmesser der Wirtschaft. Das scheint diesmal leicht zu haken, wenn während die Wirtschaftsaussichten für die kommende Monate ebenso düster aussehen wie die Inflationsrate, sieht man im Vorfeld der Nutzfahrzeug IAA bevorzugt entspannte Gesichter. Die Messehallen sind gut gebucht und so blickt auch der VDA als Veranstalter lässiger als erwartet in die Hauptstadt von Niedersachsen.

Dabei ist die Transformation, die der Nutzfahrzeugbranche bevorsteht, kaum kleiner als die der Pkw. Hier haben sich viele Messen längst ins Jenseits verabschiedet. Jüngst zogen die Verantwortlichen die Reißleine für die kommende Frühlingsmesse in Genf – wieder einmal. Die diese Woche stattfindende North American International Autoshow in Detroit ist ohne jede internationale Bedeutung nur noch ein trauriger Schatten vergangener Jahrzehnte.

Die Themen auf der 2022er IAA Transportation sind kaum andere als die, die die Auto- und Mobilitätsbranche in sich trägt. Es geht in erster Linie um Nachhaltigkeit, Fahrerassistenzsysteme, Elektromobilität und einen branchenspezifisch besonders kritischen Blick auf die Kostenstrukturen. Denn Emotionen spielen bei den Nutzfahrzeugen keine Rolle – es geht um TCO – total costs of ownership. Nicht mehr und niemals weniger.

Längst ist die Elektromobilität auch in der Nutzfahrzeugbranche abgekommen. So gibt es kaum einen der großen Hersteller von Vans, Transportern oder Lastwagen, der auf der Hannoveraner Messe kein Elektromodell vorstellt. Das Thema Digitalisierung ist daneben wichtiger denn je, denn der Fahrer nebst Fahrzeug ist im Laufe der Jahre zu einem gläsernen Kalkulationsposten geworden, der mit maximaler Effizienz seine Arbeit erledigen soll. Dabei ist es unbeachtlich, ob er Pakete ausfährt, Auflieger belädt oder die Routen der kommenden Woche plant.

Dabei wird der Arbeitsplatz des Fahrers hinter dem Lenkrad nicht nur bequemer als je zuvor, sondern eben auch eingebunden in ein digitales Netzwerk – um die Schicht angenehmer zu machen und die Arbeitsleistung zu maximieren. Das geht besonders einfach mit modernster Technik und der gewünschten Nachhaltigkeit. So werden Busse in den kommenden Jahren zumindest in den Innenstädten zunehmend rein elektrisch unterwegs sein. Selbst auf mittleren Strecken sind Laster mit Elektromotoren die nahe Zukunft, während der Schwerlastverkehr nach wie vor ein wachsames Auge auf der Brennstoffzelle hat.

Cummins, einer der führenden Hersteller von Antriebstechnik, präsentiert auf der Messe einen 12-Tonnen-Lkw vom Typ Mercedes Atego, der mit einem Cummins B6.7H Wasserstoff-Verbrennungsmotor angetrieben wird. Zusammen mit den Truckexperten der EDAG Group hat Cummins die Antriebsstrang- und Tanksystemintegration verwirklicht.Wasserstoffmotoren können speziell bei Nutzfahrzeugen und mobilen Arbeitsmaschinen einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen des kohlenstofffreien Ziels leisten,“ erklärt Jim Nebergall, General Manager Hydrogen Engines bei Cummins.

Hersteller wie MAN zeigen auf der IAA Transportation elektrische Lastwagen, die mit 800 Kilometern rein elektrischer Reichweite ein Thema für lange Distanzen sind. Auch von Daimler Trucks wird eine elektrische Zugmaschine erwartet. Doch nicht Daimler Trucks, sondern Mercedes Vans machte noch vor der Nutzfahrzeugmesse in Hannover mit einer ungewöhnlichen Nachricht auf sich aufmerksam. Die Schwaben planen eine Kooperation mit dem amerikanischen Start-Up Rivian. Gemeinsam wollen beide Marken in einem Mercedes-Werk elektrische Lieferwagen fertigen.

Lieferwagen sind auch eines der zentralen Geschäftszweige von Ford. Seine Messepremiere feiert nicht nur der neue Ranger Pick-Up, der aus Südafrika nach Europa kommt und in einer engen Kooperation mit VW entwickelt wurde. Bei VW heißt der vermeintliche Ranger mit gleicher Technik und unterschiedlichem Design erneut Amarok. Wichtiger dürfte Ford jedoch der neue E-Transit Custom sein, der in rund einem Jahr auf die internationalen Märkte surren soll. Der Transit Custom, wahlweise mit 100 oder 160 Kilowatt Leistung zu bekommen, ist als Eintonner aktuell der meistverkaufte Lieferwagen in Europa. Die Elektroversion, produziert in der Türkei, hat eine Nutzlast von 1,1 Tonnen und schafft mit einer Akkuladung 380 Kilometer.

Den kontert Volkswagen, mittlerweile Kooperationspartner von Ford, mit dem VW ID Buzz Cargo, der gerade als cooler Citylieferwagen punkten soll. Zunächst gibt es den Cargo mit einem 150 kW / 204 PS starken Heckantrieb. Weitere Versionen und Batteriepakete werden folgen. Und wer nicht komplett elektrisch fahren möchte, kann sich auf der Nutzfahrzeugmesse die Plug-in-Version des VW T7 Transporters anschauen, der mit einem ähnlichen Antriebsmodul wie VW Tiguan oder Golf unterwegs sind. Später kommt der PHEV als mit Allradantrieb. Ebenfalls zu sehen: der Ford-Ranger-Zwilling des VW Amarok.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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