Für kleine Sportwagenmarken ist der Wechsel auf eine neue Plattform ein besonders heikler Moment. Ein misslungener Start lässt sich kaum über Volumen auffangen, und gleichzeitig verlangen Märkte und Regulierung nach Antworten, die nicht immer in dieselbe Richtung weisen. Alpine steht genau an diesem Punkt: Der Verbrenner-A110 ist aus der Produktion genommen, sein elektrischer Nachfolger noch nicht auf der Straße, und mit Nordamerika rückt ein Markt ins Blickfeld, der eigene Antriebsfragen aufwirft.
Wie die Marke diese Phase angeht, hat Philippe Krief im Gespräch mit Automotive News Europe dargelegt. Als CEO verantwortet er eine Sportwagenmarke, die seit ihrem Neustart 2017 nach seinen Angaben auf knapp 50.000 Kund:innen kommt. Seine Prioritäten sind klar gesetzt, und sie haben mit Geduld mehr zu tun als mit Tempo.
Auf dem Pariser Autosalon zeigte Alpine mit dem A310 Vision eine Studie, die Spekulationen über ein weiteres Modell auslöste. Krief ordnet sie nüchtern ein: Es handle sich „lediglich um eine Demonstration der Flexibilität unserer neuen Alpine Performance Platform (APP) und eine Designstudie“. Ein konkretes Projekt stehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht dahinter.
Bemerkenswert ist vor allem, was die Plattform inzwischen leisten kann. Ursprünglich ausschließlich für Elektroautos entwickelt, wurde die APP so erweitert, dass sie auch einen Verbrennungsmotor aufnehmen kann. „Die Plattform wurde so entwickelt, dass sie eine Mittelmotoranordnung im Heck unterstützt“, erklärt Krief. Dafür habe man die hintere Spurweite nur minimal verbreitern müssen.
Wann ein solches Modell kommt, ist allerdings offen. „Das haben wir noch nicht entschieden, weil unsere aktuelle Priorität der Nachfolger des A110 ist, der als batterieelektrisches Auto auf den Markt kommt“, so der Alpine-Chef. Relevant werden könnte ein Verbrenner erst mit der Zeit, wenn Alpine den Eintritt in den nordamerikanischen Markt angeht, beginnend mit Kanada.
Horse hat derzeit nichts Passendes im Regal
Auch die Frage nach dem Motorlieferanten bleibt vorerst unbeantwortet. Bei Horse Powertrain gebe es „im Moment nichts, das unsere Anforderungen erfüllt“, sagt Krief. Das Unternehmen arbeite allerdings an neuen Motoren, die für Alpine infrage kommen könnten. Andernfalls werde man sich anderweitig umsehen. „Aber ehrlich gesagt steht das nicht ganz oben auf meiner Agenda.“
Ganz oben steht der Start des neuen A110, und zwar erst dann, wenn er bereit und ausgereift ist. „Denn er muss perfekt sein“, unterstreicht Krief und begründet das mit der besonderen Rolle des Erstlings: „Das erste Auto auf einer neuen Plattform ist immer die kritischste Markteinführung.“
Wie groß der Schritt ist, verdeutlicht Krief mit einer Zahl. „Vergessen Sie nicht, dass 95 Prozent der Teile am nächsten A110 Coupé neu sind.“ Beim zweiten Modell, dem A110 Spider, werde der Anteil neuer Teile nur noch bei rund 30 Prozent liegen. Habe das erste Auto die erforderliche Reife erreicht, kämen die folgenden Modelle deutlich reibungsloser.
„Deshalb habe ich keine Eile“, so der Alpine-Chef. Der neue A110 könne im kommenden Jahr erscheinen, oder etwas später, falls das Projekt noch nicht perfekt sei. Die Lücke beim bisherigen Modell nimmt Alpine dafür in Kauf. Seit Juni wird der A110 mit Verbrennungsmotor nicht mehr gebaut. Ihn an die aktuellen Cybersecurity-Vorschriften anzupassen, hätte nach Kriefs Worten eine erhebliche Investition erfordert, während der für die Kundschaft spürbare Mehrwert gering geblieben wäre. Zudem gebe es „noch einige Benziner-A110 im Händlerbestand, die die Lücke überbrücken können“.
Stoffdach statt Hardtop für Spider und Cabrio
Am grundsätzlichen Produktplan hält Alpine fest. Auf das A110 Coupé folgen der Spider sowie ein 2+2-Sitzer als Coupé und Cabriolet, alle bis 2030. Bei den Modellen nach dem ersten Auto seien Anpassungen möglich. Eindeutig fällt die Antwort zur Dachfrage aus: Spider und Cabriolet erhalten „definitiv Stoffdächer“.
Gelassen zeigt sich Krief beim A390, von dem bis Ende September weniger als 1800 Exemplare verkauft wurden. Beunruhigen würde ihn das „nicht wirklich“. „Jeder A390-Verkauf ist für uns ein Eroberungsverkauf“, sagt er. Europaweit nimmt Alpine seit September auch Bestellungen für den A390 GTS mit 345 kW (470 PS) an, vorher war ausschließlich die GT-Version mit 295 kW (400 PS) erhältlich. Mit dem vollständigen Angebot sollten die Zulassungen nun zulegen.
Druck, die Stückzahlen zu maximieren, verspürt er nicht. „Ich will die Restwerte nicht beschädigen“, erklärt Krief. Hinzu kommt die vollständige Flexibilität im Werk Dieppe, wo sich die Produktion frei zwischen dem A390 und dem Kleinwagen A290 verteilen lässt.
Knapp 50.000 Kund:innen und der Blick nach Kanada
Die Kundenbasis seit dem Neustart beziffert Krief zum Ende September auf annähernd 50.000 Personen. Vom A110 wurden mehr als 28.000 Einheiten gebaut. Die Zahl der einzelnen Käufer:innen liegt allerdings etwas niedriger, da manche zwei oder drei Autos erworben und alle behalten haben. Der A290 kommt auf fast 20.000 Kund:innen, beim A390 sind es rund 2000.
Außerhalb Europas ist die Marke derzeit in Japan und Singapur vertreten. Langfristig richtet sich der Blick, wie Krief bereits angedeutet hat, auf Nordamerika, zunächst auf Kanada. Ob dort dann auch ein Alpine mit Verbrennungsmotor auf Basis der APP an den Start geht, ist bislang nicht entschieden.
Quelle: Automotive News Europe – Alpine CEO Philippe Krief on new, electric A110: ‘It has to be perfect’







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