Depotladen ist zentral für den Erfolg der Antriebswende bei Lkw

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Der regionale Lkw-Verkehr in Deutschland könnte schnell zu großen Teilen elektrifiziert werden, indem Ladeinfrastruktur in Logistikdepots aufgebaut wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Öko-Institut und Fraunhofer ISI im Auftrag von T&E (englisch, verlinkt als PDF). Die technischen Grundlagen für die Elektrifizierung von Depots seien vorhanden, ihre Wirkung für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors groß. Auch der E-Lkw-Fernverkehr würde profitieren.

87 Prozent aller Lkw-Fahrten in Deutschland finden im regionalen Verkehr (maximal 150 km/Fahrt) statt. Das sind insgesamt über drei der sieben Milliarden Kilometer, die pro Jahr auf deutschen Straßen von Lkw zurückgelegt werden. Damit haben regionale Lkw-Fahrten eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, CO2-Emissionen im Verkehr zu senken. Sie könnten nahezu vollständig durch Elektro-Lkw und das Laden im Depot elektrifiziert werden, so die Studienautoren des Fraunhofer ISI und des Öko-Instituts.

„Wenn die neue Bundesregierung schnell Emissionen im Verkehrssektor senken will, darf sie Lkw nicht übersehen. Sie sind ein Hebel mit großer Wirkung. Die Technik ist schon heute da – jetzt braucht es Tempo beim Ausbau der Depot-Ladeinfrastruktur“, so Nanne Richardsen, Referentin für Infrastruktur bei T&E Deutschland. „Die Politik sollte dabei vor allem kleinen und mittleren Unternehmen unter die Arme greifen, damit für sie die Transformation nicht an hohen Anfangsinvestitionen scheitert.“

Aktuell hemmen hohe Kosten für Netzanschlüsse und Ladeinfrastruktur die Elektrifizierung von Depots. Sie sind vor allem für kleine Logistikunternehmen mit geringen Margen und kurzen Vertragslaufzeiten eine Hürde. Die Vorlaufzeiten bei der Bereitstellung von Netzanschlüssen dauern oft mehrere Jahre. Sie verdeutlichen, warum der Ausbau des Stromnetzes besser mit dem zukünftigen Ladebedarf im Nutzfahrzeugsektor abgestimmt werden muss.

Gleichzeitig haben innovative Lösungen wie bidirektionales Laden bei langen nächtlichen Standzeiten das Potenzial, zu einer zusätzlichen Einnahmequelle durch Ladeinfrastruktur im Depot zu werden. Die Standzeit von Lkw im Regionalverkehr beträgt im Durchschnitt mehr als zwölf Stunden pro Tag. Zudem profitiert auch der E-Lkw-Fernverkehr von dem Netz an semi-privater und semi-öffentlicher Ladeinfrastruktur.

Spanien und Frankreich zeigen, wie es gehen kann

Laut Studie gibt es erfolgversprechende Ansätze im Ausland: Spanien zeigt, wie sich kleine Unternehmen durch „gegenseitige Garantie-Gesellschaften“ (Sociedades de Garantías Recíprocas) besseren Zugang zu Krediten verschaffen können – unterstützt durch staatliche Informationsprogramme. Frankreich fördert gezielt den Umstieg auf E-Lkw und Depotladen: Durch die Vergabe von Zertifikaten wird die Anschaffung von E-Lkw mit bis zu 50.000 Euro pro Fahrzeug gefördert. Über das Avenir-Programm gibt es eine Förderung von bis zu 15.000 Euro pro Ladepunkt und fast eine Million Euro für Netzanschlüsse.

T&E ruft daher die neue Bundesregierung zu einfacher, pauschaler Förderung für Ladeinfrastruktur und Netzanschlüsse auf – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Darüber hinaus fordert T&E, dass die im THG-Quotenhandel angerechneten Strommengen basierend auf einem realistischen Anteil an Depotladen berechnet werden. Auch der Ausbau der Stromnetze müsse auf den Ladebedarf abgestimmt werden, rechtliche Hürden sollten für gemeinsam genutzte oder gemietete Depots abgebaut werden. Bidirektionales Laden sollte politisch gezielt gefördert und perspektivisch zum Standard werden.

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 12.05.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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